Hintergründe und Fakten

Harzring

Netzbetreiber Avacon plant den Ausbau der 110-Kv-Leitung im Abschnitt von Wasserleben bis Harsleben

Der erste Abschnitt Wasserleben-Dingelstedt ist 24 Kilometer lang und soll als Freileitung entstehen. Begründet wird diese Entscheidung mit dem Kostenfaktor, laut Energiewirtschaftsgesetz dürfen die Kosten für ein Erdkabel das 2,75 fache einer Freileitung nicht übersteigen. Laut Avacon beträgt dieser Faktor jedoch 3,1.

Die Bürgerinitiative „Freie Sicht auf Huy und Bruch“ zweifelt diesen Faktor an und verlangt Offenlegung der Berechnung.

Petitionsausschuss

-ist ein Gremium des Landes Sachsen-Anhalt und steht jedem Bürger offen, der sich über Gesetze oder Behördenentscheidungen beschweren möchte und Aufklärung verlangt.

Die Petition gegen die Freileitung wendet sich gegen das Landesverwaltungsamt, das am Ende über den Antrag der Avacon entscheidet und fordert, dass dem Willen der Bevölkerung und des Gemeinderates gefolgt wird. Der Petitionsausschuss wäre in der Lage, über die Landesregierung die Entscheidung des Landesverwaltungsamtes zu prüfen und zu bewerten.

Dingelstedt l Vollstes Verständnis für das Anliegen der Bürgerinitiative „Freie Sicht auf Huy und Bruch“ zeigt Wolfgang Aldag vom Landtag bei seinem Besuch auf dem Flugplatz Dingelstedt. Der Grünen-Politiker und Andreas Steppuhn (SPD) haben sich vor Ort über das Thema Freileitung ein Bild machen wollen.

Diese Bürgerinitiative hatte sich im Mai gegründet, kurz nachdem Netzbetreiber Avacon angekündigt hatte, den geplanten Harzring als Freileitung bauen zu wollen. Dirk Spangenberg, der Vorsitzende des Dingelstedter Luftsportvereins, fasst das bisherige Geschehen zusammen und betont, dass diese Freileitung in unmittelbarer Nähe des Flugplatzes möglicherweise sogar das Aus des Luftsports in Dingelstedt bedeuten würde, er sich aber in erster Linie als betroffener Bürger gegen eine solche Freileitung wehren möchte.

Notwendigkeit der Trasse

Die Frage des Grünen-Politikers Wolfgang Aldag, ob diese 110 KV-Trasse wirklich nötig sei, wird von allen Anwesenden eindeutig bejaht. Viel zu viele Stromausfälle seien zu beklagen. Weil es jedoch die Alternative zur Freileitung gibt, diesen Harzring als Erdkabel zu verlegen, fordern die Bürger diese Variante. Auch die Landwirte und Landeigentümer haben sich eindeutig gegen eine Freileitung ausgesprochen und unterstützen die Bürgerinitiative.

Eine gute Chance sehen die Politiker Aldag und Steppuhn vor allem darin, dass die gesamte Region zusammenhält und stets mit einer Sprache spricht. Maik Berger ist Sprecher der Bürgerinitiative „Freie Sicht auf Huy und Bruch“ und hatte sich bereits im September 2018 an den Petitionsausschuss des Landes Sachsen Anhalt gewandt und auf den Widerstand in der Bevölkerung gegen eine Freileitung hingewiesen.

Avavon unentschieden

Weil zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung der Avacon noch nicht feststand, ist diese Petition zwar mittlerweile geschlossen, laut Wolfgang Aldag, selbst Mitglied im Ausschuss, besteht jedoch die Möglichkeit, diese Petition auch wieder zu öffnen. „Damals gab es einen anderen Status“, erklärt er und verspricht, diese Frage umgehend mit der Vorsitzenden des Petitionsausschusses, Christina Buchheim, zu klären.

„Der Petitionsausschuss des Landtages befindet sich im September ohnehin in der Gemeinde Huy, es wäre also sinnvoll, diesen Besuch mit einem Vor-Ort-Terminzum Thema Freileitung zu ergänzen“, schlägt Andreas Steppuhn vor. Diese Idee findet große Zustimmung. „Allein die Einschaltung des Ausschusses und die Einbeziehung der Landesregierung kann ein wichtiges Signal in Richtung Avacon und Landesverwaltungsamt sein“, ist Maik Berger überzeugt.

Zweifel an Avacon

„Wir zweifeln grundsätzlich den von der Avacon präsentierten Faktor an, um den das Erdkabel teurer sein soll“, erklärt Thomas Steckhan von der Bürgerinitiative. Er hoffe sehr, dass der für die nächste Woche geplante Termin mit der Avacon, bei dem Bürgermeister und Gemeinderäte Einsicht in die Berechnung der Avacon erhalten sollen, mehr Klarheit bringt. Fraglich sei, welche Trassen überhaupt miteinander verglichen worden sind, ob eine Teilverkabelung oder generell neuere und weniger aufwendigere Verfahren zum Verlegen von Erdkabeln (Pflügen und Spülen) überhaupt ernsthaft in Betracht gekommen sind.