Stuttgart (dpa) - "Ich gehe mal eben Zigaretten holen" war früher eine bekannte Floskel für ein verstörendes Verhalten: Der Partner oder die Freundin verschwanden von einem Moment auf den anderen für immer ohne eine Begründung. Heute nennt man das auf Neudeutsch "Ghosting". Das geisterhafte Abtauchen gab es also schon immer, ist in letzter Zeit aber geradezu gesellschaftsfähig geworden, konstatiert die Journalistin und Regisseurin Tina Soliman in ihrem Buch "Ghosting".

Sie stellt dieses Phänomen in direkten Zusammenhang zur Unverbindlichkeit, Austauschbarkeit und Kommerzialisierung der Liebe in digitalen Zeiten. Nicht zufällig nehmen in ihrem Buch die Datingportale einen großen Raum ein. Denn hier ist das "Ghosting" ein Massenphänomen. Das Buch enthält viele erhellende Gespräche mit Wissenschaftlern und Betreibern von Datingportalen, aber auch Betroffenen, und zwar sowohl den Verlassenen wie auch denjenigen, die ohne Erklärung spurlos verschwinden.

Tina Soliman: Ghosting. Vom spurlosen Verschwinden des Menschen im digitalen Zeitalter, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 358 Seiten, 18,00 Euro, ISBN 978-3-608-96337-3

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Ghosting