Weihnachten findet trotzdem in der Familie statt. Wenigstens diese Möglichkeit ist den Profihandballern geblieben. Während andere zur Ruhe kommen, nehmen sie noch einmal Fahrt auf – oder wieder Fahrt auf. Beim MT Melsungen am Sonntag (17.30 Uhr) gilt es für die Bundesliga-Schützlinge des SC Magdeburg, wieder aufzustehen, wieder Leidenschaft und Emotionen zu zeigen. Das fordert Trainer Frank Carstens.

Magdeburg. Der Spieler Frank Carstens musste auch einige Male durch dieses Feuer gehen. Den jungen Carstens hat es nach solchen Ereignissen wie jene am Dienstag in Berlin bei der äußerst unglücklichen 26:27-Niederlage zerrissen, der ältere Carstens stand dann "in der Verantwortung, der Mannschaft wieder eine Orientierung zu geben", berichtet er. "Und ich habe die Verantwortung auch übernommen." Seine heutige Mannschaft war zuletzt enttäuscht, sogar "ein bisschen schockiert". Aber sie wird auch von echten Typen wie Fabian van Olphen (29 Jahre), Bartosz Jurecki (31) und Stian Tönnesen (36), die sich dem Reifeprozess wie vom jungen zum älteren Carstens inzwischen längst unterzogen haben, geführt. Carstens sagt: Diese großen Emotionen wie Wut und Zorn "können auch eine sehr gute Quelle der Energie sein".

Eine neue Energie hat den MT Melsungen seit dem 17. November von Erfolg zu Erfolg getrieben: Sie heißt Michael Roth. Roth hat das Amt von Matjaz Tominec übernommen. 9:1 Punkte holte der neu verpflichtete Coach mit seiner Mannschaft. "Offensichtlich sind die großen individuellen Fähigkeiten zu einer mannschaftlichen Leistung zusammengekommen", erklärt Carstens. Zuletzt drehte Melsungen zu Hause (in Kassel) die Partie gegen Wetzlar, lag mit 10:15 zur Pause zurück, ging nach 58 Minuten erstmals in Führung und gewann mit 26:24. Roth hat von seinen Männern gefordert, diesen Rhythmus zu halten. Und Roth hat zum SCM-Spiel erklärt: "Wir sind Außenseiter."

Der MT-Trainer ließ in den vergangenen Wochen mit einer 6-0 und 5-1 agieren. Auf beide Abwehrsysteme "müssen wir uns einstellen", weiß Carstens, vielleicht auch wie im Hinspiel auf eine 3-2-1. Aber im Hinspiel (der SCM gewann 28:21) wirkte Melsungen ziemlich uninspiriert, blickt der Coach zurück. Inspiration hat das Team längst gewonnen, allein auf Kampf werden sich die Aktionen bei vier Siegen und einem Unentschieden in Folge kaum beschränkt haben. Oder wie Carstens sagt: "Da ist jetzt eine ganz andere Struktur, ein anderer Zug im Kader."

Die Magdeburger werden sich in Ruhe vorbereiten, im Zeichen der Regeneration steht vor allem die Vorbereitung in taktischer Hinsicht, auch am 1. Weihnachtsfeiertag. Nur Jure Natek laboriert erneut an muskulären Problemen. Carstens und sein Team wollen "das Jahr für uns sehr, sehr gut abschließen, mit mindestens einem, besser zwei Siegen".

Zum Abschluss wartet auf die Trainer, Spieler und Fans noch ein Highlight in der Bördelandhalle: Der SCM empfängt am 29. Dezember die SG Flensburg-Handewitt (Anwurf: 18 Uhr). Es gibt keine Sitzplatzkarten mehr.