Burg-Giebichenstein-Absolventen im Kunstmuseum

Fünf Künstler, fünf Stile in Magdeburg

Ein Blick in die Ausstellung „Next Season“ im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen. Sie läuft bis Anfang September.

Von Grit Warnat
Das Magdeburger Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen zeigt neu erworbene Werke junger Künstler aus Sachsen-Anhalt.
Das Magdeburger Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen zeigt neu erworbene Werke junger Künstler aus Sachsen-Anhalt. Foto: Uli Lücke

Magdeburg „Next Season“ ist eine leichte, man kann sagen zarte Ausstellung. Lediglich die schweren Keramikarbeiten von Johannes Nagel setzen einen Kontrapunkt. Ansonsten beherrschen Buntstift, Kohlestaub und Papier die Szenerie im Westflügel des Kreuzganges im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen.

Wo vor einigen Wochen noch die farbintensive Ölmalerei von Hartwig Ebersbach zu sehen war, die mit einigen Metern Abstand am besten verinnerlicht werden konnte, sollte der Betrachter jetzt sehr nah an die Arbeiten herantreten. Dann ist die besondere Feinheit viel besser erkennbar. Ulrike Zabel zum Beispiel, eine der fünf Ausstellenden, arbeitet mit Buntstiften, wie man beim Betrachten schnell vermutet. Zarte Farben heben sich ab vom neutralen Papier. Ketten malt sie und man meint, Filz zu erkennen, der sich mal verjüngt, mal dicker wird.

Nora Mona Bachs Werke sind ganz anderer Natur. Sie wählt große Formate und arbeitet mit Kohlestaub, den sie erst komplett aufbringt und anschließend die Form rauswischt. Gartenlandschaften entstehen so, Sträucher, Pusteblumen. Bei Bach nur ist nichts bunt und prall wie in einem sommerlichen Gartenreich. Sie setzt auf Graustufen, die hinter Glas geschützt sind. Jeder, der schon mal mit Kohle gearbeitet hat, weiß, wie schon kleinste Berührungen eine Zeichnung verändern können.

Auch Hanna Sass, gelernte Tischlerin, setzt in ihren Holzschnitten auf feine Schattierungen, die nicht glauben lassen, dass hier mit Beil und Stecheisen gearbeitet wurde. „Next Season“ zeigt traditionelle Techniken – Zeichnung, Druckgrafik, Keramik – mit ungewohnten Herangehensweisen. Fünf Künstler, fünf Handschriften. Und doch gibt es bei all der Individualität Gemeinsamkeiten. In der Biografie der ausstellenden Künstler findet sich das Studium an der Burg Giebichenstein. Bach, Sass und Zabel lernten in der Grafikklasse bei Thomas Rug. Auch Linda Grüneberg mit ihren an Webstühle und Fadenlogik angelehnten Linolfarbdrucken auf Japanpapier sowie Johannes Nagel mit seinen Skulpturen, die wie aus der Natur gewachsen sind, wurden an der Kunsthochschule in Halle ausgebildet. Man kennt sich, Freundschaften verbinden die Künstler. Jeder geht seinen Weg, jeder hat sein Material gefunden.

Dass das Kunstmuseum Magdeburg die Fünf präsentiert, ist auch dem Ankauf des Landes Sachsen-Anhalt und der Übereignung als Dauerleihgabe zu verdanken. Fast alle ausgestellten Werke gehören zum Bestand des Hauses.