Verlag aus der Nähe von Halle

Vier Kilogramm Welterbe

János Stekovics bringt opulente Bücher heraus. Jetzt gibt es in seinem Verlag ein besonderes Schwergewicht. Es wiegt fast vier Kilogramm und erzählt von historischen Kulturlandschaften und den Welterbestätten in Sachsen-Anhalt.

Von Von Grit Warnat
Ein Detailfoto vom Lettner im Naumburger Dom.
Ein Detailfoto vom Lettner im Naumburger Dom. Foto: Janos Stekovics

Magdeburg/Dößel - Der Verlag János Stekovics im beschaulichen Dößel bei Halle steht für Publikationen zu Kultur und Geschichte Sachsen-Anhalts. Oft sind es opulente Bildbände wie der neueste Wälzer mit 626 Abbildungen, vier Kilogramm schwer. „Welterbe in Sachsen-Anhalt“, so der Titel, lenkt den Blick auf die von der Unesco Geadelten in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus auf eine historisch geprägte Kulturlandschaft. „Perlen am Rande“ sind Magdeburger Dom, Stiftskirche Gernrode, Taufkirche Martin Luthers, Kloster Jerichow.

Stekovics, Verleger und leidenschaftlicher Fotograf, war für das Buch viel unterwegs, hat wieder einmal jahreszeitlich sehr unterschiedliche Stimmungen festgehalten und Details eingefangen, die man nur findet, wenn man die Region bestens kennt. „Ich suche Geschichten, die man so noch nicht gesehen hat“, sagt er.

Stekovics kennt seine Wahlheimat sehr gut. Seit 1979, nur mit wenigen Unterbrechungen, lebt der gebürtige Ungar hier, erzählt er. Er studierte Chemie in Merseburg, 1992 gründete er den Verlag mit seinem Namen und führt ihn mit seiner Frau. Seitdem haben beide Hunderte Titel auf den Markt gebracht, allein fünf über das Wörlitzer Gartenreich, das sich jetzt auch in einem Kapitel im Welterbe-Buch wiederfindet. Gartenreich Dessau-Wörlitz, Quedlinburg, Naumburger Dom, Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg, Dessauer Bauhaus-Bauten – Sachsen-Anhalt zählt die höchste Dichte an Unesco-Welterbestätten in Deutschland.

Manches hatte der Verleger schon im „Kasten“, aber für das neue Mammutwerk fuhr er wieder und wieder los. Die Stunden und Tage zu benennen, sei unmöglich, sagt er.

Allein für Naumburg hatte er sieben Arbeitstage geplant. Sie beginnen früh und enden spät. Tausende Fotos entstehen. Selbst bei den berühmten und vielfotografierten Stifterfiguren sowie den Lettnern schafft er es, die Blicke auf ganz neue Details zu lenken. Er entlockt den steinernen Gesichtern Emotionen.

Der Welterbe-Dom ist seit vielen Jahren schon Motiv des Verlegers. Er weiß um die Lichtspiegelungen zu bestimmten Tageszeiten in den Chören. An Orten wie Goseck und Quedlinburg arbeitet er seit 20 Jahren. Schwärmen kann er über tolle Stimmungen – egal ob an Flüssen oder in Domschätzen. Nicht immer, so meint er, kann er sie auch so einfangen wie bei seinem Foto vom Ringheiligtum Pömmelte.

Eigentlich sei er auf dem Weg nach Quedlinburg gewesen. Minus 18 Grad. Sonne und Nebel vermischten sich. Er habe sich kurzerhand für das Ringheiligtum nahe Pömmelte (Salzlandkreis) entschieden und die Drohne in den Himmel geschickt. Das Foto wird mit der sibirischen Kälte archaisch. Ihm hat Stekovics sehr zu Recht zwei Seiten eingeräumt.

Den abgebildeten Wolf im Schnee aber, den hat er nicht selbst vor der Linse gehabt. Das Glück hatte Thomas Hinsche am Sieglitzer Berg im Gartenreich Dessau-Wörlitz. Von Hinsche bereichern mehrere Tierfotografien die Ausgabe.

Stekovics sagt, er sei stolz auf das Ergebnis. Es habe Kraft gekostet. „Ich will auf keinen Fall, dass man unsere Bücher hinten im Regal versteckt“, sagt er. Für sein Engagement und seinen Idealismus wurde der Verleger 2020 mit der Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt geehrt.

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Foto: Verlag