Halle l Beim 40. Verhandlungstag im Prozess gegen Reichsbürger Adrian Ursache am Mittwoch in Halle verkündete der Vorsitzende Richter Jan Stengel überraschend, dass wieder in die Beweisaufnahme eingetreten wird. Diese war mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft bereits vor einigen Wochen geschlossen worden. Nach einigen Befangenheitsanträgen gegen das Gericht und neuen Anträgen der Verteidigung verzögerte sich die Urteilsfindung zuletzt immer wieder. In dieser Woche waren bereits die Plädoyers der Verteidigung und ein Urteil erwartet worden.

Es soll nun noch der beim SEK-Einsatz durch ein Projektil getroffene Beamte vernommen werden. Seine Schutzkleidung soll dabei durch die Verteidigung in Augenschein genommen werden. Termine sind nun bis in den November geplant. Zunächst hatte die Verteidigung immer wieder Befangenheitsanträge gestellt.

Der Prozess gegen Ursache war am Dienstag kurz nach Beginn der Sitzung vorm Landgericht Halle für einen Tag ausgesetzt worden. Das Gericht musste über Befangenheitsanträge entscheiden, die aber am Mittwoch als unzulässig abgewiesen wurden.

Dem Ex-Mister-Germany wird versuchter Mord, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Er soll bei einem Polizeieinsatz an seinem Grundstück einem SEK-Beamten gezielt auf den Kopf geschossen haben. Der Angeklagte selbst wurde bei dem Einsatz durch Schüsse lebensgefährlich verletzt. Sein Grundstück hatte bereits tags zuvor zwangsweise geräumt werden sollen.

Der Verfassungsschutz rechnet Ursache der "Reichsbürger"-Bewegung zu. "Reichsbürger" erkennen die Bundesrepublik, deren Gesetze, Vertreter und Gerichte nicht an. Der Angeklagte bestreitet dies.