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Stadtbibliothek Lesestoff im einstigen Osterwiecker Adelshof

Welcher Verlust die Schließung der Harzer Kreisbibliothek auch für die Leser in der Stadtbücherei Osterwieck ist.

Von Mario Heinicke 29.01.2026, 10:50
Vor 450 Jahren als Adelshof gebaut, residiert heute in den  edlen Räumen vom Bunten Hof (auch) die Osterwiecker Stadtbibliothek. 9.500 Bücher und andere Medien stehen hier zum Entleihen bereit.
Vor 450 Jahren als Adelshof gebaut, residiert heute in den edlen Räumen vom Bunten Hof (auch) die Osterwiecker Stadtbibliothek. 9.500 Bücher und andere Medien stehen hier zum Entleihen bereit. Foto: Mario Heinicke

Osterwieck. - Die Schließung der in Quedlinburg ansässigen Kreisbibliothek zum vergangenen Jahreswechsel hat Auswirkungen auch auf die Stadtbibliothek im Osterwiecker Bunten Hof.

„Wir bekommen ab diesem Jahr keine Austauschbestände mehr“, sagte Leiterin Kathrin Mannewitz. Bisher hatte die Kreisbibliothek zum Nulltarif übers Jahr etwa 800 aktuelle Hörbücher und Filme auf DVD – alle Vierteljahr ausgetauscht – nach Osterwieck verliehen, die wiederum die hiesigen Kinder und Erwachsenen entleihen durften. „Das war ein tolles Angebot“, so Mannewitz. Doch das ist nun weggefallen.

Außerdem organisierte die Kreisbibliothek Fördermittel für die Stadtbücherei. Die in den letzten Jahren 1.400 Euro aus dem Stadthaushalt für Bücher konnten dadurch immer verdoppelt werden. Mit ihrem bescheidenen Budget wäre die Stadtbibliothek beim Land nicht antragsberechtigt gewesen. Unter den neuen Bedingungen hofft Kathrin Mannewitz, dass das Land für dieses Jahr dennoch eine Förderung bewilligt. Denn Bücher sind teuer geworden. Von ihren 2.800 Euro konnte die Stadtbibliothek voriges Jahr 220 Bücher kaufen, hinzu kamen Test-Zeitschriften im Abo.

Seit 2017 befindet sich die Stadtbibliothek im Bunten Hof und damit in einem historischen Adelssitz. In den edlen Räumen waren sogar schon Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Politiker-Legende Gregor Gysi (Die Linke) zu Gast gewesen. 2017 war auch das Jahr, in dem der Stadtrat aus Spargründen der seit einem Jahrhundert bestehenden Bücherei die Arbeitsstelle auf die Hälfte kürzte. Heute stehen wöchentlich gar nur noch zehn Stunden zur Verfügung, das Gros ihrer Arbeitszeit leistet Kathrin Mannewitz im Bürgerbüro des Rathauses. Zwei ehrenamtliche Frauen unterstützen die Bibliothek, so dass das ganze Jahr über Öffnungszeiten montags von 13 bis 18 Uhr und freitags von 13 bis 16 Uhr abgesichert werden können.

9.500 Bücher und andere Medien hat die Bibliothek im Bestand. Mehr geht aus Platz- und statischen Gründen im Fachwerkbau nicht. Mit ihrem Buchbestand ist die Osterwiecker Einrichtung aktuell. Wenn etwa die Thriller von Andreas Winkelmann, Lee Child, Martin Suter oder Sebastian Fitzek ganz oben in der Lesergunst stehen, dann sind es wirklich deren neueste Werke. Was die Kinder gern konsumieren, erfährt Kathrin Mannewitz auch bei den Lesewettbewerben der Grundschulen, wo sie dabei ist. „Darauf stimme ich die Bestellung für die Kinderabteilung ab.“ Die Olchis, Liliane Susewind oder die Hexe Lilli sind seit Kindergenerationen Renner. Jünger ist das Angebot, Tonie-Figuren samt Box auszuleihen.

Voriges Jahr beteiligte sich die Osterwiecker Einrichtung an der ersten bundesweiten Nacht der Bibliotheken. Für die Kinder wurde eine Buchillustratorin eingeladen, für die Erwachsenen Volksstimme-Reporter Bernd Kaufholz. Beide Veranstaltungen waren ausgebucht, ein voller Erfolg also.

Dennoch könnte die Stadtbibliothek mehr aktiver Nutzer gebrauchen. 283 waren es im vergangenen Jahr, darunter 50 Erwachsene. Nur letztere zahlen eine Jahresgebühr von 15 Euro. „Die Jahresgebühr liegt weit unter dem aktuellen Buchpreis für Neuerscheinungen“, ordnet Kathrin Mannewitz den Betrag ein.

Allerdings: Die Einführung der Gebühr vor zwölf Jahren hatte zu einem massiven Einbruch der Leserschaft geführt, wovon sich die Bücherei danach nicht wieder erholen konnte.