Stendal l Die Stendalerin Karin Nelius machte am Sonntagmittag einen grausigen Fund in ihrem Garten. Zwischen Büschen liegen Reste eines ausgeweideten Rehs. „Ich bin entsetzt“, sagt die Geschäftsfrau. Sie wohnt in Stendal im Wiesenweg auf einem weitläufigen Areal – ein Wohngebiet mit Eigenheimen am östlichen Stadtrand von Stendal. Karin Nelius vermutet, dass es sich wohl um den Riss eines Wolfes handelt – und das im Wohngebiet.

Experten des Kompetenzzentrums Wolf in Iden nahmen am Montag zunächst lediglich Fotos in Augenschein. „Aus der Ferne ist eine Beurteilung nur schwer möglich“, sagt Experte Andreas Berbig. Er komme gerne noch vorbei, um vor Ort zu recherchieren, bot er an. Allerdings habe die betroffene Frau den Wunsch dazu nicht geäußert.

Karin Nelius ist enttäuscht, bereits im Februar hatte es ein totes Reh direkt vor ihrem Küchenfenster gegeben. Sie habe die für sie unbefriedigende Antwort erhalten, dass das Tier irgendwo ausgebuddelt worden sei. Mittlerweile ist das Umweltamt vom Landkreis eingeschaltet. Auch zwei Jäger haben sich den neuerlichen Torso angesehen.

Bilder

Nur etwa zwölf Kilometer von Stendal entfernt auf der anderen Elbseite war vor wenigen Tagen eine Gruppe von eingezäuntem Damwild von Wölfen angegriffen worden. Fünf Tiere wurden getötet. In die Herde bei Neuermark-Lübars (Landkreis Stendal) kehrt nur langsam wieder Ruhe ein. Die beiden Besitzer, die das Damwild seit 2002 in einem Gatter nahe der Elbe halten, haben am Wochenende den Zaun repariert und zusätzlich verstärkt. Auch die acht Tiere, die bei der Hatz in Panik über den Zaun geflüchtet sind, konnten zur Herde zurückgeleitet werden. Die Besitzer sind voller Sorge, dass die Wölfe wiederkommen – wissen sie doch, dass das Damwild ein leichte Beute ist. Ein zusätzlicher Schutz mit Strom im Zaun, den der Wolfsbeauftragte Andreas Berbig empfiehlt, ist schwer umsetzbar, ist diese Anschaffung bei über 1000 laufenden Metern doch zu groß.

Wolfssichtungen in der Altmark

Stendal (ta) Der Wolf sorgt in der Altmark zunehmend für kritische Diskussionen. Die Menschen sorgen sich um ihre Sicherheit, Landwirte um ihre Tierherden, Tierschützer hingegen um den Bestand der Wölfe. Die Volksstimme hat zusammengefasst, wie oft der Wolf bisher in der Altmark in Erscheinung getreten ist.

  • 8. Juni 2013: Ein Wolf ist auf dem Truppenübungsplatz Altmark gesichtet worden. Es ist eines der ersten Bilder, die ein Wolfsaufkommen in der Altmark dokumentiert. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

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  • 17. Juni 2013: Ein weiterer Wolf auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide gesichtet worden. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

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  • 17. Juli 2013: Auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide wurden junge Wölfe gesichtet. Sie sind mit einer Wildkamera aufgenommen worden. Es ist eines der ersten Bilder mit Jungwölfen in der Altmark. Es scheint sich hiier ein Rudel angesiedelt zu haben. Archivfoto: Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt

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  • 2015: Mit Schildern wie diesem, das vor einem Vierteljahr am Waldrand von Potzehne bei Gardelegen hing, wird darauf hingewiesen, dass Wölfe in diesem Gebiet nach Beute suchen. Archivfoto: Cornelia Ahlfeld

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  • 30.3.2015: Philipp Koevel sichtete einen Wolf auf der Straße von Dobbrun in Richtung Osterburg. Foto: privat/Philipp Koevel

    30.3.2015: Philipp Koevel sichtete einen Wolf auf der Straße von Dobbrun in Richtung Osterbu...

  • 23. Juni 2015: Und wieder ist ein Wolf auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger-Heide mit einer Wildkamera aufgenommen worden. Archivfoto: Bundesforstamt Nördliches Sachsen-Anhalt

    23. Juni 2015: Und wieder ist ein Wolf auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Let...

  • 2016: Mit einer Wildkamera sind auf dem Klietzer Platz mehrere Filmsequenzen aufgenommen worden, von denen dieses Foto stammt. Foto: privat/Dirk Rahnfeld

    2016: Mit einer Wildkamera sind auf dem Klietzer Platz mehrere Filmsequenzen aufgenommen worden, ...

  • 4. August 2016: Die Wildkamera hält am dieses Bild mit den zu diesem Zeitpunkt noch recht kleinen Wolfswelpen auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide fest. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

    4. August 2016: Die Wildkamera hält am dieses Bild mit den zu diesem Zeitpunkt noch recht kl...

  • 23.7.2016: Neugierig guckt einer der fünf Wolfswelpen in der Colbitz-Letzlinger Heide in die Wildkamera. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

    23.7.2016: Neugierig guckt einer der fünf Wolfswelpen in der Colbitz-Letzlinger Heide in die...

In unmittelbarer Umgebung des Klietzer Truppenübungsplatzes, wo inzwischen mehrere Rudel angesiedelt sind, war das der erste Angriff in diesem Ausmaß, so der Wolfsbeauftragte. Das Muffelwild allerdings auf dem Klietzer Platz, das bislang viele auswärtige Jäger anlockte, ist inzwischen nahezu ausgerottet, weil es leichte Beute für den Wolf ist.