Magdeburg l Keine Angst, Finnia Wunram muss beim Freiwasser-Weltcup am kommenden Sonnabend in Doha (Katar) nicht einbeinig schwimmen. Einbeinig hat sie zuletzt lediglich die Wenden im Becken absolviert. Im Sinne ihres rechten Knies. Ein Fahrradsturz hatte für eine Schleimbeutel-Entzündung gesorgt. „Schwimmerisch ist aber alles in Ordnung“, sagt die 23-Jährige vom SC Magdeburg. „Und im Freiwasser gibt es zum Glück ja keine Wenden“, ergänzt Wunram lachend. Dafür gibt es im Persischen Golf vor Doha etwas Wichtigeres: nämlich ein WM-Ticket zu gewinnen. Wunram hat dazu die besten Chancen.

Für den Start bei den Weltmeisterschaften im Juli in Gwangju (Südkorea) könnte sie beinahe auf Sicherheit kraulen. Denn schon beim ersten Qualifikationsrennen im November in Abu Dhabi (Emirate) schnitt sie mit Rang sieben als beste Deutsche ab. Gefolgt von Leonie Beck als Zehnte. Gefolgt von Lea Boy auf Rang 20. Im Gesamtresultat der Rennen in Abu Dhabi und Doha fahren die beiden besten deutschen Damen nach Gwangju. „Ich kann relativ entspannt an den Start gehen“, blickt Wunram voraus: „Das ist auch gut für den Kopf.“

Strategien festgelegt

Den hat sie zuletzt mit Hilfe der Sportpsychologin Christine Stucke mit Strategien geimpft. Solche nämlich, „die ich anwenden kann, wenn es hart auf hart kommt“, berichtet sie. Es ging darum, zunächst mental die Position zu halten oder im Endspurt zu verbessern. „Ich werde in Doha versuchen, nicht so viel Führungsarbeit zu leisten“, so Wunram. Das hat sie in der Vergangenheit regelmäßig und lange getan – und dabei womöglich viel Kraft gelassen. „Ich möchte einfach die Spitzengruppe halten, um am Ende an ihr vorbeizuschwimmen.“

Wie sie das machen möchte, das verriet sie nicht. Was sie nicht machen darf, das weiß sie ganz genau. „Für mich ist wichtig, dass ich nicht neben Ana Cunha den Endspurt ziehe, weil sie im Gegensatz zu mir relativ viel Masse hat. Und wenn sie dann an meiner Hüfte schwimmt und ich sie mitschleppen muss, ist das nicht gut für mich“, erklärt die 1,64 Meter große und zierliche Magdeburgerin.

Schmerz umlenken

Die Brasilianerin Cunha, die Niederländerin Sharon van Rouwendaal, die starken Frauen aus Italien: Das sind die Konkurrentinnen, an denen sich Wunram über die zehn Kilometer in Doha festbeißen muss. Bis es schmerzt. „Aber den Schmerz muss man umlenken“, sagt Wunram. Auch so eine Kopfsache. Und das nach einer nicht ganz einfachen Vorbereitung.

Wunram war nämlich erkrankt, drei Tage lang im Januar war sie gerade während der intensiven 100-Kilometer-Woche nicht im Training. „Die Vorbereitung war nicht optimal“, erklärt ihr Trainer Bernd Berk-hahn. „Aber sie ist trotzdem in einer guten Verfassung. Nur fehlt es ihr momentan noch ein wenig an Spannung, die wird bis Sonnabend aber kommen.“

Beste Deutsche werden

Berkhahn hat sie zuletzt über 80 Kilometer in einer Woche durchs Wasser geschickt, er hat sie einen Fünf-Kilometer-Test absolvieren lassen. „Der war sehr gut“, sagt Wunram. Er hat sie 80x100 Meter kraulen lassen. „Und er hat mich dabei gepusht, das hat mir gutgetan.“

Berkhahns Worte wird sie abspulen, wenn in Doha tatsächlich der Schmerz kommt. Und wenn sie mit doppeltem Beinschlag um eine vordere Platzierung kämpft. Denn Finnia Wunram will im Persischen Golf gar nicht auf Sicherheit schwimmen, sondern: „Ich will wieder als beste Deutsche das Rennen beenden.“