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Krimi, Witz und Fettnäpfchen Wilsberg-Kommissar Overbeck live in Flechtingen: Und plötzlich klingelt ein Handy im Saal

Schwarzer Humor, schräge Figuren und überraschende Wendungen: Der TV-Kommissar begeistert das Publikum mit seinen lebendig gespielten Kurzkrimis. Warum er als echter Wiederholungstäter bald wieder in den Kurort zurückkehrt.

Von Ulrich Ueckert und Anett Roisch 27.02.2026, 06:15
Dem Genre blieb Overbeck treu: Es wurde gemordet, gelogen, betrogen – allerdings stets mit einem Augenzwinkern. Wo Overbeck im Fernsehen regelmäßig in soziale Abgründe stolpert, führte Roland Jankowsky in Flechtingen souverän durch literarische Abgründe. Keine Fettnäpfchen, nur mysteriöse Leichen.
Dem Genre blieb Overbeck treu: Es wurde gemordet, gelogen, betrogen – allerdings stets mit einem Augenzwinkern. Wo Overbeck im Fernsehen regelmäßig in soziale Abgründe stolpert, führte Roland Jankowsky in Flechtingen souverän durch literarische Abgründe. Keine Fettnäpfchen, nur mysteriöse Leichen. Foto: Maik Wellmann

Flechtingen - Wenn er die Sonnenbrille aufsetzt, will er besonders cool wirken – und landet garantiert im nächsten Fettnäpfchen. Seit 25 Jahren stolpert sich Roland Jankowsky als schräger Kommissar Overbeck durch die ZDF-Krimireihe Wilsberg. Doch im Kurort Flechtingen ging es diesmal nicht um missglückte Ermittlungen.

Nein, der kultige Fettnäpfchen-Jäger kam ohne Dienstmarke, dafür mit kriminellen Kurzgeschichten im Gepäck.

Roland Jankowsky live in Flechtingen

Und so verwandelte sich der Kurort in eine Bühne für schräge Morde und schwarzen Humor. Dabei spielte Jankowsky nicht einfach nur den Vorleser. „Lesung“ ist eigentlich das falsche Wort. Er schlüpfte in seine Figuren, als hätte er nie etwas anderes getan.

Die Chefin des Kurhauses, Sarah Pieper, begrüßt Kommissar Overbeck (Roland Jankowsky).
Die Chefin des Kurhauses, Sarah Pieper, begrüßt Kommissar Overbeck (Roland Jankowsky).
Foto: Maik Wellmann

Die erste Geschichte führte in die pikante Welt eines Ehemanns, der sich angeblich vernachlässigt fühlte und ein Treffen mit Domina Vulva arrangierte – nur um zu erkennen, dass er Teil eines raffinierten Racheplans seiner eigenen Frau war.

In der nächsten Geschichte wurde es familiär – und mörderisch. Eine Familie beschloss, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, um auf dem Campingplatz endlich den besseren Stellplatz zu ergattern. Mit wachsender krimineller Energie beseitigte sie nach und nach sämtliche Hindernisse – sprich: andere Camper. Jankowsky zelebrierte das spießige Idyll, das sich Stück für Stück in rabenschwarze Satire verwandelte.

Geschichte Nummer drei begann klassisch: Ein Einbrecher steigt ein, das Opfer wird kurzerhand erschossen. Dann entdeckte der Täter eine köstlich duftende Mahlzeit, die noch auf dem Tisch stand – und konnte nicht widerstehen. Dass genau diese Mahlzeit vergiftet war, verlieh der Szene eine herrlich makabre Pointe.

Schwarzer Humor und schräge Figuren

Den Abschluss bildete ein Messi, dessen über Jahre angehäuftes Gerümpel schließlich zur tödlichen Gefahr wurde – für die eigene Ehefrau. Auch hier bewies Jankowsky sein Talent, selbst aus absurden Konstellationen lebendige Figuren zu formen.

Das Publikum dankte es mit begeistertem Applaus. Und offenbar fühlte sich der Schauspieler im Kurort ausgesprochen wohl. Er könne sich gut vorstellen, hier einmal ein paar Tage zur Erholung zu verbringen, ließ er augenzwinkernd wissen – beste Voraussetzungen also für eine Fortsetzung.

Lesung in Flechtingen: Overbeck zum Wiederholen

Richtig turbulent wurde es, als trotz vorheriger Bitte ein Handy klingelte. Spontan verkündete Jankowsky: Das nächste Klingeln bedeute eine Saalrunde. Fünf Minuten später war es so weit. „Saalrunde!“, schallte es lachend durch den Raum. Bei einem weiteren Klingeln sollte es sogar Schnittchen geben – doch zum Glück blieb es bei zwei Tönen. Die beiden „Übeltäter“ nahmen es gelassen und teilten sich die Zeche.

Vielleicht hat Flechtingen an diesem Abend eines gelernt: Bei Overbeck darf man lachen und staunen – sollte aber besser vorher das Handy ausschalten.