Halle (dpa) l Im vergangenen Jahr ist zeitweise fast jeder achte Beschäftigte in Sachsen-Anhalt von Kurzarbeit betroffen gewesen. Im April etwa hätten fast 15.400 Betriebe Kurzarbeitergeld für insgesamt knapp 101.700 Beschäftigte abgerechnet, teilte die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit am Freitag in Halle mit. Das habe etwa 12,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Land entsprochen.

Im Mai rechneten den Angaben zufolge rund 12.650 Betriebe für etwa 90.800 Mitarbeiter Kurzarbeitergeld ab, im Juni etwa 9240 Betriebe für 68.900 Personen. Für die Folgemonate liegen noch keine Zahlen vor.

Insgesamt hätten die Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt im Jahr 2020 274,8 Millionen Euro an konjunkturellem Kurzarbeitergeld und Sozialversicherungsbeiträgen an Unternehmen ausgezahlt. "Die Kurzarbeit hat ganz wesentlich dazu beigetragen, einen deutlicheren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern", erklärte der Geschäftsführer der Regionaldirektion, Markus Behrens. "Sie hilft den Unternehmen ihre Fachkräfte zu halten, um nach der Krise oder zwischen den Lockdowns sofort wieder durchstarten zu können."

Behrens rechnet auch für das erste Halbjahr 2021 mit weiterhin vergleichsweise hohen Kurzarbeiterzahlen in den Branchen, die vom Lockdown betroffen sind. Von einer Erholung könne erst ausgegangen werden, wenn das Pandemiegeschehen unter Kontrolle sei.

Bevor Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tatsächlich in Kurzarbeit schicken, reichen sie bei den Arbeitsagenturen eine entsprechende Anzeige ein – die Zahlen sind deutlich höher als die tatsächlich realisierte Kurzarbeit. Der Regionaldirektion zufolge gingen im Jahr 2020 rund 27.000 Anzeigen auf konjunkturelles Kurzarbeitergeld für zusammen etwa 266 100 Menschen ein. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 waren es nur 280 Anzeigen für etwa 7500 Personen gewesen.

Die meisten Anzeigen habe es im Handel (5115) und im Gastgewerbe (4239) gegeben, aber auch im Bereich "sonstige Dienstleistungen und private Haushalte" (3362), dem Baugewerbe (2833) und dem Verarbeitenden Gewerbe (2520).