Köln (dpa) l Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) nahm am Montag an der Zeremonie im Stadtteil Nippes teil. "Den Schmerz, den ein Messer hinterlässt, kann ich gut nachvollziehen", sagte Reker, die 2015 nur knapp dem Tod entkommen war, als ihr ein Rechtsradikaler in den Hals stach.

Daher fühle sie sich dem Toten auch persönlich sehr nah. Ihre eigene Wunde habe verheilen können, sagte die Kommunalpolitikerin. Sie hätte sich sehr gewünscht, dass es auch im Fall des Mitarbeiters eine Chance gegeben hätte.

Bei Hausbesuch erstochen

Der Mann war Mitte Dezember bei einem Hausbesuch erstochen worden, als er für die Vollstreckungsstelle Geld eintreiben wollte. Als er mit einer Kollegin an einem Mehrfamilienhaus klingelte, öffnete ihm ein Bewohner und stach nach Polizeiangaben sofort zu. Nach der Attacke wurde der Mann in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

Der mutmaßliche Täter hatte nach Angaben der Ermittler bereits einige Monate zuvor Bedienstete einer anderen städtischen Behörde angegriffen – davon wusste das Opfer aber wohl nichts. Köln will nun ein Meldesystem für Übergriffe auf städtische Mitarbeiter einführen.

Viele verzichteten auf schwarze Bekleidung

Viele der mehreren hundert Trauergäste verzichteten am Montag auf die übliche schwarze Bekleidung und erwiesen dem 47-Jährigen mit Narrenkappen, in Kostümen oder in Uniformen die letzte Ehre. Der Stadt-Mitarbeiter war zu Lebzeiten in vielen Vereinen aktiv gewesen, besonders im Karneval. Sein Lebensgefährte saß ganz vorne im Saal. Auf der Urne war ein Tanzmariechen abgebildet, zudem sang ein Tenor das durch Willy Millowitsch berühmt gewordene Lied "Ich bin ene kölsche Jung".