Haldensleben l Über den ersten Lockdown, die Gespräche mit dem Landkreis sowie einen Ausblick auf das Jahr 2021 hat sich Volksstimme-Autor Stefan Rühling mit Geschäftsführer Hartmut Baethge vor dem zweiten Lockdown unterhalten.

Volksstimme: Herr Baethge, wie geht es Ihnen?

Hartmut Baethge: Mir geht es gut, vielen Dank der Nachfrage. Kürzlich war ich auf einer Veranstaltung in Halle, bei der im Vorfeld von allen Gästen die Körpertemperatur gemessen wurde. Meine war nicht im besorglichen Bereich. Natürlich bringt meine Arbeit auch immer etwas Neues und so auch etwas Stress mit sich.

Wie verliefen die letzten Monate beim KSB?

Insgesamt war das für alle eine völlig neue Situation. Eine solche Zeit hat zuvor so niemand erlebt. Das galt auch für uns im Kreissportbund.

Es ging mit Heimarbeit los und setzte sich dann in Aufräum- sowie Ablagetätigkeiten fort. Wir haben einmal das gemacht, was zuvor eher liegengeblieben ist. Intensiv wurde beispielsweise die Vereinsverwaltung überarbeitet. Unsere Sportjugend-Mitarbeiter haben das Lager an Material sortiert und geordnet. Dennoch haben wir auch die Arbeitsfördermaßnahmen in den Vereinen betreut. Ebenso wurden, als das Kontaktverbot nach und nach wieder aufgehoben wurde, wieder Baumaßnahmen in den Vereinen thematisiert. Unter dem notwendigen Feingefühl und Abstand haben wir auch Vor-Ort-Termine wieder wahrgenommen.

Das bedeutet, der KSB hat seine Rolle auch zu Corona-Zeiten nicht verändert?

Nein, im Grunde nicht. Natürlich hätten wir es uns gewünscht, den Vereinen bei den Lockerungen noch besser unterstützen zu können. Doch dabei waren uns nahezu die Hände gebunden, da die Regeln von Kommune zu Kommune unterschiedlich ausgelegt wurden. So konnten wir eine Hilfe letztlich auch personell nicht darstellen. Darüber hinaus standen wir aber wie gewohnt als Servicestelle und Dienstleister zur Verfügung – ob telefonisch oder unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen eben auch vor Ort. In Summe sind wir alle, so denke ich, etwas feinfühliger geworden.

Wie sah denn die Entwicklung in den elf Landesleistungsstützpunkten unter Corona aus?

Für die Spielsportarten war es während des Lockdowns natürlich schwierig. Die Einzelsportarten waren auch betroffen, doch hier konnte das Training schneller wieder aufgenommen werden, wie ich es beispielsweise von den Radsportlern aus Osterweddingen erfahren habe. Auch unsere Leichtathleten hatten individuelle Pläne für zu Hause. So konnten sie sich dennoch weiterentwickeln. Das haben jedenfalls die Ergebnisse bei der Landesmeisterschaft im Juli gezeigt.

Diese war eine der ersten Sportveranstaltungen nach dem Lockdown.

Ja, genau. In Deutschland hatten bis dato keine Wettbewerbe stattgefunden. Das war natürlich eine große Verantwortung, sicher auch ein gewisses Risiko. Doch wir konnten alle Regeln einhalten, so dass am Ende auch tatsächlich nichts passiert ist, sich also niemand infiziert hat. Das war eine gelungene Sache und hat uns, aber auch anderen gezeigt, dass es wieder geht, wenn man etwas Achtsamkeit walten lässt.

Fürchten Sie noch nachhaltige Folgen für den Sport?

Ich denke, diese Frage kann ich so einfach gar nicht beantworten. Möglicherweise verlieren unsere Vereine einige Aktive, auf der anderen Seite glaube ich aber, dass jeder den Sport in Gemeinschaft schätzt. Eine Antwort darauf bekommen wir Ende des Jahres bei der Bestandserhebung. Bei den Kontaktsportarten könnte es zukünftig weiter etwas angespannt bleiben, doch kann man das eben schlecht voraussehen. Denn die Schutzmaßnahmen haben sich auch im Alltag fest integriert. Ich kann mir beispielsweise nicht vorstellen, dass der übliche Handschlag so schnell zurückkehrt. Das ist dann auch schon eine nachhaltige Schutzmaßnahme. Mit einem bin ich aber sicher: Sollte es noch einmal zu einem Lockdown kommen, sind wir auch im Sport besser darauf eingestellt.

KSB-Präsident Klaus Renner deutete im Volksstimme-Gespräch an, mit dem Landkreis im Dialog über verbesserte finanzielle Mittel im Austausch zu sein. Können Sie dazu schon etwas Neues vermelden?

Ich sage mal so, wir haben die Gespräche fortgesetzt und streben an, die Förderrichtlinien zu vereinfachen. Hier danke ich unserem Ansprechpartnern Dezernent Dirk Michelmann und Amtsleiterin Friederike Hecht für das gute Miteinander und denke, dass wir auf einem guten Weg sind. Wenn wir diesen weitergehen können, erwarte ich im Dezember einen Kreistagsbeschluss über die neue Richtlinie, die dem Sport insgesamt vor allem jedoch den Vereinen und Verbänden neue Möglichkeiten eröffnen.

Was verändert sich dann für die Vereine?

Wenn unser Vorhaben angenommen wird, dann ist eine Antragstellung über den KSB angedacht, was zum einen die Arbeit für den Landkreis erleichtert und zum anderen die Tätigkeit der Vereine mit Sicherheit vereinfacht.

Welche Themen haben Sie aktuell noch auf Ihrem Schreibtisch?

Nachdem in diesem Jahr die meisten Veranstaltungen ausgefallen sind, planen wir aktuell schon das kommende Jahr. Unter Beachtung der weiteren Entwicklung und unter dem Wissen, dass manche Dinge vielleicht nur eingeschränkt stattfinden könnten, geht es uns vor allem darum, dass sich wieder etwas bewegt. Ich gehe auch davon aus, dass Verbände und Vereine beispielsweise bei der Vorbereitung und Durchführung der Kinder- und Jugendspiele mitziehen werden. Immerhin sind wir hier – zum Glück – kein Corona-Hotspot. Demnach müssen wir auch anders damit umgehen, als die großen Städte. Die Situation fordert eben Feingefühl.