Hamburg (dpa) - Inmitten der Corona-Krise erhielt die Deutsche Fußball Liga (DFL) endlich auch mal eine kleine positive Nachricht.

Das Bundeskartellamt erteilte der Vereinigung der deutschen Proficlubs Grünes Licht für das Vergabeverfahren der Medienrechte an den Bundesliga-Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25. Das Vermarktungsmodell der DFL sei gebilligt worden, gab die Bonner Behörde bekannt.

Überraschend kam dies nicht, tut dem durch die Pandemie ebenfalls schwer gebeutelten Profifußball durchaus gut. Die DFL musste ihre Ausschreibung im Rahmen des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen mit den Bonnern abstimmen und war daher mit dem Kartellamt im ständigen Austausch über das Verfahren.

Besonders wichtig war dabei die Selbstverpflichtung der DFL zum sogenannten Alleinerwerbsverbot. Damit soll verhindert werden, dass nur ein Anbieter die Rechte an den Spielen der 1. und 2. Bundesliga hält. Die Selbstverpflichtungen seien nun rechtsverbindlich.

"Für uns war wichtig, dass nicht ein Bieter allein alle Live-Rechte exklusiv erwerben kann, der dann als Monopolist dem Zuschauer gegenübersteht", sagte Behördenchef Andreas Mundt. "Ein einziger mit exklusiven Rechten ausgestatteter Anbieter hätte nämlich kaum Anreize, die Qualität der Berichterstattung zu verbessern, die Preise stabil zu halten und das Innovationspotenzial insbesondere des Internets auszuschöpfen."

Die DFL hatte die Unterlagen für die Auktion der Medienrechte an die Bewerber bereits am Montag verschickt, obwohl es noch keine offizielle Einigung mit dem Bundeskartellamt gab. Zuvor hatte sie entschieden, welche der interessierten Medienunternehmen zugelassen sind. Die eigentliche Auktion soll nach den bisherigen Plänen am 27. April beginnen und bis zum 8.  Mai dauern. Die Vergabe wird am 11. Mai abgeschlossen sein.

Nach dem DFL-Vermarktungsmodell sollen laut Kartellamt die Übertragungsrechte an Live-Spielen in vier Paketen (Samstagnachmittag, Samstagabend, Freitag/Sonntag sowie Samstagskonferenz) versteigert werden. Diese Pakete würden jeweils alle Übertragungswege (Satellit, Kabel, Internet) beinhalten.

Die Vergabe der Medienrechte findet mitten in der wohl schwersten Krise des deutschen Profifußballs statt. Am Montag hatte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert verkündet, dass die Saison wegen der Corona-Pandemie erst einmal bis zum 2. April unterbrochen werde. Wie es dann weitergeht, weiß niemand

Ohne die Milliarden-Zahlungen von Sky & Co. sind die Liga und viele ihrer Vereine kaum überlebensfähig. Für die Planung der Zukunft ist es daher besonders wichtig, dass möglichst bald klar ist, wie viel Geld es demnächst gibt. Ob alle Medienunternehmen in der derzeitigen Situation für ein Bieterrennen gewappnet sind, ist aber völlig unklar.

Vor allem die Geschäftsmodelle von Sky, mit durchschnittlich 876 Millionen Euro pro Jahr aktuell der größte Finanzier der Liga, und des Streamingdienstes DAZN leiden unter der Corona-Krise. Die Pay-Anbieter haben ohne Live-Übertragungen derzeit keine Ware. Dass sie angesichts der finanziellen Unsicherheit Milliarden-Verträge mit der Liga abschließen können, erscheint nicht sicher. Andere Bewerber wie Amazon oder die Telekom könnten davon profitieren.

DFL-Mitteilung vom 10.2. zur Ausschreibung der TV-Rechte

DFL-Homepage

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Mitteilung Bundeskartellamt