Magdeburg l Kerstin Gläser ist niemand, der so schnell aufgibt. „Wir sind immer optimistisch“, sagt die Leiterin des Kinder- und Jugendhauses Lüttgenziatz. Dabei gab es zuletzt rund um das Projekt „Therapiepferde“ wenig Grund zur Freude. Die Einrichtung des Albert-Schweitzer-Familienwerkes in Möckern, in der Kinder mit traumatischen Erfahrungen und anderen psychischen Problemen unter anderem eben auch durch Reittherapie betreut werden, hatte zuletzt einige Stolpersteinen zu überwinden.

Nachdem Pony „Heidi“ starb kurz vor Weihnachten mit „Jonny“ ein weiteres Pferd. Zudem lahmt nun auch die Tinker-Stute Trucee. Dabei bilden Tiere auf dem großzügigen Gelände des Heims für Kinder mit Traumatisierungen und Entwicklungsproblemen eine zentrale Säule der Therapie. Dementsprechend zur richtigen Zeit kamen die 8500 Euro von der gemeinsamen Spendenaktion „Leser helfen“ von Paritätischem und Volksstimme. Doch dann kam eben das Coronavirus.

Ausbildung des Personals beginnt Ende Juli

Außerdem: „Wir haben sehr klare Vorstellungen, was für ein Pferd wir haben wollen“, sagt Gläser. Nicht zu alt, nicht zu jung und auch nicht zu groß und nicht zu klein soll das neue Therapiepferd sein. Es soll bereits so ausgebildet sein, dass es nicht schon bei kleinsten Geräuschen die Nerven verliert, einen gefestigten Charakter also. Aber eben auch noch formbar. Kurzum: „Es ist sehr schwer, ein passendes Pferd zu finden“, so Gläser. Drei Tiere wurden bereits besichtigt. „Wir hoffen, bald das richtige Pferd zu finden“, so Gläser.

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Das Projekt „Therapiepferde“ ist eines von sechs Projekten, das im Rahmen der gemeinsamen Spendenaktion „Leser helfen“ von Paritätischem und Volksstimme bedacht wurden. Für alle Projekte kamen insgesamt 34.551,75 Euro zusammen, die von Lesern gespendet wurden. Davon profitiert auch das Jugendförderzentrum in Gardelegen. Hier hofft auch Geschäftsführer Ralf Böse auf eine baldige Wiederaufnahme des Projekts „Eltern-AG für Gardelegen“. Ab Ende Juli beginnt die Ausbildung zweier Trainerinnen. „Personal für das Projekt zu finden, ist die schwerste Aufgabe“, sagt Böse.

Geschult werden die Trainer von der gemeinnützigen Organisation MAPP-Empowerment, dem Träger des Programms. „Eltern lernen bei dem Programm, mit ihren Kindern zu kommunizieren“, so Böse. Das Projekt gibt den Teilnehmern Methoden an die Hand, mit denen sie ihre Elternrolle besser verstehen können. Einmal wöchentlich finden Gruppentreffen statt - über einen Zeitraum von insgesamt 20 Wochen. „Das Geld von der Volksstimme-Aktion „Leser helfen“ können wir sehr gut gebrauchen für die Ausbildung neuer Trainer“, so Böse. Und auch beim Projekt „Aktiv bewegen und entspannen bei Krebs“ vom Tumorzentrum Magdeburg werden die 4550 Euro genutzt, um die speziell ausgebildeten Sporttherapeuten und die Kosten für die Räumlichkeiten zu bezahlen.

„So langsam geht jetzt endlich alles wieder los und wir können uns wieder in Gruppen treffen“, sagt Julia Noack, Geschäftsführerin des Tumorzentrums Magdeburg. Bei dem Projekt werden krebserkrankte Patienten in der Akuttherapie in vier Gruppen pro Woche mit je acht Leuten Bewegungsangebote mit Seil, Reifen und Co. geboten.

Ob Chemotherapie oder Bestrahlung – durch die Krebstherapie geht viel Muskelmasse verloren. Das Sportangebot fördert das Selbstvertrauen und damit das Wohlbefinden. Auch die Initiative „Schwimmen lernen für Kinder und Jugendliche mit Autismus“ der „Selbsthilfegruppe Autismus“ in Stendal profitiert von der Spendenaktion. 4000 Euro wird das Projekt aus der Aktion erhalten.

Investiert wird das Geld in einen mehrwöchigen Schwimmkurs für Kinder und Jugendliche mit Autismus. Der Kurs findet im Waldbad Dobberkau während der Sommerferien statt.

Mehrwöchiger Schwimmkurs in Dobberkau

„Wir können von dem Geld viele anfallende Kosten wie Ehrenamtspauschale und die Kosten für Schwimmlehrer bezahlen“, sagt Karina Gyhra von der Initiative. Gyhra ist selbst Mutter von zwei Jungen mit Autismus.

Außerdem bedacht wurden die Projekte „MUT – Mit uns haben zum Schutz vor sexualisierter Gewalt an Kindern mit Beeinträchtigungen“ des Wildwasservereins Magdeburg (6000 Euro) und das AWO-Projekt „Kochen aus der Kiste - Senioren kochen mit Tafel-Nutzern“ in Schönebeck (5500 Euro).