Supercup

Nagelsmann will „endlich gewinnen“ - Dortmunder mit „Speed“

Es prickelt gewaltig. Julian Nagelsmann sehnt seinen ersten Titel mit dem FC Bayern herbei. Im Supercup-Showdown gegen Borussia Dortmund müssen die Münchner Wunderstürmer Erling Haaland aufhalten - dahinter drängen weitere „Speed“-Fußballer.

Von Martin Moravec und Heinz Büse, dpa
Trainer Julian Nagelsmann trifft mit dem FC Bayern München im Finale des Supercups auf Borussia Dortmund.
Trainer Julian Nagelsmann trifft mit dem FC Bayern München im Finale des Supercups auf Borussia Dortmund. Sven Hoppe/dpa

Dortmund/München - Julian Nagelsmann will im Supercup-Kracher gegen Borussia Dortmund Kraftpaket Erling Haaland ausbremsen und seinen Premierentitel mit dem FC Bayern München holen.

„Wir versuchen alle, endlich zu gewinnen. Auch ich bin es von meinen vorherigen Stationen nie gewohnt gewesen, so häufig in Folge nicht zu gewinnen. Von daher freuen wir uns, wenn es morgen der Fall sein sollte und dafür geben wir alles“, sagte Nagelsmann vor dem ewig brisanten Kräftemessen am Dienstag (20.30 Uhr/Sat.1 und Sky) in Dortmund.

Erster Titel in Reichweite

Nach einer Stottervorbereitung mit EM-Abstellungen und Verletzungen sehnt der im Sommer von RB Leipzig nach München gewechselte Coach seinen ersten Sieg herbei - der wäre gleichbedeutend mit seinem ersten Titel. „Das ist ein wichtiges Spiel gegen einen Gegner, der sehr gut gestartet ist in die Bundesliga, der ein Topspiel abgeliefert hat gegen Frankfurt“, lobte Nagelsmann Marco Roses Dortmunder, die beim 5:2 gegen die Eintracht mit Doppeltorschütze Haaland richtig Dampf gemacht hatten.

Der noch sieglose 34-Jährige will aber bei bislang nur einem Pflichtspiel mit seinem neuen Verein, dem 1:1 zum Bundesligastart bei Borussia Mönchengladbach, auch „die Kirche im Dorf lassen“.

Titel Nummer eins der Saison soll beim FC Bayern dennoch her - Haaland hin, Haaland her. Das Duell mit Dortmund ist im 2010 wiedereingeführten Supercup ein Klassiker. Dreimal siegten die Dortmunder, viermal die Münchner. Zuletzt 2020, als Joshua Kimmich mit einer Willensleistung den 3:2-Siegtreffer erzielte.

Haaland vs. Lewandowski

Haaland war damals auch erfolgreich - immerhin einmal, Robert Lewandowski blieb ausnahmsweise ohne Treffer. Der 21-jährige Norweger sei ein „herausragender Stürmer“, lobte Nagelsmann und warnte: „Wir müssen hinten in der Kette extrem konzentriert sein, dass er wenig Raum kriegen darf, um seine tiefen Läufe zu machen.“ Der BVB sei aber mehr als nur Haaland. „Was sie herausragend gut machen, sind die Tempoverschärfungen“, wies Nagelsmann auf das von „extremem Speed“ geprägte Umschaltverhalten hin, für das Marco Reus, Giovanni Reyna oder Jude Bellingham stehen würden.

BVB-Coach Rose, der wie sein Gegenüber Nagelsmann seine erste Trophäe im deutschen Profifußball gewinnen kann, hofft auf eine ähnliche Vorstellung seines Teams wie beim famosen Ligaauftakt gegen Frankfurt. Das Duell mit der „besten Mannschaft Deutschlands“ aus München ist für ihn mehr als ein unliebsames Schaulaufen zu Saisonbeginn: „Es ist die Möglichkeit, einen Titel zu holen, es ist ein Prestigeduell. Deshalb nehmen wir das ernst, auch wenn die Rahmenbedingungen nicht optimal sind“, sagte er mit Bezug auf die personellen Nöte.

Dortmund mit Ausfällen

Ob sein Team die vielen Ausfälle namhafter Stars wie Mats Hummels, Raphael Guerreiro, Emre Can, Thomas Meunier und Julian Brandt auch gegen den deutschen Rekordmeister so gut kompensieren kann wie am Samstag, bleibt abzuwarten. Zudem mit Thorgan Hazard ein weiterer Spieler fehlen wird. Bei aller Offensivpower gegen Frankfurt waren Schwächen in der von den Personalproblemen besonders betroffenen Defensive gegen Frankfurt unübersehbar.

Nagelsmann lobte indes ausdrücklich Mittelfeldspieler Corentin Tolisso, der nach einem positiven Corona-Test länger gefehlt hatte. Der 27 Jahre alte Weltmeister aus Frankreich habe zuletzt bei der U23 „herausragend gut“ trainiert. Damit könnte Tolisso, 2020 beim 3:2 noch selbst Torschütze, zumindest in den Kader zurückkehren.

Die Last, einen Haaland zu stoppen, tragen erstmal andere Bayern-Profis wie Kapitän Manuel Neuer. „Dann haben wir noch den besten Torwart der Welt“, erinnerte Nagelsmann an das letzte Bollwerk der Münchner Verteidigung, „der auch einen guten Tag braucht.“