Volksstimme-Aktion „Leser helfen“ 2025 Verein Wildwasser braucht Ausstattung für Gruppenberatungen
Hilfe für Betroffene sexualisierter Gewalt: Die Volksstimme und der Paritätische bitten um Spenden für den Verein Wildwasser Magdeburg.

Magdeburg. - Schuld und Verantwortung, Sorge um das Kind sowie um die Sicherheit und den Schutz in der Zukunft - das sind einige der Gefühle, die Bezugspersonen von Opfern sexualisierter Gewalt oft belasten. Neben den Betroffenen selbst brauchen deswegen auch häufig Eltern, Verwandte, Lehrkräfte und Co. Unterstützung nach einem Vorfall. Seit mehr als 30 Jahren hält der Verein Wildwasser Magdeburg für diese Menschen die Stellung und hilft ihnen, mit dem Erlebten umzugehen.
Carina Walofsky ist seit 18 Jahren in der Fachberatungsstelle tätig und bemerkt einen deutlichen Anstieg der Beratungsanfragen. 645 Menschen aus Magdeburg, dem Jerichower Land, der Börde, dem Salzlandkreis und dem Harz haben im vergangenen Jahr Rat bei Wildwasser gesucht. In zehn Jahren haben sich die Anfragen mehr als verdoppelt. „Die Sensibilisierung für das Thema sexualisierte Gewalt nimmt deutlich zu, auch dadurch, dass viel mehr über Fälle berichtet wird“, erklärt Walofsky den Anstieg.
Verein Wildwasser Magdeburg stärkt von sexualisierter Gewalt Betroffene
Sexualisierte Gewalt kann überall passieren, oft findet sie jedoch im direkten Umfeld statt: im Sportverein, in der Schule oder sogar in der eigenen Familie. Eltern wenden sich teilweise nach konkreten Tatbeschreibungen des Kindes an den Verein, teilweise aber auch mit einem unspezifischen Gefühl, dass durch eine Einzelaussage des Kindes entstanden ist.
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„Es ist fast wichtiger, sich zuerst den Unterstützern zu widmen und sie zu stärken, als die Kinder“, sagt Walofsky. Das passiert unter anderem durch telefonische oder Einzelberatung, aber auch im Gruppensetting. Dabei geht es um die psychische Stabilisierung und Bewältigung des Erlebten, Wildwasser unterstützt aber auch bei der Suche nach Psychotherapie und begleitet Betroffene in Strafverfahren. Außerdem führt der Verein Kurse zur Ermutigung und Selbstbehauptung durch.
Zahl der Ratsuchenden steigt: Mehr Zulauf bei Wildwasser
„Uns geht es nicht darum, zu diagnostizieren oder über die Taten zu sprechen, sondern zu schauen, was funktioniert für die Betroffenen im Alltag, was stärkt sie“, erklärt Vivien Rudolph. Wie kann die Gewalt gestoppt werden? Was kann den Betroffenen helfen? Wie können sie sich schützen und stark machen? - Diese Fragen versucht Wildwasser, zu beantworten.
Damit die Gruppenberatungen in einem angemessenen Rahmen stattfinden können, ist der Verein auf Spenden angewiesen. Er wird zwar bereits durch das Land und die Stadt gefördert - das reiche jedoch nicht aus. „Wir müssen einen sehr hohen Eigenanteil erwirtschaften“, sagt Walofsky. Einnahmen erzielt der Verein nur durch Fortbildungen, die Beratungen sind kostenlos.
Magdeburger Verein braucht Spenden für Gruppenberatung
Es fehle an Sitzmöglichkeiten und Decken, Schreib- und Moderationsmaterial, Fachbüchern und Kursmaterialien. Dazu gehören zum Beispiel Gegenstände für den „Notfallkoffer“. Darin befinden sich unter anderem Knete, Igelbälle oder Magneten. Durch Reize auf der Haut oder laute Geräusche können sich die Betroffenen von schlimmen Gedanken und Bildern im Kopf ablenken. Davon seien schon Einzelsätze vorhanden, für die Gruppenberatung oder zum Mitgeben werde mehr Material benötigt.