Kampf um Spitzenkandidatur Spitzenkandidatur entschieden: Hüskens führt FDP in Sachsen-Anhalt im Landtagswahlkampf an
Die FDP in Sachsen-Anhalt schickt Digitalministerin Lydia Hüskens als Spitzenkandidatin in den Landtagswahlkampf. Zuvor gab es eine Kampfabstimmung.

Staßfurt - Vor dem Listenparteitag der FDP verbreitete das Umfeld von Digitalministerin Lydia Hüskens Zuversicht. Bei der Wahl zur Spitzenkandidatur für die Landtagswahl werde nichts schiefgehen. Dafür stehe die Basis zu fest hinter der Landesvorsitzenden. Zumal Konkurrent Andreas Silbersack, Vorsitzender der Landtagsfraktion, politisch keinen krassen Gegenentwurf darstelle.
Bei so viel zur Schau gestelltem Optimismus fragte sich manch einer, ob wirklich Überzeugung dahinter steckte oder es sich bereits um das sprichwörtliche Pfeifen im Walde handelte. Zumal die 61-Jährige beim Landesparteitag im April bei der Wiederwahl zum Landesvorsitz mit einem Ergebnis von 60 Prozent regelrecht abgestraft worden war.
Am Ende sollten die Optimisten recht behalten. Hüskens erhielt am Samstag in Staßfurt 64 der 110 Delegiertenstimmen und wird die FDP auf Listenplatz 1 in den Wahlkampf führen. Silbersack musste sich mit 45 Stimmen begnügen. Ein Delegierte verweigerte beiden seine Stimme. Silbersack wurde anschließend ohne Gegenkandidat mit 90 Stimmen auf den zweiten Listenplatz gewählt.
Die Ministerin hatte in ihrer Bewerbungsrede den liberalen Markenkern ihrer Partei beschworen. So wenig Staat wie möglich, stattdessen Fokus auf Eigenverantwortung und möglichst großen Handlungsspielraum vor allem für Unternehmen. Die FDP müsse treibende Kraft sein, „um das Land aus der Lethargie zu holen, die sich wie Mehltau über alles gelegt hat“. Zumal von der Bundesregierung keine Hoffnung auf Besserung zu erwarten sei. „In Deutschland sind wir nur noch Spitzenreiter beim Aufbau von Schulden und Bürokratie“, so Hüskens.
Gerade aber Schulden und Überregulierung seien die größten Hemmnisse von Fortschritt. Stattdessen komme es auf die klassischen liberalen Tugenden an: Leistungsbereitschaft, Mut und Verlässlichkeit. Dem rechten und linken Rand sprach sie ab, den Problemen gewachsen zu sein. Die entsprechenden Parteien schürten nur Ängste, anstatt Lösungen zu suchen. Denn alles andere „würde ihnen das Geschäft kaputtmachen“.
Wenig überraschend wählte Silbersack einen kämpferischeren Sound, ohne inhaltlich zu sehr von seiner Konkurrentin abzuweichen. „In der Wirtschaft brennt die Hütte. Die Zahl der Insolvenzen steigt“, sagte der Fraktionsvorsitzende. Die Unternehmen litten unter einem zu hohen Abgaben und zu viel Bürokratie. Dem setzten nur die Liberalen etwas entgegen. Deutlichere Worte als Hüskens fand Silbersack zum Thema Migration. Zugewanderten testosterongesteuerten jungen Männern müssten deutlicher als bisher die Grenzen aufgezeigt werden.
Bei den nachfolgenden Duellen um die Listenplätze setzten die Delegierten auf Kontinuität. Mit Jörg Bernstein, Kathrin Tarricone und Guido Kosmehl landeten Mitglieder der Landtagsfraktion auf den Listenplätzen 3 bis 5. Nach der Kampfabstimmung gaben sich Hüskens und Silbersack versöhnlich. „Wir müssen ab morgen geschlossen in den Wahlkampf gehen“, forderte die Landesvorsitzende. Silbersack mahnte an, als Team zusammen zuwachsen. Das wird nötig sein. Zuletzt pendelte die FDP bei Umfragen zwischen zwei und drei Prozent.