Staßfurt l Er wurde häufiger mal etwas lauter, hatte aber stets eine klare taktische Vorstellung und wusste zu 100 Prozent, was er wollte. Pierre Altnau ist handballverrückt, ohne Zweifel. Der Coach des HC Salzland 06 hatte eine unverkennbare Linie. Nach zwei Spielzeiten ist für Altnau nun aber Schluss. Es zieht ihn wieder in seine Heimat ins südliche Sachsen-Anhalt. „Er hört aus privaten Gründen auf, ist beruflich sehr eingespannt. Wir sind absolut nicht im Bösen auseinander gegangen“, versichert Sylvia Breitenstein, die bisherige Co-Trainerin, die in der kommenden Saison seine Nachfolge beim Sachsen-Anhalt-Ligisten antreten wird.

„Mehrere Kandidaten“ gab es laut Breitenstein für den Trainerposten. Am Ende ist der Vorstand aber auch auf die Frau zugekommen, die bislang nicht nur stets alle Statistiken erfasste, sondern auch eine enge Bindung zur Mannschaft hat und alle Spielerinnen haargenau kennt. Eine sinnvolle Wahl, zumal ein neuer Coach immer seine Anlaufzeit benötigt und nach der schlechten Vorsaison eher Kontinuität gefragt ist. „Kurz überlegt“ hat Breitenstein zwar, aber ihre Entscheidung kam dann doch aus dem Herzen. „Ich nehme die Herausforderung an“, blickt sie selbstbewusst nach vorn. Zur Seite steht der neuen Cheftrainerin künftig Rainer Koch, der große Erfahrung mitbringt und schon jahrelang als Coach für den HCS und den HV Rot-Weiss Staßfurt agierte.

Eine einfache Aufgabe wird das für die beiden aber gewiss nicht. Immerhin steht für den HC Salzland in der Saison 2018/19 das Jahr eins nach Yvonne Sachse an. Die Führungsspielerin ist offensiv wie defensiv kaum wegzudenken. Doch Breitenstein hat sehr klare Vorstellungen. „Wir müssen die Mannschaft neu formen. Jede Spielerin soll stärker werden und wir müssen neue Führungsspielerinnen finden.“

Doch da hat sich in der vergangenen Saison mit Jo-Ann Brunne schon eine geeignete Kandidatin herauskristallisiert. Zudem werden mit Juliane Schuldes und Mareike Fiedler „wichtige Spielerinnen“ zurückkehren. Das macht dem HCS Mut und lässt Breitenstein auch schon spielerisch vorausblicken. Denn da wollen die Staßfurterinen zu ihren Wurzeln zurückkehren. „Wir wollen aus einer sicheren Abwehr heraus das schnelle Spiel nach vorn wiederfinden“, malt sich Breitenstein aus.

Verkorkste Saison vergessen machen

Und dabei wird in erster Linie Kontinuität gefragt sein. Denn die vergangene Spielzeit lief durchwachsen, wenige gute Spiele zwischendurch reichten nicht und ließen die 06er bis zum Saisonende um den Klassenerhalt bangen. Am Ende landete Salzland mit nur fünf Siegen auf dem zehnten Platz. Und das soll sich nicht wiederholen. „Wir wollen die verkorkste Saison vergessen machen und in der Tabelle besser abschneiden“, gibt Breitenstein vor.

Mit dabei helfen soll künftig auch Johanna Stein. Die ehemalige HCS-Spielerin kehrt an ihre alte Wirkungsstätte zurück und ist der erste Neuzugang für die Staßfurterinnen in diesem Sommer. Sie spielte in der vergangenen Saison bei der HSG Riesa/Oschatz und bringt damit Erfahrung aus der Mitteldeutschen Oberliga mit. Die Kreisspielerin ist „variabel einsetzbar und kann auch im Aufbau spielen“, so Breitenstein. Was Stein auszeichnet? Da ist sich die neue Trainerin sicher: „Kampfgeist und Leidenschaft. Sie kann auch die anderen Mitspielerinnen mitreißen.“ Auch im Training konnte die neue Spielerin schon überzeugen.

Denn seit Anfang Juli trainieren die Salzländerinnen schon wieder, unter neuer Leitung. „Momentan liegt das Hauptaugenmerk auf Kondition und Athletik“, verrät Breitenstein. „Den Ball werden wir erst in zwei Wochen wieder in die Hand nehmen.“ Auch in diesem Bereich hat die neue „starke Frau“ eine klare Vision.

Die bisherige Trainerin der D-Jugend wird aber auch im Nachwuchs aktiv bleiben. Während sie sich bei den Minis „etwas zurückzieht“, wird sie ihre anderen Nachwuchs-Spielerinnen aber weiterhin als C-Jugend durch die Saison führen. Breitenstein lebt den Handball und identifiziert sich voll mit dem HC Salzland. Und das kann dem gesamten Verein nur gut tun.