Magdeburg l Mit einem „Weihnachtsmangelwald“ hat eine Volksinitiative am Mittwoch vor dem Landtag von Sachsen-Anhalt auf den Personalmangel in den Schulen aufmerksam gemacht. Geschmückt waren die Bäume mit mehr als 1000 beschrifteten CDs, auf denen Schüler und Lehrer aus allen 14 Landkreisen Sachsen-Anhalts Wünsche und Probleme formuliert hatten. „Ich möchte, dass meine Lehrerin für mich Zeit hat“, schrieb etwa eine Schülerin der Grundschule Staats (Kreis Stendal). Kernforderung der Initiative ist die rasche Einstellung von 1000 Lehrern und 400 pädagogischen Mitarbeitern zusätzlich. Alle jungen Lehrer sollen im Land gehalten und die Ausbildung des Pädagogennachwuchses ausgeweitet werden.

Vertreter der Initiative trugen ihr Anliegen bereits im Plenum und in Ausschüssen des Landtags vor. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) verwies im Gespräch mit Vertretern der Initiative am Mittwoch auf eine Empfehlung des Petitionsausschusses, die Stellenzahl bereits ab 2019 spürbar zu erhöhen, geplant war das bislang später. Andere Bundesländer hätten allerdings ähnliche Probleme. "Wir dürfen auch nicht den Eindruck erwecken, dass die Zustände hier unerträglich sind", sagte Haseloff.

Eva Gerth, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die zu den Organisatoren gehört, sagte, der Grunddissenz bleibe: Die Volksinitiative fordere sofortige Entlastung für die Schulen, die Landesregierung wolle erst ab 2019 mehr Personal einstellen. Sie hoffe nun zumindest auf die ebenfalls vom Petitionsausschuss empfohlene Kompensation von Lehrkräften, die durch Langzeiterkrankungen oder Elternzeit nicht vor den Klassen stehen können, sagte Gerth. Laut Bildungsministerium handelt es sich um mehr als 600 Stellen. Ihr Ersatz würde den Landeshaushalt nicht zusätzlich belasten.

Linke fordert Nachtragshaushalt

Thomas Lippmann, Fraktionschef der Linken, die ebenfalls zu den Initiatoren der Volksinitiative gehört, sagte: "Herr Haseloff ist der Initiative außer mit warmen Worten nicht substanziell entgegengekommen." Zur Gretchenfrage werde nun, ob es zum neuen Schuljahr spürbare Verbesserungen bei der Personalversorgung gibt. Dazu sei ein Nachtragshaushalt nötig. Gebe es keine Verbesserungen erwäge die Initiative ein Volksbegehren.

 

Die Landesregierung wollte ursprünglich bis 2021 die Zahl von 14.500 Vollzeit-Lehrerstellen erreicht haben, Änderungsmöglichkeiten sind je nach Bedarf bereits im Koalitionsvertrag verankert. Bis Ende 2017 sollen 14.237 Vollzeitstellen für Lehrer in den Schulen besetzt sein.