Doha/Magdeburg l Die Scheibe lag noch in der Luft, als David Wrobel den Blickkontakt mit dem Kampfrichter aufnahm, den Zeigefinger erhob und „No, no, no“ rief. Der Richter hatte ein Betreten der Ringkante des 28-Jährigen vom SC Magdeburg bei seinem ersten Versuch gesehen, aber dieses Betreten hatte nie stattgefunden. Allein: Erst einen Protest des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und einen Videobeweis später war klar, dass der Wurf als gültig erklärt wurde. Da war der Vorkampf bei der Weltmeisterschaft in Doha (Katar) bereits vorbei – und das WM-Debüt für Wrobel beendet.

Dieser erste Versuch war zugleich Wrobels weitester mit 62,34 Metern. Es folgten noch 61,47 Meter und ein tatsächlich ungültiger Wurf. Letztlich belegte er Rang 16. „Es hat mich ein wenig aus dem Konzept geworfen“, berichtete er am Sonntagvormittag der Volksstimme. „Mir hat danach etwas der Mut gefehlt, in den weiteren Versuchen mehr Risiko zu gehen. Außerdem haben sich technische Fehler eingeschlichen.“

Blase am Finger

Wrobels Pech-Premiere hat ein weiteres Kapitel, das wiederum von körperlichem Schmerz erzählt. In Belek (Türkei), in der Vorbereitung auf die WM, hatte er sich die Haut am Zeigefinger seiner rechten Wurfhand abgerissen. Es bildete sich eine Blase. „Erst einen Tag vor dem Wettkampf ist es besser geworden“, berichtete Wrobel. „Die Verletzung hatte ich natürlich im Kopf, aber damit will ich nichts entschuldigen.“

Auch nicht mit dem Klima, wenngleich der Wechsel von der nichtklimatisierten Aufwärmzone in das auf 26  Grad runtergekühlte Khalifa International Stadium beinahe allen 32 Werfern erheblich Mühe bereitete. Allein Daniel Stahl aus Schweden warf mit 67,88 Metern als einziger über die vom Weltverband geforderte Qualifikationsweite (65,50). Neben Wrobel verpasste auch Olympiasieger Christoph Harting (63,08/13.) den Sprung unter die besten Zwölf, die an diesem Montag (20.15 Uhr MESZ/ZDF) um die Medaillen kämpfen.

Zweites Finale für Wierig

Mit dabei ist dann Martin Wierig. Bei seiner fünften WM hat sich der 32-Jährige zum zweiten Mal ins Finale geworfen. Beim ersten Mal, 2013 in Moskau, war er Vierter geworden. 63,65 Meter reichten dem SCM-Hünen diesmal für Rang elf in der Qualifikation. „Die Würfe waren in Ordnung“, sagte Wierig und blickte voraus: „Ich denke, im Finale geht noch was. Ich kann befreit aufwerfen.“

Wierig hatte gute Gründe, über den Einzug in den Endkampf zu jubeln. Die Woche in Belek war für ihn nicht sonderlich gut gelaufen im Training. „Ich hatte immer wieder Problem mit dem Hüftbeuger.“ Und auch das heiße Klima machte ihm das Leben schwer: „Ich hatte hier am Freitag eine Art Hitzestich.“ Am Sonnabend fühlte es sich für ihn so an: „Als ich ins Stadioninnere kam, habe ich erst gefroren. Nach 25 Minuten musste ich die Jacke ausziehen, so warm wurde es.“ Am Montag könnte es wiederum heiß werden. Nicht nur aufgrund der Temperaturen.