Magdeburg l Die Last der Überstunden drückt immer schwerer auf Sachsen-Anhalts Schulen: Seit 2013 stieg sie von 159.000 auf zuletzt 214.000 Stunden (+34 Prozent). Das geht aus Daten des Bildungsministeriums hervor. Besonders betroffen sind die Grundschulen. Hier wuchs die Zahl von 17.800 auf 26.800 (+50 Prozent).

Die Gesamtsumme entspricht dem jährlichen Arbeitsvolumen von etwa 200 Lehrern (insgesamt rund 15.000 Lehrer). Aus Sicht der oppositionellen Linken bringt der Trend ein sorgsam austariertes Puffer-System ins Wanken. Dessen ursprüngliche Idee: Um etwa bei Erkrankungen von Kollegen flexibel reagieren zu können, dürfen Pädagogen im Land wöchentlich bis zu vier Stunden mehr arbeiten. Das Problem: Bei 80 Überstunden pro Lehrer und Schuljahr ist Schluss.

Überstunden sollen zudem möglichst im ersten Halbjahr des nächsten Schuljahres abgebummelt werden. Angesichts des Lehrermangels an den Schulen sei das System „ausgereizt“, sagt Linken-Fraktionschef Thomas Lippmann. Die Schulen hätten immer weniger Mittel, auf Personalmangel zu reagieren. Das schlägt sich nach Ansicht Lippmanns beim Totalausfall von Unterricht nieder. Zwischen Januar und April lag der bei 240.000 Stunden, so hoch wie nie.

Minister will Überstunden extra bezahlen

Das Bildungsministerium betont, es handele sich nicht um ein flächendeckendes Problem, bewertet die Überstunden aber als „Hypothek“ für die betroffenen Schulen. Minister Marco Tullner (CDU) will daher weg von strikten Vorgaben zum Überstundenabbau. Stattdessen will er Mehrarbeit extra bezahlen. Geld wäre vorhanden: Schon für 2017 und 2018 standen jeweils 1,2 Millionen Euro im Haushalt. Bis heute fehlt es aber an einer Richtlinie zur Umsetzung. Tullner hat Finanzminister André Schröder um Unterstützung gebeten. Eine Antwort stand bis gestern aus.

Für die Linke und die Lehrergewerkschaft GEW gehen Tullners Pläne nicht weit genug. Sie fordern Arbeitszeitkonten, auf denen Mehrarbeit gutgeschrieben wird. Damit könnten besonders fleißige Lehrer etwa früher in Rente gehen oder sich Stunden später auszahlen lassen. Das wäre aber nicht billig: Ein Arbeitskontenmodell aus den 90er Jahren kostete das Land schon einmal 300 Millionen Euro. Das Bildungsministerium lehnt ein solches Modell daher ab.

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