Stendal/Eisleben (dpa) l Im Landkreis Stendal wird am Sonntag (10. November) ein neuer Landrat gewählt. In dem flächenmäßig größten Landkreis Sachsen-Anhalts sind rund 95.000 Menschen zur Stimmabgabe aufgerufen, wie die Kreisverwaltung mitteilte. Es stellen sich drei Kandidaten zur Wahl: der bisherige Landrat Carsten Wulfänger (CDU), der AfD-Kandidat Arno Bausemer und Patrick Puhlmann (SPD), der von Linken, Grünen und SPD unterstützt wird.

In Eisleben sind ebenfalls am Sonntag rund 20.000 Wahlberechtigte aufgerufen, ein neues Stadtoberhaupt zu wählen. Die langjährige Oberbürgermeisterin der Lutherstadt, Jutta Fischer (SPD), tritt aus Altersgründen nicht mehr an, wie Wahlleiter Norbert Schulze sagte.

Vier Kandidaten sind für die Wahl zugelassen: Steffen Dlugosch (AfD), Kathrin Gantz (Die Linke), Marco Nagel (Die Partei) und der parteilose Carsten Staub, der von der CDU unterstützt wird. Angesichts der gesunkenen Einwohnerzahl werde in Eisleben nun kein Oberbürgermeister sondern ein Bürgermeister als Stadtoberhaupt für eine Amtszeit von sieben Jahren gewählt.

Für die Landratswahl wie für die Bürgermeisterwahl gilt: Sollte im ersten Wahlgang keiner der Bewerber mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, gibt es am 1. Dezember eine Stichwahl.

In Stendal hatte der amtierende Landrat Wulfänger vor sieben Jahren die Stichwahl ganz knapp mit 69 Stimmen Vorsprung vor seinem SPD-Konkurrenten gewonnen. Die Wahlbeteiligung hatte bei nur rund 16 Prozent gelegen. Wulfänger musste sich kurz nach seinem Amtsantritt als Krisenmanager beweisen – im Sommer 2013 setzte das Hochwasser an Elbe und Havel große Teile des Kreises unter Wasser.

Bis heute beschäftigt die Landratswahl 2012 aber auch die Justiz. 2017 hatte die Staatsanwaltschaft Stendal Ermittlungen wegen des Verdachts der Wahl- und Urkundenfälschung aufgenommen. Die Ermittlungen laufen noch immer. Es stünden noch ergänzende Schriftgutachten aus, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stendal auf Anfrage mit.

Die Landratswahl war in den Fokus gerückt, nachdem klar war, dass bei der Kommunalwahl 2014 Hunderte Briefwahlstimmen gefälscht worden waren. Ein ehemaliger CDU-Stadtrat wurde deshalb vom Landgericht Stendal zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Auch ein Untersuchungsausschuss im Landtag, der der Briefwahlaffäre befasst, geht der Landratswahl nach.