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Fragezeichen in Melbourne Formel 1 startet in neue Ära – WM-Jagd auf Norris beginnt

Die Formel 1 erlebt eine der einschneidendsten Regelreformen ihrer Geschichte. In Melbourne gibt es beim Saisonstart einen echten Hinweis auf die Kräfteverhältnisse.

Von dpa 04.03.2026, 09:12
In Melbourne findet der erste Grand Prix des Jahres statt. (Archivbild)
In Melbourne findet der erste Grand Prix des Jahres statt. (Archivbild) Asanka Brendon Ratnayake/AP

Melbourne - Nach 91 Tagen Pause gibt die Formel 1 in einem Grand Prix wieder Vollgas. Vor dem ersten Saisonrennen am Sonntag (05.00 Uhr MEZ/Sky) in Melbourne herrscht aber soviel Ungewissheit wie selten. Das hat in erster Linie mit der Regelreform zu tun. Die Formel 1 kann sich aber nicht vom Weltgeschehen abkoppeln.

Was ist in Melbourne los?

Auswirkungen der Eskalation im Nahen Osten bekam auch die Formel 1 zu spüren. Aufgrund der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran und der Gegenschläge Teherans ist der Luftverkehr in großen Teilen der Region weitgehend zum Erliegen gekommen. Deshalb mussten auch Hunderte Mitarbeiter, die für die Formel 1 selbst oder die Rennställe arbeiten, ihre Routen ändern. Statt über Dubai oder Doha (Katar) nach Australien anzureisen, wichen viele auf Singapur oder Hongkong aus.

„Die Formel 1 als Organisation ist sehr gut darin, Menschen rund um die Welt zu bewegen. Das ist ihre Aufgabe. Und so konnten sie das auch umsetzen, sodass wir keine Auswirkungen auf unser Rennen erwarten“, versicherte der Geschäftsführer des Grand Prix von Australien, Travis Auld.

Was ist neu in dieser Saison?

Sehr vieles. Einer der größten Reglementeinschnitte der Formel-1-Geschichte könnte dafür sorgen, dass sich die Kräfteverhältnisse zugunsten eines Teams verschieben, das die neuen Maßgaben besonders gut umzusetzen weiß. Zuletzt gelang das Mercedes ausgezeichnet, als 2014 die Hybrid-Ära anbrach.

Nun sind die neuen Autos kürzer, schmaler und leichter. Die Motoren werden zu gut 50 Prozent vom Verbrenner angetrieben, der von komplett nachhaltigem Kraftstoff befeuert wird. Die restlichen fast 50 Prozent liefert die Batterie. Außerdem ist die Aerodynamik der Autos neu, weil die bislang speziell geformten Unterböden wieder flach sind.

Im Fahrerfeld ist nur ein kompletter Neuling dabei. Arvid Lindblad (18) aus der Red-Bull-Akademie wurde befördert und fährt künftig für das Schwesterteam Racing Bulls. In Valtteri Bottas und Sergio Perez gibt es zwei Rückkehrer in ein Stammcockpit. Der Finne und der Mexikaner bilden das Fahrerduo beim brandneuen elften Formel-1-Team Cadillac, einer General-Motors-Tochter. Seine Premierensaison als Werksteam erlebt Audi.

Wer ist der Favorit?

Wenn man bei den vier Topteams McLaren, Mercedes, Red Bull und Ferrari nachfragt, bekommt man immer eine ähnliche Antwort: Die anderen sind die Favoriten. Den Druck weiterzugeben, gehört zum guten Ton in der Formel 1. Mercedes wirkte schon früh während der Testfahrten in Bahrain, wo jedoch kein Team sein volles Potenzial zeigt, souverän.

Der von Max Verstappens Red-Bull-Rennstall zusammen mit Ford erstmals in Eigenregie entwickelte Motor scheint sehr leistungsstark. In dem frisch vermählten Charles Leclerc eroberte aber ein Ferrari-Fahrer zum Abschluss der Tests in der Wüste vor zwei Wochen deutlich die Bestzeit.

Für McLaren wiederum muss es darum gehen, nach den Konstrukteurstiteln 2024 und 2025 sowie dem erstmaligen Fahrertitel 2025 für Lando Norris weiter die Konkurrenz abzuhängen. Einer der größten Rivalen des Engländers ist sein eigener Teamkollege Oscar Piastri. Der gebürtige Melbourner würde bei seinem Heimspiel zunächst mal gerne dafür sorgen, einen Fluch zu brechen. Seit dem ersten Grand Prix von Australien 1985 hat es kein Einheimischer auf das Podium geschafft.

Wie steht es um den deutschen Faktor?

Mercedes scheint gewappnet, um ganz vorn dabei zu sein. In Audi feiert der zweite deutsche Formel-1-Rennstall sogar seine Premiere als Werksteam. Die Volkswagen-Tochter kann auf viel Erfahrung aus der Schweiz zurückgreifen, schließlich wurde Kick Sauber geschluckt.

Es sei aufregend, „das erste Rennen einer völlig neuen Ära und das Debüt des Audi-Teams zu erleben“, sagte Nico Hülkenberg, der einzige verbliebene deutsche Fahrer. „Es war ein langer Weg und es hat lange gedauert, aber jetzt sind wir endlich da.“ Die Aufregung im Team und in den Fabriken in Hinwil, wo das Chassis gebaut wurde, und in Neuburg an der Donau, wo der Motor entwickelt wurde, sei zu spüren.

Audi-Teamchef Jonathan Wheatley, der 1991 als Junior‑Mechaniker bei Benetton begann und dort unter anderem auch am Auto von Michael Schumacher arbeitete, wünscht sich ein störungsfreies Rennwochenende. Das Ziel sind aber natürlich Punkte zum Einstand.

Wann wird in Melbourne deutscher Zeit gefahren?

Wer die ersten beiden Trainingseinheiten am Freitag von Deutschland aus mitverfolgen will, muss ganz früh aufstehen. Ab 2.30 Uhr und 6.00 Uhr MEZ drehen Verstappen & Co. jeweils für eine Stunde ihre ersten Runden des Jahres auf dem Grand-Prix-Kurs in Melbourne. Mit dem Abschlusstraining am Samstag um 2.30 Uhr wärmen sich die Fahrer für die anschließende Startplatzjagd (6.00 Uhr) auf. Die 29. Auflage im Albert Park Circuit steigt dann am Sonntag ab 5.00 Uhr.

Wer zeigt das Formel-1-Rennen in Australien?

Wie gewohnt überträgt Sky das gesamte Rennwochenende. Der Pay-TV-Sender, der die Rechte noch bis 2027 besitzt, muss in dieser Saison für vier Grand Prix im frei zugänglichen Fernsehen sorgen. Einen Vertrag für das Free-TV gibt es aber noch nicht. In der vergangenen Saison hatte RTL, das wiederum Sky übernehmen will, sieben Rennen gezeigt.