1. Startseite
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Genthin
  6. >
  7. Historische Überlieferung: Winterzeit ist Sagenzeit – Das Märchen von der Hexe in Parey

Historische Überlieferung Winterzeit ist Sagenzeit – Das Märchen von der Hexe in Parey

Wenn es draußen kalt und dunkel ist, haben Geschichten Hochkonjunktur. Eine Pareyer Sage erzählt von einer Hexe, die einst in der Bergsiedlung Angst und Schrecken verbreitete.

Von Louis Hantelmann 13.01.2026, 07:04
Eine Hexe soll auch in Parey ihr Unwesen getrieben haben.
Eine Hexe soll auch in Parey ihr Unwesen getrieben haben. Symbolfoto: Matthias Bein/dpa

Parey. - Wenn im Winter die Tage kürzer und Abende länger werden, draußen der Schnee fällt und es drinnen gemütlicher wird, dann ist für viele die Märchenzeit angebrochen. Man rückt zusammen und erzählt sich die Geschichten und alten Sagen erneut.

Und dabei muss man gar nicht so weit in die Welt von etwa den Gebrüdern Grimm oder Hans Christian Andersen eintauchen, denn auch Parey hat seine eigenen Sagen und Überlieferungen, die Christiane Wagner und der Heimatverein Parey herausgegeben haben. Eine davon basiert auf dem Buch „Sagen und Geschichten aus dem Elbe-Havel-Winkel“ und trägt den Titel „Eine Hexe in Parey“.

Spuk in Parey: Die Sage von der Hexe

Diese berichtet darüber, dass es auch in der Bergsiedlung, wo es eine enge Gasse mit einer Schlächterei gab, oft gespukt habe:

Nach der Sage kam nachts, wenn es zwölf schlug und sehr dunkel war, eine alte, hässliche Frau aus der Gasse und belästigte vorbeikommende Passanten. Die alte Frau, die sich als Hexe entpuppte, konnte es nicht leiden, wenn andere Menschen gesund und glücklich waren. Kam ein Bürger um die Mitternachtsstunde an der Gasse vorbei, dann war es um ihn geschehen. Eine leichte Berührung durch die Hexe genügte und der Betroffene erkrankte unmittelbar danach. Kein Doktor konnte ihm helfen, der Tod war vorprogrammiert.

„Darum gehe“, so heißt es in der Sage, „der alten Hexe aus dem Wege!“ Dass jemand, dem aus nicht erklärbarem Grund etwas Unangenehmes widerfuhr, behext oder verhext war, wurde sicher nicht nur in Parey angenommen. Nutzen Hexen, Zauberer und Feen nicht auch in den Volksmärchen Zauberkräfte? Und hört man nicht heute noch manchmal: „Es ist wie verhext"?

Sage zum Schutz für Bewohner in Parey?

So vermuten die Mitglieder des Heimatvereins, diese Sage erfüllte eine „Schutzaufgabe". In dunkler Nacht durch noch dunklere Gassen zu gehen, konnte aus mancherlei Gründen gefährlich sein. Und dass eine Hexe einem in Parey am ehesten auf dem Berg begegnen konnte, ist ebenfalls gut vorstellbar. Nirgendwo sonst in dem Ort gab es so viele Winkel und Gassen wie im „Bergdorf". Brandgassen zergliederten die Bebauung, schmale Wege führten zu den angrenzenden Gärten und zu den Weiden unterhalb des Berges.

An eine Fleischerei Zepernick in der ehemaligen Viktoriastraße Nummer 8, dort wo die „Mittelgasse" zum Berg hoch führte, können sich einige Pareyer noch erinnern, nicht aber an eine Hexe. Einige Frauen und auch Männer, die böten konnten, gab es bestimmt. Die jedoch setzten ihre „Zauberkräfte" in gutem Sinne ein.

Selbst wenn es sie noch gäbe, die böse Hexe, sie hätte heute kaum eine Möglichkeit, unverhofft aus dem Dunkel hervorzutreten. Nicht nur kleine Gassen sind verschwunden, der Berg hat sich überhaupt schön gemacht. Er ist gut beleuchtet, die Grundstücke sind gepflegt.