Magdeburg l Die bildhafte Zukunftsperspektive für die neuen Bundesländer hat Altbundeskanzler Helmut Kohl 1990 mit dem Begriff „blühende Landschaften“ ausgedrückt. Sicherlich nicht gemeint waren damit vor 28 Jahren blühende Cannabisfelder. Doch genau die könnte es demnächst geben. Im Zuge der Legalisierung und kontrollierten Abgabe der Suchtpflanze könnten Modellregionen für den kontrollierten Anbau von Cannabis freigegeben werden.

Drei der im Landtag Sachsen-Anhalts vertretenen Parteien haben mit Blick auf das eigene Bundesland zum Vorstoß ihres liberalen Bundes-Kollegen eine klare Meinung: Ja, aber. Für die SPD entbehrt der Gedanke jeglicher Grundlage. Die AfD ist strikt gegen Cannabisfelder zwischen Arendsee und Zeitz. Tobias Krull (CDU) hat kein Problem damit, wenn medizinischer Hanf in Sachsen-Anhalt unter Kontrolle angebaut wird. „Dass so etwas klappen kann, beweist Israel“, sagt das Mitglied des Landtagsausschusses für Arbeit, Soziales und Integration.

Medizinische Zwecke

Die allgemeine Freigabe von Cannabis für medizinische Zwecke sei eine Entscheidung gewesen, die man konsequent zu Ende denken müsse. „Warum sollten wir den Hanf importieren, wenn wir selbst die Möglichkeit haben, ihn unter Berücksichtigung strenger Maßgaben anzubauen.“ Eine generelle Freigabe der Droge lehnt Krull jedoch ab: „Studien haben negative Folgen des Konsums aufgedeckt, und wie damit hinsichtlich des Straßenverkehrs umgegangen wird, ist nicht geklärt.“

Es gebe Alkohol und Tabak – eine weitere Droge brauche man nicht. „In Deutschland gibt es kein Recht auf Rausch.“

Für die SPD-Fraktion wollte sich kein Abgeordneter öffentlich äußern. Pressesprecher Martin Krems teilte schriftlich mit: „Für eine Legalisierung von Cannabis über medizinische Zwecke hinaus gibt es in den Koalitionsverträgen in Bund und Land keine Grundlage. Modellregionen wird es deshalb weder in städtischen noch in ländlichen Räumen geben.“

Konkrete Ansatzpunkte

Für Sebastian Striegel (Grüne) ist Sachsen-Anhalt „schon ein Stück weiter als Mecklenburg-Vorpommern“. Im Cannabis-Kompetenzzentrum der Hochschule Merseburg gebe es zu diesem Thema konkrete Ansatzpunkte. „Es geht unter anderem um Anbauflächen in Industrieparks – zum Beispiel Leuna.“

Der Charme dieser Örtlichkeiten sei, dass es dort bereits einen Wachschutz gebe und das Areal umzäunt sei. Auf einem freien Feld sieht der Landtagsabgeordnete jedoch keinen Anbau. „Schon gar nicht auf den wertvollen Bördeböden. Die sollten dem Anbau von Getreide und Zuckerrüben vorbehalten bleiben.

„Ich würde mich aber sehr darüber freuen, wenn die Landesregierung das Kompetenzzentrum als Standortvorteil unterstützen würde. Striegel spricht sich dafür aus, den Umgang mit Hanf „zu entideologisieren“.

Vorstellbar in Sachsen-Anhalt

Henriette Quade (Linke) kann sich ein Modellprojekt wie das der spanischen „Cannabis Social Clubs“ auch in Sachsen-Anhalt vorstellen. „Dabei wird auf Vereinsebene gemeinsam Cannabis angebaut und geerntet.“

Die Landtagsabgeordnete spricht von „ideologiegetriebener Verbotspolitik“ und sagt, dass es Deutschland „gut zu Gesicht stehen“ würde, „damit Schluss zu machen“.

Sie plädiert dafür, den Cannabis-Konsum „grundsätzlich zu entkriminalisieren und die Eigenbedarfsmenge deutlich zu erhöhen“. Die Polizei hätte anderes zu tun, als jemanden zu verfolgen, der mit einem Joint erwischt wird.

Ulrich Siegmund, gesundheitspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, befürchtet, dass ein mögliches Vorhaben, im Land eine Modellregion zu etablieren, „ausufern“ könnte in Richtung Legalisierung. „Die AfD ist strikt gegen die Legalisierung der Droge, unterstützt jedoch den Einsatz von Cannabis aus medizinischen Gründen.“ Der Bedarf an Hanf zur Behandlung Kranker sei gedeckt. „Jedes Feld mehr im Land ist ein Schritt hin, um Cannabis als Rauschmittel zu nutzen.“

Kommentar "Wer A sagt, muss auch B sagen" zum Thema.