Werfertage in Halle

EINSTIEG: Kugelstoßerin Christina Schwanitz hat sich bei ihrem Saisoneinstieg nicht nur mit einem Sieg, sondern auch mit der WM-Norm zurückgemeldet. Die 33-Jährige gewann in Halle mit 19,23 Meter und übertraf die Vorgabe des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) um 1,23 Meter. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Kugel heute soweit fliegt“, sagt Schwanitz.Lokalmatadorin Sara Gambetta musste sich mit 17,92 Meter und Platz vier zufrieden geben.

BESTÄTIGUNG: Speerwerfer Bernhard Seifert bleibt der Shootingstar der Saison: Der Potsdamer gewann seinen Wettbewerb mit 83,05 Metern und übertraf zum dritten Mal die Norm für die WM in Doha (28. September bis 6. Oktober). „Ich hatte Probleme im Anlauf, speziell beim Abwurf“, sagte der 26-Jährige.

WELTREKORD: Para-Kugelstoßer Niko Kappel hat den Weltrekord der Kleinwüchsigen zurückerobert. Mit 14,11 Metern holte sich der Paralympics-Sieger die Bestmarke vom Polen Bartosz Tyszkowski (14,04) zurück. Einen Sieg gab es auch für den SC Magdeburg: Marie Brämer-Skowronek gewann mit der Drei-Kilo-Kugel mit 7,16 Metern und blieb damit zum zweiten Mal in dieser Saison über der Norm (7,08) für die Para-WM in Dubai (Emirate/7. bis 15. November).

Halle l Beim ersten Treffen am vergangenen Sonnabend bei den Werfertagen in Halle mit seinem Schützling ist Armin Lemme die Kinnlade runtergefallen. David Wrobel läutete das Gespräch mit seinem Trainer mit dem Satz ein: „Mir ist da ein Malheur passiert.“ Der 63-jährige Coach muss diese Worte schon oft gehört haben, weshalb er sich zu dieser spontanen Reaktion hinreißen ließ: „Such dir einen anderen Trainer, das hält mein Herz nicht mehr aus.“ Dann lachten beide.

Wrobels Malheur am Vorabend in Kürze: „Ich dachte, der Stuhl hält mich beim Wippen, ist aber zusammengekracht. Danach hatte ich Bauchkrämpfe und Krämpfe in den Oberschenkeln.“ Nach seinem Wettbewerb durfte der Diskuswerfer vom SC Magdeburg allerdings lächelnd resümieren: „Vielleicht brauche ich so etwas, um immer WM-Norm (65,00 m/d. Red.) zu werfen.“

Dacres siegt

Am Freitag vorvergangener Woche übertraf der 28-Jährige sie mit 65,86 Metern beim Solecup in Schönebeck und wurde damit Zweiter. Am Sonnabend übertraf er sie mit 65,20 Metern in Halle und wurde damit Siebter. „Bei schlappen Beinen solch ein Ergebnis zu erzielen, lässt sich gut anschauen“, sagte Wrobel. Zudem zeigt der Rang: Die Werfertage warteten einmal mehr mit einer großartigen Konkurrenz auf. Und in Wrobels Disziplin vor allem mit dem 25-jährigen Fredrick Dacres aus Jamaika, WM-Vierter von London 2017, der die Zwei-Kilo-Scheibe auf 68,64 Meter warf. Damit dürfte Halle einen der Topfavoriten auf den Olympiasieg im nächsten Jahr in Tokio gesehen haben.

Das erleichterte auch Martin Wierig den Blick auf seinen vierten Rang mit 65,68 Metern. Um die Platzierung geht es dem Magdeburger allerdings sowieso erst am 3./4. August, wenn es bei den nationalen Titelkämpfen in Berlin um die drei Tickets für die Weltmeisterschaften in Doha (Katar/28. September bis 6. Oktober) geht. „Mein Ziel ist es, bei normalen Bedingungen konstant die WM-Norm zu werfen“, sagte Wierig. Das ist ihm bei vier gültigen Versuchen, zwei davon über 65 Meter, in Halle geglückt. „Auch wenn meine beste Weite etwas niedriger war als beim Solecup in Schönebeck, bin ich doch mit dem heutigen Wettkampf zufriedener“, erklärte der 31-Jährige. „Das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“ Beim Solecup hatte er den deutschen Jahresbestwert mit 66,04 Metern aufgestellt – nach zunächst vier ungültigen Versuchen.

Dabei hatte die Woche für Wierig gar nicht gut begonnen. Beim ersten Training nach dem Solecup hatte er sich eine Blockade im Halswirbelbereich zugezogen. „Das war ein Störfaktor“, bestätigte er. Dann ist er nach Turnov (Tschechien) gereist, um bei Dauerregen 60,88 Meter vorzulegen. „Hätte ich gewusst, welche Bedingungen mich erwarten, hätte ich das auch absagen können.“ Beim dritten Wettbewerb innerhalb von acht Tagen ist er Vierter geworden. Mit dem letzten Versuch. „Das zeigt mir, dass ich Stabiliät in meine Leistungen gebracht habe.“ Überhaupt lagen zwischen dem Zweiten Piotr Malachowski (Polen/65,87), der nach dieser Saison mit 36 Jahren seine Karriere beendet, und dem Siebten Wrobel ja nur 67 Zentimeter.

Rüh verpasst Endkampf

Zwischen Anna Rüh und der Siegerin des Frauenwettbewerbs waren es dagegen bereits einige Meter. Mit 60,50 Metern verpasste die 25-Jährige vom SCM den Endkampf der acht besten Damen und wurde letztlich Zehnte. „Schöner wäre natürlich gewesen, ich hätte noch drei Versuche mehr gehabt“, sagte Rüh. Die Kubanerin Denia Caballero gewann mit der Ein-Kilo-Scheibe mit 65,99 Metern. Lokalmatadorin Nadine Müller wurde Dritte (64,52).

Selbst die 33-Jährige hatte ihre Mühe, die Leichtathletik-Gemeinde in Stimmung zu bringen. Zumeist war es ein verhaltener Applaus, der übers Areal schallte. Eben auch beim Diskuswurf. Es mag an der Hitze gelegen haben oder an den parallel stattfindenden Wettbewerben. Augen- und Ohrenzeugen berichteten zumindest, die Stimmung sei in den vergangenen Jahren besser gewesen.

Diskus fällt ab

Anna Rüh kümmerte sich indes nur um die eigene Stimmung. „Ich war ziemlich aufgeregt“, erklärte sie, „was allerdings nie hinderlich war.“ Und analysierte: „Technisch müssen wir noch einiges tun. Im Training läuft es gut und dort bin ich auch zufrieden. Aber im Wettkampf fehlt mir etwas. Ich kriege einfach den Schuss nicht nach vorne. Selbst bei guten Bedingungen fällt der Diskus bei mir ab. Das ist noch ein Problem.“

An dem sie mit Trainer Lemme arbeiten wird. Ganz ohne Malheur. Bis zu den deutschen Meisterschaften sind es noch zwei Monate. Was Rüh beruhigt: „Wir haben noch Zeit.“