Handball

SCM: Mit den Fans gegen die Kieler Wut

Erstmals seit mehr als sieben Monaten darf Handball-Bundesligist SC Magdeburg wieder vor Fans antreten. Heutiger Gegner: der THW Kiel. Dessen Ziel: der 22. deutsche Meistertitel.

Von Daniel Hübner
Christian O'Sullivan (hinten links), Zeljko Musa und Daniel Pettersson (r.) wollen den Kieler Hendrik Pekeler auch im Rückspiel stoppen.
Christian O'Sullivan (hinten links), Zeljko Musa und Daniel Pettersson (r.) wollen den Kieler Hendrik Pekeler auch im Rückspiel stoppen. Foto: imago images

Magdeburg - Es war der 1. November des vergangenen Jahres, als Bennet Wiegert aus der Umkleidekabine in der Arena in Coburg auf die Platte wechselte – und erstmals zu einem Spiel in der Handball-Bundesliga auf eine leere Tribüne starrte. „Normalerweise schwitze ich während eines Spiels, aber damals wollte ich zwischenzeitlich schon nach einer Jacke fragen“, erinnerte sich der Trainer des SC Magdeburg an jenen Donnerstagabend, als sich die Kühle in der Halle auf seinen Körper legte.

Am heutigen 8. Juni wird er garantiert wieder schwitzen. Zum einen, weil der Gegner THW Kiel heißt (20.30 Uhr, Sky). Zum anderen, weil dank eines Modellprojekts 1500 Zuschauer in der Getec-Arena zugelassen sind – geimpfte, genesene oder negativ getestete. Es wird also wieder heiß. Und es wird vor allem wieder laut. Und diese Aussicht sorgt auch beim Coach für Vorfreude: „Unbedingt“, so Wiegert, „denn auch dafür machen wir ja unseren Sport.“

Es wird aber auch wieder anders. „Wir haben ja inzwischen eine gewisse Routine darin, keine Zuschauer zu haben.“ Jetzt müssen auch die Magdeburger schnell in die neue Situation zurückfinden. Der THW Kiel hat diese Atmosphäre bereits geprobt. Im Halbfinale des Pokal-Final-Four der Saison 2019/20 am vergangenen Donnerstag in Hamburg. Die Probe vor 2000 Zuschauern lief dort überraschend katastrophal, vor allem in der zweiten Halbzeit gegen den späteren Sieger TBV Lemgo, als der Rekordmeister nach einer 18:11-Pausenführung noch mit 28:29 verlor. „Diese Niederlage haben wir uns ganz allein selbst zuzuschreiben“, sagte danach Linksaußen Rune Dahmke. Und Patrick Wiencek betonte: „Was der Gegner macht, darf uns als THW Kiel eigentlich gar nicht interessieren. Wir wollen und müssen unser Spiel durchziehen.“

Sechs Spiele in drei Wochen

Das Kieler Drama: Weil sie schon in der Champions League vorzeitig die Segel streichen mussten, bleibt ihnen noch der deutsche Meistertitel als Ziel. Und dafür liefert sich das Team von Trainer Filip Jicha ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit Flensburg-Handewitt. Mit einem Sieg in Magdeburg zieht der THW am Kontrahenten in der Tabelle vorbei. „Wir haben noch ein großes Ziel, für das wir kämpfen. Das wird nicht leichter nach der herben Enttäuschung, aber jetzt müssen wir Charakter beweisen“, blickte Dahmke auf den heutigen Abend voraus.

Wie das aussehen kann? Bennet Wiegert ist sich sicher: „Sie werden komplett alles reinwerfen in dieses Spiel.“ Das erste von sechs in drei Wochen für die Grün-Roten übrigens. „Wir sind der vermeintlich schwerste Auswärtsgegner der Kieler“, blickte der 39-Jährige indes auf das Restprogramm des THW. Seit Sonnabend bereiten sich die Magdeburger auf diese Partie vor. Und womöglich haben sie auch das Hinspiel noch einmal studiert. Am 21. Februar trotzte der SCM dem Gastgeber ein 24:24 ab, damals waren die Kieler allerdings direkt aus einer 14-tägigen Corona-Quarantäne gekommen. Und heute kommen sie mit Wut im Bauch.

Der SCM selbst hat beste Chancen, seinen dritten Tabellenplatz über die Zielgerade der Saison zu bringen. Eine Saison, die mit dem Gewinn der European League bereits alles gehalten hat, was sich die Magdeburger versprochen hatten. Trotzdem bleibt die Partie gegen Kiel immer etwas ganz Besonderes. Vor allem wieder mit den Fans. Kiels Domagoj Duvnjak ist sich jedenfalls sicher: „Der SCM wird beflügelt sein.“