Volksstimme-Aktion „Leser helfen 2025“ Was Kinder und Eltern beim Mutflüster-Kurs erleben
Die Volksstimme und der Paritätische Sachsen-Anhalt haben die Spendenaktion „Leser helfen 2025 “ gestartet. Unterstützt werden Projekte, die Familien und Kinder stark machen. Der Halberstädter Verein der Pflege- und Adoptiveltern braucht Hilfe für eines seiner Vorhaben.

Halberstadt. - Susanne Rausch hält ein Blatt Papier in den Händen, darauf ein großes rotes Herz. Mit jedem Schimpfwort knüllt sie das Papier ein bisschen mehr zusammen. Am Ende ist es ein Papierball, den sie wieder auseinanderfaltet. Das Herz ist zerknittert, gezeichnet von den Schmähungen.
Eltern und Kinder aus dem Halberstädter Verein der Pflege- und Adoptiveltern schauen gleichermaßen betroffen. Worte verletzten, das haben alle schon erlebt, die hier gemeinsam mit Susanne Rausch in einer Turnhalle sitzen. Aber die Falten, Knicke und Knitterspuren geben ein anschauliches Bild für etwas, für das einige der Kinder keine Worte haben.
Interesse der Familien am Kurs ist groß
„Darum geht es uns ja, dass wir uns alle bewusster werden, was es heißt, Mobbing zu erleben. Und wie man sich wehren kann, wie man umgehen kann mit solchen Situationen“, sagt Kathrin Kube. Die Vorsitzende des Halberstädter Vereins der Pflege- und Adoptiveltern ist froh, dass sie für einen ersten Mini-Mutflüster-Kurs Spendengeld auftreiben konnte. „Der erste Kurs hat alle begeistert, Kinder wie Eltern gleichermaßen. Andere Familien haben schon gefragt, wann wieder ein Kurs stattfindet. Doch dafür müssen wir Geld sammeln. Ein Tag kostet 1.400 Euro, und 100 Euro Teilnehmergebühr kann nicht jedes Elternhaus mal so eben aufbringen.“

Doch wiederholen würden sie das Angebot gern. Zum Kurs gehört ein Elternabend, in dem die Mobbingexpertin Rausch erklärt, was in Körper und Kopf der Kinder passiert, wenn sie wütend werden, wenn sich die Eskalationsspirale aufbaut. „Es ist hilfreich zu erfahren, woran ich solche Eskalationsstufen erkenne und was ich tun kann, um deeskalierend einzugreifen“, berichtet Kube, die selbst inzwischen sieben Pflegekinder auf den Weg ins Leben begleitet hat und noch begleitet.
Hilfreiche Erfahrungen für Kinder und Eltern gleichermaßen
Aus der Situation herauszugehen, den Fokus des Kindes auf etwas anderes zu lenken, sei so ein hilfreicher Tipp. „Gerade unsere Pflegekinder gehen ja schnell an die Decke, das kann kräftezehrend sein“, sagt Kube. Dazu komme, dass Kinder oft nicht erzählen, was sie in Kindergarten, Schule oder Freizeit an Negativem erleben. In der entspannten, spielerischen Atmosphäre habe Susanne Rausch ein Umfeld geschaffen, in dem die Kinder bereit waren, von Beleidigungen, Belästigungen und Ausgrenzung zu erzählen, die sie selbst erlebt haben. Die Eltern waren da nicht mit im Raum.

Der Kurs setzt darauf, das Selbstvertrauen der Kinder auf spielerische Art zu fördern, Bewegungsspiele gehören dazu, Übungen, in denen sich alle ihrer Körpersprache bewusst werden. Sie spüren die eigene innere Haltung, lernen, Gefühle und eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, ihnen einen Namen zu geben. Gerade für die Kleinsten im Kurs eine spannende Erfahrung, berichtet Kube. Beim ersten Kurs waren Kinder zwischen vier und sechs Jahren dabei, der zweite Teil des Tages richtete sich an Kinder, die an der Schwelle zur Pubertät stehen, also Fünft- bis Siebtklässler.
Der Kurstag habe allen Mut gemacht, sagt Kube. „Aber damit noch mehr von unseren derzeit 80 Pflegekindern, die in 45 Familien untergebracht sind, das Angebot erleben können, sind wir auf Spenden angewiesen.“