Übernahme der Nobiskrug-Werft durch FSG in trockenen Tüchern

Verkauft wurde die traditionsreiche Nobiskrug-Werft in Rendsburg bereits vor einem Monat. Nun hat auch das Kartellamt der Übernahme durch die Flensburger Werft zugestimmt. Investor Windhorst verspricht, sich persönlich in Marketing und Vertrieb zu engagieren.

Von dpa
Investor Lars Windhorst (l) und FSG-Geschäftsführer Philipp Maracke sprechen bei einer Pressekonferenz.
Investor Lars Windhorst (l) und FSG-Geschäftsführer Philipp Maracke sprechen bei einer Pressekonferenz. Gregor Fischer/dpa

Rendsburg - Die Übernahme der Nobiskrug-Werft in Rendsburg durch die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) ist offiziell abgeschlossen. Das Bundeskartellamt habe die Freigabe für den Verkauf erteilt, teilte Insolvenzverwalter der Nobiskrug-Werft, Hendrik Gittermann, am Donnerstag mit. Der Geschäftsbetrieb der international renommierten Superjacht-Werft mit rund 280 Beschäftigten sei damit rechtswirksam an die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) übergeben („Closing“).

Der Verkauf erfolgte bereits am 16. Juli 2021, stand jedoch unter anderem noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe. Man führe hier nun zwei renommierte Werften mit langer Historie zusammen, sagte Investor Lars Windhorst am Donnerstag in Rendsburg.

Am Donnerstag haben Windhorst, zu dessen Tennor Gruppe die beiden Werften gehören, und FSG-Geschäftsführer Philipp Maracke der Nobiskrugbelegschaft die Ziele und nächsten Schritte in der Kooperation zwischen den beiden Werften vorgestellt. Die beiden Werften stehen von nun an unter einer Leitung, die Maracke übernimmt. Beide Standorte sollen bestehen bleiben. Insbesondere in den Bereichen Konstruktion, Verwaltung und Einkauf sollen die insgesamt 645 Mitarbeiter künftig aber standortübergreifend zusammenarbeiten.

Im Anschluss sagte Windhorst vor der Presse, er freue sich sehr, hier zu sein und dass der Kauf der Nobiskrug-Werft durch die FSG nun vollzogen sei. „Und wir uns ab heute mit der FSG und der gesamten Tennor-Gruppe mit Leidenschaft für die Nobiskrug engagieren können, um die Nobiskrug stark weiterzuentwickeln und noch stärker im Superjachtenbau zu etablieren.“

Der Markt wachse extrem stark, so Windhorst weiter. Die größte Herausforderung werde nicht sein, viele Aufträge zu erhalten, sondern die Schiffe profitabel zu bauen. „Was den Vertrieb und das Marketing angeht werde ich mich persönlich natürlich auch sehr gerne und mit Leidenschaft einbringen.“ Das Superjachtenthema sei eines, das ihm nahestehe und das er mit Interesse verfolge. Windhorst versicherte, dass es ihm um ein langfristiges Engagement an einem „interessanten Zukunftsprojekt“ gehe.

Die IG Metall Küste erhofft sich von der Übernahme der Nobiskrugwerft eine langfristige Perspektive für die Arbeitsplätze und den Standort Rendsburg. „Entscheidend ist, dass die Aufträge gesichert werden und die Arbeiten möglichst bald weitergehen“, teilte die Gewerkschaft am Donnerstag mit. „Wir werden Herrn Windhorst auch daran messen, ob es ihm und seinem Team gelingt, weitere Aufträge einzuwerben und so für eine langfristige Auslastung zu sorgen.“ Die geplante Kooperation mit der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) sei eine Chance, die Erfahrungen im Schiffbau in Flensburg und in der hochwertigen Ausrüstung und Ausstattung von Luxusjachten in Rendsburg zusammenbringe.

Windhorst sieht nicht nur für Nobiskrug, sondern auch für die FSG eine gute Zukunft. Diese war Anfang September 2020 unter der Regie der Tennor Holding an den Start gegangen - mit leeren Auftragsbüchern. Aktuell wird in Flensburg ein Schiff gebaut. Die seit Jahren angeschlagene Werft war bereits 2019 von Tennor zum ersten Mal übernommen worden. Durch den nochmaligen Erwerb konnte die Werft ohne die bisherigen Schulden neu beginnen. Für die alte FSG wurde vergangenes Jahr ein Insolvenzverfahren eröffnet. Nobiskrug hatte im April dieses Jahres die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.

Für die Abteilung Stahlbau von Nobiskrug mit etwa 30 Beschäftigten, die unter anderem die Schleusentore des Nord-Ostsee-Kanals wartet und repariert, wird weiter ein Investor gesucht. Sie wurde nicht von der FSG mit übernommen. Er sei jedoch zuversichtlich, auch hierfür zeitnah einen Investor zu finden, sagte Gittermann. Der Geschäftsführer der IG Metall Rendsburg, Martin Bitter, sagte, wichtig sei jetzt, schnell eine Lösung für den Stahlbau und die Beschäftigten aus dieser Abteilung, die nicht übernommen werden, zu finden.

Die IG Metall teilte am späten Donnerstagabend mit, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) werde die Werft am 24. August besuchen. Geplant sei ein Gespräch mit Betriebsrat und IG Metall, dem auch die neue Geschäftsführung und der Insolvenzverwalter beiwohnen werden, so die Gewerkschaft.