Magdeburg l Wo sind sie nur geblieben, all die bunten Zierfische, die ihn einst morgens zum Training verabschiedet und abends zur Heimkehr begrüßt haben? Max Appel weiß es nicht. Er weiß nur, dass seine Wohnung in Hamburg zu klein für die Tiere, ihr Aquarium, für ihn und für Freundin Lena wurde. Er weiß, dass er selbst überhaupt keine Zeit mehr hat für Fische und die Ruhe, die sie ihm immer gegeben haben, weil „der Fokus voll auf den Sport und die Olympischen Spiele gerichtet ist“, sagt er.

Max Appel vom SC Magdeburg hat also für die großen sportlichen Ziele ein bisschen Farbe in seinem Leben aufgegeben. Aber im Rudern denkt der erfolgsorientierte Athlet sowieso nur in Schwarz und Weiß. In Sieg und in Niederlage.

Niederlagen hat Appel in seiner Karriere einige kassiert. Immer wieder qualifizierte sich der 23-Jährige für eine Weltmeisterschaft, dreimal sogar. Immer wieder fuhr er weit an einem Podestplatz vorbei. Und immer wieder im Doppelvierer. Man möchte ihm gerne zurufen: Deine Zeit wird kommen. Aber seine Zeit ist bereits für den nächsten Juli und August in Tokio terminiert, dort, wo die Olympia-Helden 2020 gesucht werden. Max Appel möchte um diesen Status gerne mitkämpfen. Wieder im Doppelvierer.

Bestzeit am Ergometer

Dafür hat der Schützling von Heimtrainer Roland Oesemann, der als Olympiakader der Skuller des Deutschen Ruderverbandes (DRV) seit November 2018 in Hamburg lebt und trainiert, seine Grundlage gelegt. Das bewies zumindest der Ergometer-Test zuletzt in Ratzeburg, den die Männer von Bundestrainer Markus Schwarzrock in einem internen Wettstreit absolvierten.

Appel hat die 2000 Meter lange Strecke in 5:52,8 Minuten absolviert und sich danach gefreut: „Das ist eine neue Bestzeit. Damit habe ich den zweiten Platz hinter Karl Schulze belegt. Und das war eine echt gute Leistung.“

Rangliste in Avis

Die er nun in Avis fortführen will. Acht Skuller sind dem Ruf aus Portugal gefolgt und trainieren seit Mittwoch auf dem Stausee Barragem do Maranhão. Acht Skuller sind für Schwarzrock auch genug. Das Zeitfenster für den Kampf um einen Platz in diesem Kader ist geschlossen. Zur Crew in Avis gehört nicht der Einer-Fahrer Oliver Seidler, der sich bereits ganz auf seine Arbeit für Tokio konzentrieren kann. Zur Crew gehört derzeit auch nicht Stephan Krüger, der sich eine Muskelverletzung zugezogen hat. Dafür gehört neuerdings Marc Weber zur Crew – der U-23-Weltmeister im Einer.

„Wir werden in den nächsten zwei Wochen verschiedene Besetzungen testen im Doppelvierer“, berichtet 1,96-Meter-Mann Appel. Alles für die Suche nach der optimalen Gemeinschaft für die Sommerspiele.

Doch vor dem Test ist Rangliste. Dafür müssen sich die Athleten in einem Rennen beweisen. „Ich hoffe, dass ich eine gute Rolle spielen kann“, sagt Appel. Wenn Schwarzrock im Februar die letzte Großboot-Prüfung beendet hat, dann auf dem „blauen See“, dem Lago Azul in Portugal, weiß auch Appel, ob und in welchem Boot – Doppelzweier oder -vierer – er nach Tokio fahren darf.

Angeln als Ausgleich

In diesem schmalen Kader ist also der Grat zwischen Sieg und Niederlage ebenso schmal. Da kann auch Max Appel durchaus ein wenig Ruhe gebrauchen. Gefunden hat der passionierte Angler diese am Elbe-Hauptstrom in Hamburg, an den Wehren und Schleusen. Etwa 20 Fischarten, so war zu lesen, tummeln sich zwischen Binnenalster und Nordsee-Ausgang, Appel allerdings bevorzugt eindeutig den Zander. Der schmeckt.

Diese Ruhe genießt Appel dabei allein. „Unter den Ruderern gibt es ja leider keine Angler“, berichtet er lächelnd. Egal. Es ist zumindest eine kleine Abwechslung vom sportlichen Alltag, in dem die Antwort auf alle Fragen heißt: Rudern. Aber wenn Appel mit dem Finale bei den Sommerspielen in Japan sein großes Ziel erreicht hat, dann wird auch sein Leben wieder ein wenig bunter. Zumindest blickt er auf die Zeit nach Tokio voraus: „Ich möchte mich wieder meiner beruflichen Weiterentwicklung widmen.“ Und heiraten.