Wolfsburg (dpa) - In einer Beziehung hat der VfL Wolfsburg vielleicht das schwerste Europa-League-Los von allen gezogen.

Denn der Zwischenrunden-Gegner Malmö FF aus Schweden hat seit dreieinhalb Monaten kein Liga- und seit mehr als zwei Monaten auch kein internationales Spiel mehr bestritten. Wie soll man sich also auf einen Gegner (Donnerstag, 21.00 Uhr/DAZN) vorbereiten, wenn der während seiner langen Winterpause auch noch seinen Trainer und seinen besten Spieler verloren hat?

Ein erster Versuch des Erkenntnisgewinns schlug schonmal fehl. Anfang des Monats wollte ein Videoanalyst des Fußball-Bundesligisten eine Übungseinheit der Schweden während ihres Trainingslagers in Spanien beobachten und gab sich dabei als deutscher Journalist aus. Mitarbeiter von Malmö FF enttarnten den "Spion" jedoch.

"Er hat nichts Verbotenes gemacht. Es war ein öffentliches Training", sagte VfL-Trainer Oliver Glasner dazu. "Es ist unsere Pflicht, uns bestmöglich auf unseren Gegner vorzubereiten." Und da gebe es auch ohne Wettkampfmodus einige Möglichkeiten. "Testspiele werden im Internet gestreamt. Trainingseinheiten sind öffentlich zugänglich. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", meinte Glasner.

Zuletzt bekamen die Wölfe auch noch ein paar Informationen frei Haus. "Malmö kommt mit einer erfahrenen Mannschaft, die sich vor Wolfsburg nicht in die Hose machen wird", sagte dem "Kicker" genau jener Trainer, der den Europapokal-Finalisten von 1979 noch bis zum Ende der Europa-League-Vorrunde im Dezember betreute. Der heißt Uwe Rösler und trainiert jetzt Fortuna Düsseldorf in der Bundesliga. Auch sein Nachfolger in Malmö kennt den deutschen Fußball gut: Es ist der Däne Jon Dahl Tomasson, der neben dem AC Mailand und Feyenoord Rotterdam auch den VfB Stuttgart (2005/06) als Karrierestation vorweisen kann.

Tomasson lobte die Fußball-Bundesliga. "Deutsche Vereine sind sehr seriös und immer gut vorbereitet. Die Bundesliga ist eine starke Liga, ich kenne sie gut", sagte der 43 Jahre alte Däne. "Wir sind Außenseiter, aber im Fußball können immer Überraschungen passieren. Das wird ein Kampf über 180 Minuten oder vielleicht sogar noch mehr."

Für die Wolfsburger ist die Europa League eine ambivalente Sache. Bislang kamen im Schnitt nur 10.800 Zuschauer zu den drei Heimspielen in dieser Saison. Und wirklich heiß ist man auf das nächste Spiel am Donnerstagabend auch nur in Schweden. Denn dort kündigte Malmö FF an, von mehr als 4000 Fans in die Volkswagen Arena begleitet zu werden.

Allein aus Imagegründen hat dieser Wettbewerb für den VfL trotzdem eine "besondere Bedeutung". Das sagte der Geschäftsführer Michael Meeske der Deutschen Presse-Agentur. "Als Volkswagen-Tochter positionieren wir uns naturgemäß als internationales Fußballthema. Wir waren ja zum Beispiel auch der erste Bundesliga-Verein mit einem eigenen Büro in China", so Meeske. "Das ganze Thema Internationalität ist von daher zentral für uns. Da hilft natürlich auch die Europa League. Zum Beispiel bei der Ansprache von Sponsoren oder in der Wahrnehmung bei jungen Zielgruppen. Bist du ein Europacup-Verein, wirst du per se schonmal anders wahrgenommen."

Die Wolfsburger haben deshalb zwei große Ziele: In dieser Saison möglichst lange ein Europacup-Verein zu bleiben. Und in der nächsten Saison vielleicht wieder einer zu sein. In der Bundesliga hinkt man den internationalen Plätzen schon weit hinterher. In der Europa League beginnt der Wettbewerb am Donnerstag aber bei Null. "Es wird eine robuste und international erfahrene Mannschaft auf uns zukommen. Wir haben Respekt vor Malmö", sagte Glasner. "Das ändert aber nichts an unserer Zielsetzung: Wir wollen eine Runde weiterkommen."

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