Wie fällt Ihr Saisonfazit aus?

Die Saison war mit zwei Titeln auf nationaler Ebene und zweimal Silber in den internationalen Wettkämpfen wieder sehr erfolgreich. Wir haben beim Weltpokal und bei der Champions League nur sehr knapp im Finale verloren. Wir müssen auch mit Niederlagen umgehen können. Am Anfang tut es dolle weh. Aber nach ein paar Wochen relativiert sich das. Wenn man die Finalniederlagen analysiert, kommt man schon zum Nachdenken und weiß, dass fast jeder Reserven hatte. Der eine schießt dreimal an den Pfosten und der andere trifft zweimal das Tor und einer ist wirklich drin. Wir waren über die Saison gesehen die konstanteste Mannschaft und wir haben einen breiten Kader. Das Schöne ist immer, dass Timo Hoffmann die besten Sechs aufstellen muss. Wenn alle fit sind, muss er die Auswahl treffen. Das ist nicht einfach, aber letztendlich zeichnet uns der Erfolg aus.

Es gab nur eine Niederlage, aber ausgerechnet daheim und vor der Meisterehrung gegen Bamberg. Schmerzt das besonders?

Mich persönlich schmerzt diese Niederlage nur vom Ergebnis her. Dass man auch mal verlieren kann, ist eben so. Man hat gesehen, dass hier Schwabsberg und Staffelstein viel getroffen haben. Aber dass wir gerade an diesem Tag, wo wir unsere Meisterfeier und Meisterehrung mit dem Innenminister vorhatten, unser schlechtestes Spiel gemacht haben, das hat zur Feier nicht so gut gepasst. Aber Bamberg war an dem Tag auch wirklich saustark und das muss man anerkennen. Respekt.

Neben der Deutschen Meisterschaft konnte Ihr Team nach 2014 endlich wieder den DKBC-Pokal erringen. Aber international „nur Silber“?

Die Konzentration auf die Spitzenclubs wird immer größer. Jetzt hat sich zum Beispiel der kroatische Meister Zapresic, der den Weltpokal und das Champions League-Finale ausrichtet, mit Uros Stoklas verstärkt. Die internationale Spitze ist weiter zusammengerückt. Bei Szeged gab es einen kleinen Abfall, aber Podbrezova oder Zapresic sind stabil. Die Belgrader aus Serbien hatten einen Aderlass und trotzdem sind sie nach wie vor dabei. Und wie ich es sehe, sind auch die Österreicher aus Neunkirchen mächtig am Feilen mit neuen Zugängen, obwohl oder weil sie nicht österreichischer Meister geworden sind. Das war St. Pölten. Die Leistungsdichte wird immer enger.

Und national?

Da wird sie genauso eng. Man sieht, dass Staffelstein alles daran setzt, nach 15 Jahren mal wieder Deutscher Meister zu werden. Aber die müssen erstmal ein Team zusammen bekommen. Ob nur das Zusammenkaufen letztlich den Erfolg bringt, muss man abwarten. Gerade im Verband wird viel dafür getan, dass faire kegelsportliche (Bahn-)Bedingungen geschaffen werden. Und die sind in Deutschland noch nicht überall gegeben.

Was genau will der Verband verändern?

Offiziell ab der Serie 2020/21 müssen die Erstligisten Segmentbahnen haben und die technische Regel, also dass die Bahnen in den vorgeschriebenen Toleranzen, wie Breite, Höhe oder Länge, liegen, einhalten. Dann gibt es noch die Klassifizierung A, B oder C. Beispielsweise hat Mücheln ‚eine ganz tolle Kegelbahn‘ mit A-Klassifizierung, aber die Bahn ist mit Sicherheit nicht in den Toleranzen, wo sie sein sollte. Aber das liegt an den Bahnabnehmern und da gibt es momentan durch den Verband Maßnahmen, dass es solche „Schwarzen Schafe“ nicht mehr gibt. Es muss neutrale Bahnabnehmer geben. Das gilt auch für die zweite Liga, denn diese Maßnahmen werden auch auf diese Liga ausstrahlen. Heute werden nur noch Segmentbahnen gebaut, was faires Kegeln ermöglicht. Wir haben das in unserem Kreis mit Loburg, Roßlau oder Köthen bereits geschafft. Das wird sich mittelfristig auszahlen.

Das Gesicht Ihres Teams wird sich etwas verändern. Uros Stoklas wechselte nach Zapresic. Dafür kommt der Österreicher Philipp Vsete- cka. Ist das ein Schritt zur Verjüngung?

Philipp ist auf jeden Fall ein adäquater Ersatz. Er ist ein junger, dynamischer Spieler und sicherlich auch charakterlich passend für das Team. Wir sind an dem Zeitpunkt angekommen, wo wir unseren Kader verjüngen müssen. Wir haben es auch beim Weltpokal oder der Champions League gesehen. Gerade bei Boris Benedik, der einen super Weltpokal und eine super Saison gespielt hatte. Aber zum Schluss der Saison war Boris bei der Champions League eigentlich nicht mehr Boris. Beim DKBC-Pokal war er wieder da und hat auch bei der WM gut gespielt. Ich muss schon staunen, dass er mit über 50 Jahren noch diese Konstanz hat. Er ist sowas von fokussiert und lebt ja auch danach. Aber wir müssen auch ein wenig nach vorn gucken und es gibt auch den einen oder anderen, der schon signalisiert hat, dass aufgrund von Familie ein Ende naht. Und so müssen wir versuchen, adäquaten Ersatz zu suchen.

Der Jüngste aus dem Team, Manuel Weiß, hat sich über die Saison magisch gesteigert und gerade bei der Einzel-WM mit der Silbermedaille und dem Deutschen Meistertitel im Sprint am meisten überrascht. Auch Sie?

Das hatte mit Sicherheit niemand so erwartet. Timo Hoffmann war Quali-Bester, besser als Zavarko und spielte dann gegen den „Schlechtesten“ und schied aus. Manu, der die Quali durchwachsen gespielt hatte, erwischt aufgrund der Konstellation auch etwas durchwachsene Gegner. Aber wie er es dann gelöst hat, war sehr gut. Er hat sich, wie auch Axel Schondelmaier im Sprint, durchgekämpft. Und beide waren glücklich, im Finale zu sein. Das hat Manu super gemacht. Auch bei der DM hat er sich durchgesetzt und das mit neuem Deutschen Rekord. Er hat den Verein wirklich würdig vertreten. Er war auch über die Saison eine stabile Größe und der Vize-WM-Titel war die Krönung.

Können Sie schon ein Saisonziel für die neue Spielzeit ausgeben?

Natürlich wollen wir den Deutschen Meistertitel verteidigen. Wir wollen sicher auch den Deutschen Pokal verteidigen. Und wir wollen wie immer auch beim Weltpokal und der Champions League das Final Four, sprich mindestens das Halbfinale schaffen. Und klar wollen wir die Finalspiele beim Weltpokal und der Champions League erreichen. Wie das dann aussieht, ist Tagesform.

Ihre sportliche Leitung funktioniert mit Timo Hoffmann sehr gut. Lastet auf ihm nicht zu viel Verantwortung?

Timo hat deutlich gemacht, dass er Spieler ist. Er wird zu den acht Spielern gehören. So wird Martin Herold zu 90 Prozent Betreuer sein, wenn Timo spielt. Die sportlichen Entscheidungen trifft Timo weiter. Er ist der sportliche Kopf. Bis zur Heim-WM 2021 in Plauen wird das Gros der Mannschaft so zusammen bleiben. Und daran müssen wir sukzessive arbeiten.