Calbe l Die Frage musste Rainer Schulze sofort zurückgeben. Der Abteilungsleiter der Landesliga-Fußballer der TSG Calbe war genauso ratlos, wie die Anhänger im Umfeld. Allen brannte diese Frage heiß unter den Nägeln. „Was war nur mit der TSG Calbe los?“ Kopfschütteln ging herum. Schulze: „Das haben wir uns auch gefragt.“ Erst verlor Calbe auswärts bei Stahl Thale mit 0:4, dann folgte das bittere 2:2 in letzter Minute gegen das Schlusslicht Krevese. Negativer Höhepunkt war das 3:7 zu Hause gegen den SV Westerhausen. „Da war die Mannschaft tot. Da war kein Feuer mehr drin, auch fußballerisch gesehen. Dabei war das in der Hinrunde noch ganz hervorragend“, erzählt Schulze.

Woran liegt es also? Was ist passiert? Die Calbenser waren in den vergangenen Wochen auf Spurensuche. Die Verunsicherung war greifbar. Vielleicht fing das schon im Winter bei den Tests an. „Da haben wir kein Spiel gewonnen“, so Schulze. Was aber auch nicht schlimm war, da es gegen höherklassige Teams ging. Doch die Rückschläge in der Liga warfen Fragezeichen auf. Einer von mehreren Gründen könnte der Wechsel im Tor sein. Nach der Verletzung von Stammkeeper Rico Willner rückte der Reservetorwart Benjamin Richter in den Kasten. Mit neuem Torwart verändert sich das Spiel einer Mannschaft. „Da musste sich das Team erst dran gewöhnen“, sagt Schulze. Aber ursächlich für das mentale Tief? Nein, das war der Wechsel im Kasten nicht.

Schulze vermutet wie viele das Problem ganz einfach im Kopf. Beispielhaft war das Spiel gegen Krevese, gegen den Tabellenletzten. „Das ist der eine oder andere Spieler zu leichtfertig angegangen“, erklärt Schulze. „Dabei warnt der Trainer immer vor solchen Spielen.“ Es kam nur nicht an.

So war das Trainerteam in den vergangenen Wochen in einer völlig anderen Rolle eingespannt. „Es gab viele Einzelgespräche, um das Team wieder aufzubauen“, so Schulze. Trainer Marko Fiedler und Mannschaftsbetreuer Detlef Sobczak setzten ihre psychologischen Kenntnisse ein, um die Gefühlswelten der Kicker zu ergründen. Die beiden kennen die Spieler am besten. Es menschelt noch immer. Der Draht ist da. Da ging es weniger um fußballerische Fachgespräche, sondern um Appelle. „Da wurde den Spielern auch klar gemacht, dass sie es doch können.“ Selbstvertrauen also aufbauen, wo dieses merklich angeschlagen war. Draufgehauen, das stellt Schulze klar, wurde aber nicht.

Freilich. Das erklärte Ziel, der Aufstieg, kann aus eigener Kraft nicht mehr erreicht werden, selbst bei einem Sieg in der Rückrunde gegen Union Schönebeck. In Calbe denken sie eher von Spiel zu Spiel. Ist eine Phrase, aber vielleicht der beste Weg aus der Minikrise.

Und siehe da: Am vergangenen Wochenende gewann Calbe 1:0 in Irxleben, ein knapper Sieg, der aber viel Hoffnung zurückbringt. „Da war der Wille da. Es wurde über 90 Minuten gearbeitet. Das war von der Einstellung her eine enorme Verbesserung“, schätzt Schulze ein. „Das war zu 100 Prozent besser. Die Gespräche haben etwas gebracht.“ Und unter der Woche setzte Calbe das nächste positive Signal. Das Engagement mit Trainer Marko Fiedler wurde um ein Jahr verlängert. „Damit wollten wir ein klares Zeichen setzen an die Mannschaft“, so Schulze. Das gibt Planungssicherheit und erleichtert die Vertragsgespräche mit den Spielern, die ganz genau wissen, dass, wenn sie verlängern, auch in der nächsten Saison mit Fiedler zusammenarbeiten können. Das beruhigt.

Die nächste Beruhigungspille kann sich die Mannschaft selbst verabreichen. Am Sonnabend 15 Uhr steht im Heger-Stadion das Heimspiel gegen Heide Letzlingen an. Das ist der Vorletzte. Klingt leicht, ist es aber nicht. Ein zweites Spiel wie gegen Krevese, da sind sich alle einig, soll es nicht noch mal geben. Schritt für Schritt, Spiel für Spiel, Tor für Tor? „Wir wollen die drei Punkte holen, klar. Und dann kann noch viel passieren.“ Konkreter wird Schulze nicht. Muss er auch gar nicht. Das ergibt sich von allein. Irgendwann.