Kühlungsborn (dpa) l Als bundesweite Vorreiter in der Corona-Krise haben Restaurants in Mecklenburg-Vorpommern seit Sonnabend wieder geöffnet. „Ich sehe viele Kollegen, die aufatmen und Gäste, die zufrieden sind“, sagte der Präsident des regionalen Branchenverbands Dehoga MV, Lars Schwarz. Dieser Tag sei ein Lichtblick nach schwerer Zeit mit noch nicht kalkulierbaren Verlusten in Höhe von vielen Millionen Euro. Am Sonntag ging er davon aus, dass etwa ein Drittel der landesweit rund 5000 Betriebe mit ihren 55 000 Mitarbeitern die Möglichkeit zur Öffnung nutzten.

Vor allem dort, wo Tagestouristen unterwegs waren, sei „Bewegung drin“ gewesen. Auch Stammkunden seien vielerorts erschienen. Dort, wo das Geschäft auf Urlauber ausgerichtet sei, hätten viele Restaurants noch geschlossen, sagte Schwarz. Urlauber aus anderen Bundesländern dürfen erst am 25. Mai wieder nach Mecklenburg-Vorpommern reisen.

Der Tourismus zählt zu den am stärksten von den Beschränkungen betroffenen Branchen. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga rechnet trotz inzwischen beschlossener Lockerungen mit weiteren Umsatzverlusten. Nach Schätzung des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) sind in der Gesamtbranche inklusive des Gastgewerbes bis zu einer Million Menschen von Arbeitslosigkeit bedroht. „Rund 70 Prozent erhalten jetzt schon Kurzarbeitergeld“, sagte BTW-Präsident Michael Frenzel der „Welt am Sonntag“.

Vor diesem Hintergrund hat Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat einen Zuschuss von 1000 Euro pro Mitarbeiter in der Tourismusbranche gefordert. „Wir brauchen dringend ein Konjunkturprogramm für die Tourismusbranche“, sagte Schwesig „Bild am Sonntag“. Kaum ein Wirtschaftszweig sei in den letzten Wochen so schwer getroffen worden wie der Tourismus. „Und es ist erkennbar, dass die Branche noch eine Weile mit Einschränkungen leben muss“, sagte Schwesig. „Deshalb brauchen wir einen Zuschuss von 1000 Euro pro Mitarbeiter.“

Besser hätten sich Gastwirte wie Peter Weide vom Restaurant Vielmeer im Ostseebad Kühlungsborn den Neustart nicht wünschen können: Wie in weiten Teilen des Bundeslandes schien die Sonne und es ging ein milder Wind. Die ersten Stunden des Probelaufs nach siebenwöchiger Schließung liefen aus Weides Sicht gut, die aus der Region kommenden Gäste zeigten sich zufrieden – auch wenn sie vom Servicepersonal mit Mundschutz bedient werden. Ein Gast pro Tisch muss auch seine Daten hinterlassen, um nachvollziehen zu können, wenn es doch zu einer Neuinfektion kommen sollte.

Spätestens zu Pfingsten werden nach Branchenschätzungen alle Gaststätten aufmachen, denn dann dürfen Gäste aus den anderen Bundesländern wieder nach Mecklenburg-Vorpommern kommen. Ausgenommen wurden allerdings Landkreise, in denen die Corona-Krise noch nicht genügend eingegrenzt ist.

„Die Ankündigung am Montag kam überraschend – auch für unsere Großhändler“, sagt Weide. Diese hätten ihre Mitarbeiter erst aus der Kurzarbeit holen müssen. Das hat für sein Restaurant mit 27 Mitarbeitern zur Folge, dass die Speisekarte auf wenige Gerichte reduziert ist. Die Stimmung unter den maximal 80 Gästen sei dennoch gut, sie seien froh, bei dieser Atmosphäre in der Sonne sitzen zu können. Auf einen solchen Moment müssen die anderen Bundesbürger noch ein wenig warten. In Bayern beispielsweise dürfen Restaurants ihre Außenbereiche am 18. Mai wieder öffnen. Baden-Württemberg plant auch für diesen Tag. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen ist es schon kommenden Montag soweit. In Berlin wird der 15. Mai angepeilt.