Berlin (dpa) - Die Volleyball Bundesliga (VBL) startet in die schwerste Saison ihrer Geschichte. Vom ersten Aufschlag an bei den Männern an diesem Wochenende kämpfen die elf verbliebenen Erstligisten gegen den drohenden Corona-K.o.

"Die Situation ist extrem angespannt und kann existenzbedrohend werden. Die Clubs gehen nicht nur mit einem organisatorischen und finanziellen Mehraufwand - wie für die notwendigen, umfangreichen Hygienemaßnahmen – in die Saison, sondern auch mit der großen Unsicherheit, ob und wie ihre Spiele ausgetragen werden können", sagte VBL-Präsident Michael Evers der Deutschen Presse-Agentur.

Erste Partien der neuen Saison mussten nach Corona-Fällen bereits verlegt werden, die innerdeutschen Reisebeschränkungen könnten sich ebenfalls als erhebliche Schwierigkeit herausstellen.

Allen Beteiligten werde die neue Saison, die am Samstag (18.00 Uhr) mit dem Gastspiel von Rekordmeister VfB Friedrichshafen bei den Netzhoppers Königs Wusterhausen beginnen soll, "daher definitiv deutlich mehr abverlangen, als dies in allen anderen Spielzeiten vorher der Fall war", befand Evers.

Die Sorgenliste ist lang. Wo anfangen? Zum Beispiel bei den Friedrichshafenern. Die Mannschaft von Trainer Michael Warm hätte eigentlich in der eigenen ZF Arena die Saison beginnen sollen. Stattdessen tauschte der VfB sein Heimrecht und will nach Brandenburg reisen. Die Schäden an der Dachkonstruktion der Halle führten zur Schließung der Arena, daher wird der VfB im Oktober keine Heimspiele austragen und sucht händeringend nach einer neuen Spielstätte.

Die Friedrichshafener fühlten sich in der Vorbereitung wie Nomaden. Sie zogen täglich um und mussten Hallen im Umland fürs Training nutzen. "Das ist nicht optimal, aber wir haben die Chance zu trainieren", meinte Warm.

Alles andere als optimal waren für die Liga schon die vergangenen Monate. Der TV Rottenburg musste nach fast 20 Jahren in der Bundesliga wegen massiv wegbrechender Einnahmen aufgegeben, die Eltmann Volleys gingen pleite. Und die Alpenvolleys Haching beendeten ihr ehrgeiziges Projekt nach ausbleibendem Sponsorenzuspruch nach drei Jahren. Dafür nimmt der vormalige Stammverein und Lizenznehmer, der TSV Unterhaching, einen Startplatz ein.

Die Corona-Pandemie ist für den Ligabetrieb allgegenwärtig. "Es geht um das Überleben unserer vielfältigen Sportlandschaft, um das Überleben des Volleyballs und unserer Vereine", mahnte Manager Kaweh Niroomand von den Berlin Volleys.

Der Hauptstadtverein, der vor dem Abbruch der Corona-Saison die letzte Meisterschaft gewonnen hatte, konnte für seinen Heimauftakt am Samstag (18.30 Uhr) in der Max-Schmeling-Halle gegen die Powervolleys Düren corona-bedingt nur 550 Karten in den freien Verkauf geben. Normal hätte der Club mit 5000 bis 6000 Zuschauern gerechnet. Wegen der Minus-Kulisse machen die Berliner Verlust.

"Sicherlich sind die Zuschauereinnahmen ein wichtiger Pfeiler in den Etats der Vereine. Die ausbleibenden Einnahmen aus dem Ticketverkauf werden aber nicht zu einer Pleitewelle führen. Die Gefahren drohen vielmehr einen Schritt weiter", meinte Evers.

Die vielen kleineren und regionalen Sponsoren, die einen großen Teil der Vereinsetats tragen, würden sich den direkten Kontakt zu den Fans in der Halle und nicht nur über TV oder Stream wünschen. "Wenn wir den Sponsoren diese Möglichkeit nicht mehr bieten können, droht hier der größere Verlust. Zuschauer in den Hallen sind daher dreifach wichtig – für die Generierung von Ticketeinnahmen, die Erfüllung von Sponsoringverpflichtungen und natürlich für die Stimmung in der Halle, die die Spiele der Volleyball Bundesliga zu besonderen Events macht", beschrieb Evers die Notlage.

Die Liga lebt - noch. "Für die laufende Saison ist der Etat gesichert, sofern die Spielzeit nicht wieder abgebrochen werden muss. Dann wäre auch die Finanzierung der Liga gefährdet", warnte Evers. Es geht ums Durchkommen. Hauptsache durchkommen.

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