Magdeburg/Stendal l Die Zahl der Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern ist im vergangenen Jahr um 37 leicht gesunken. Zu den aktuell 429 angezeigten Straftaten konnten nach weiteren Angaben des Landeskriminalamtes 375 Verdächtige ermittelt werden. 21 von ihnen waren Frauen. Die Aufklärungsquote lag bei 91,1 Prozent. Die meisten Missbrauchs­taten gab es der Statistik nach in Halle (69), Magdeburg (44) und Anhal-Bitterfeld (36). Die wenigsten gab es im Jerichower Land (17), im Landkreis Stendal (19) und in der Stadt Dessau-Roßlau (20).

Zwei Straftaten sind am Mittwoch an den Landgerichten in Stendal und Magdeburg verhandelt worden:

In Magdeburg startete der Prozess gegen einen 58-jährigen Mann aus Barby im Salzlandkreis wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Dem Onkel eines der Opfer wird vorgeworfen, sich über ein Jahr lang seit November 2017 rund 30 Mal an vier Jungen vergangen zu haben. Die Kinder waren zur Tatzeit zwischen elf und 13 Jahre alt. Der Angeklagte hatte die Jungen offenbar immer wieder mit Zigaretten zu sich in die Wohnung gelockt. Laut der Mitarbeiterin eines Jugendclubs, der sich die Jungen schließlich anvertrauten, soll der Angeklagte sie zudem erpresst haben. Demnach habe er gedroht, sie in seiner Wohnung einzusperren und sie in ein Heim stecken zu lassen, wenn sie ihm nicht gehorchen würden.

Der Angeklagte räumte zum Prozessstart den sexuellen Missbrauch der Minderjährigen grundsätzlich ein. Allerdings bestritt er, dass der sie bedroht oder zu den sexuellen Handlungen gezwungen hätte. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe Ende 2018 war der Angeklagte in seiner Wohnung von Unbekannten überfallen und verprügelt worden. Die Anzeige gegen unbekannt bei der Polizei wegen des Vorfalls hat der Mann inzwischen zurückgezogen. Er sitzt seit dem 16. November 2018 in Untersuchungshaft. Mit einem Urteil wird diese Woche gerechnet.

Missbrauch in acht Fällen

Ein weiterer Prozess startete am Mittwoch am Landgericht Stendal und endete am gleichen Tag mit einem Urteil. Ein geständiger 35-Jähriger ist dort wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs in acht Fällen in einem Ort bei Arendsee vom Landgericht in Stendal zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Davon gelten drei Monate wegen „überlanger Verfahrensdauer“ als verbüßt (das Verfahren ruhte aus nichtgenannten Gründen seit Ende 2015).

Die Freiheitsstrafe für den seit 2016 in Nordrhein-Westfalen wohnenden, einer regelmäßigen Arbeit nachgehenden und in einer festen Beziehung lebenden Angeklagten wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Als Bewährungsauflage muss er 800 Euro an den Opferschutzverein „Weißer Ring“ zahlen. Die zur Tatzeit (Ende 2014 bis März 2015) 20-jährige Freundin des Angeklagten überredete ihre damals zwölfjährige Schwester zum Geschlechtsverkehr mit ihrem Freund, der noch dazu ungeschützt war. Die Freundin des Täters filmte den Missbrauch mit dem Handy und erpresste nach Angaben des heute 35-jährigen Angeklagten diesen später damit. Die heute 25-Jährige erwartet ein Extra-Verfahren wegen Kindesmissbrauchs.