Magdeburg l Die Personaleinschnitte des Bildungsministeriums vom Herbst 2017 sind Ralph Thielbeer noch gut in Erinnerung: Seine Schule, die Magdeburger Grundschule Nordwest, musste damals eine Lehrerin vollständig abordnen, sagt er. In der Folge hatte die Einrichtung mit 200 Schülern zeitweise zwölf Lehrerstunden weniger, als sie für ihr Angebot brauchte.

Die Schule hat die „effizienzsteigernden Maßnahmen“ damals kompensiert, sagt der stellvertretende Schulleiter. Der Unterricht wurde abgesichert, dafür fiel individuelle Förderung weg. Das ging halbwegs gut, bis zu dieser Woche. Jetzt sind vier Kolleginnen auf einmal erkrankt, darunter zwei Klassenlehrerinnen. Für die Schule bedeutet das Ausfall und Klassenzusammenlegungen.

Für den Grundschulverband ist die Lage typisch. Durch die Personaleinschnitte 2017 habe eine Schule mit acht Klassen im Schnitt einen Lehrer abgeben müssen, sagt Verbandschefin Thekla Mayerhofer. Im Gegenzug versprochene Entlastungen aber seien ausgeblieben. Nach einem ersten Anlauf im vergangenen Jahr geht der Verband daher nun erneut in die Offensive.

In einem aktuellen Positionspapier fordert er etwa: „Die Halbjahreszeugnisse sind aufgrund ihrer Gehaltlosigkeit abzuschaffen.“ Und: Auf „pädagogisch wertlose Vertretungsstunden“ etwa durch fachfremde Lehrer sollte ganz verzichtet werden. „Kein Unterricht ist besser als schlechter“, sagte Mayerhofer. Daneben fordert der Verband die Reduzierung der bislang vorgeschriebenen drei Klassenkonferenzen pro Schuljahr und den Abbau von Bürokratie. Die Maßnahmen seien als vorübergehender Krisenplan bis zu einer Entspannung der Personallage gedacht. Sie sollten vor allem die Schulleitungen von Zusatzaufgaben entlasten.

Zeugnisse sind kein "Alarmsystem"

Die Begründung für die Vorschläge liefert der Verband mit: Halbjahreszeugnisse etwa seien verzichtbar, weil Eltern in Gesprächen mit den Lehrern eine viel detailliertere Rückmeldung erhalten. Als Alarmsystem für versetzungsgefährdete Schüler taugten Halbjahreszeugnisse ohnehin nicht. „Dafür kommen sie zu spät im Jahr“, ergänzte Mayerhofer.

Das Ministerium, das die effizienzsteigernden Maßnahmen eingeführt hatte, um den Unterricht trotz Personalnot abzusichern, verwies gestern auf Reformen: Zeugnisformulare für die ersten anderthalb Schuljahre etwa werden ab Februar deutlich vereinfacht, sagte Sprecher Stefan Thurmann. Auch die Zahl der Klassenkonferenzen werde nach einer gestern unterzeichneten Regelung künftig nicht mehr starr festgelegt sein.

Diese sollen künftig nur noch anlassbezogen – etwa bei Gefährdung der Versetzung – stattfinden. Die Forderung, Halbjahreszeugnisse ganz abzuschaffen lehnt die Behörde dagegen ab: „Es gibt einen Informationsbedarf der Eltern“, so Thurmann. Auch die Streichung von Vertretungsunterricht komme nicht infrage: „Fachfremder Unterricht ist nicht per se schlecht.“

Der Kommentar "Hilferuf der Schulen" zum Thema.