Leipzig (dpa) - Sein erstes Mal bei Union Berlin hat Lukas Klostermann nicht vergessen. Der Fußball-Nationalspieler schwärmt noch heute von der einmaligen Stimmung im Stadion an der Alten Försterei.

Und doch wird Klostermann darauf erst einmal verzichten müssen, wenn er mit RB Leipzig am Sonntag (18.00 Uhr/Sky) zu Unions Bundesliga-Premiere zu Gast ist. Vom 15-minütigen Stimmungsboykott als Protest gegen das Konstrukt RB hält Klostermann gar nichts.

"Wirklich unterstützen werden sie ihr Team damit sicherlich nicht", sagte der Verteidiger der Deutschen Presse-Agentur: "Ich finde es schade, weil die Mannschaft schon von der Stimmung lebt. Deshalb haben sich einige Spieler von Union auch kritisch geäußert. Das wird der Mannschaft nicht helfen."

Den von über 2000 Fans begleiteten Leipzigern schon eher. Vielleicht führen die etlichen Nebengeräusche dazu, dass RB endlich seinen ersten Sieg bei den Köpenickern holt. 2014 verlor man 1:2, ein Jahr später holten die Sachsen mit Klostermann in der Startelf wenigstens einen Punkt.

Ein Sieg ist für RB von hoher Bedeutung, um die eigenen Ambitionen zu untermauern. Die formulierte der neue Trainer gleich zum Amtsantritt. "Das Ziel ist es, etwas Blechernes zu holen - Metall oder Gold", sagte Julian Nagelsmann.

Zur Umsetzung bedarf es vor allem Konstanz in den Leistungen. "Man muss in der heißen Phase von März bis Mai in so einer guten Ausgangsposition sein, dass man die Chance hat, ganz vorn anzugreifen. Das wird ein Prozess über die ganze Saison, in dem man sich keine Ausrutscher erlauben darf, wenn man etwas Großes erreichen möchte", sagte Klostermann.

Für den Außenverteidiger beginnt unter Nagelsmann eine neue Zeitrechnung. Er spielt offensiver als noch unter Vorgänger Ralf Rangnick, muss in manchen Situation noch früher pressen. Und wird deutlich torgefährlicher. Schon beim Pokal in Osnabrück traf Klostermann. Seine Bundesliga-Bestmarke von fünf Toren aus der Vorsaison will er übertreffen.

Nagelsmanns System kommt Klostermann auch in Bezug auf seine DFB-Karriere zugute. Denn Bundestrainer Joachim Löw lässt analog zu Nagelsmann ebenfalls im 3-5-2-System spielen. "Wahrscheinlich ist das kein Nachteil", sagt Klostermann. Zu weit aus dem Fenster lehnen will er sich verbal nicht.

Zumal auch noch nicht klar ist, wie schnell Nagelsmanns Ideen greifen. RB soll unter dem neuen Trainer flexibler aufgestellt sein und den Gegner vor möglichst unlösbare Aufgaben stellen. "Wir wollen so unberechenbar wie möglich sein. Dann haben wir einen kleinen Vorteil auf unserer Seite", erklärt Klostermann. Den ersten Härtetest für das System Nagelsmann gibt es bei Kultclub Union.

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