Wenze/Quarnebeck l Immer häufiger sind auf Wiesen um Kusey, Quarnebeck und Wenze Plastikteilchen zu finden, die dort nicht hingehören. Sie werden von Nutztieren beim Fressen aufgenommen. Die Folgen sind wegen noch nicht erfolgter Forschung kaum absehbar.

Laut Kreisverwaltung ist das Problem dort seit Mitte August 2018 bekannt. „Dabei handelt es sich um Plastikteilchen von Resten der Lebensmittelverpackungen“, informiert Kreissprecherin Amanda Hasenfusz. „Vermutet wird, dass Vögel die Plastikteilchen zusammen mit ihrer Nahrung aufnehmen und später als Gewölle wieder ausspeien.“

Als Quelle würden Bereiche in Frage kommen, „in denen nahrungshaltige Verpackungsreste in für Vögel zugänglicher Weise gelagert werden“, erläutert Hasenfusz. Neben dem privaten Bereich, zum Beispiel durch die Lagerung von gelben Säcken, zählt sie hauptsächlich Anlagen zur Behandlung von nahrungshaltigen Abfällen dazu.

Bioraffinerie setzt Auflagen um

„In diesem Zusammenhang wurde die Bioraffinerie in Kusey kontrolliert“, berichtet Amanda Hasenfusz. „Der Betreiber wurde für die Problematik sensibilisiert und zur vogelsicheren Lagerung der Eingangsstoffe aufgefordert.“ Dieser Aufforderung sei der Betreiber umgehend nachgekommen. Ob diese Plastikteilchen gesundheitsschädliche Auswirkungen haben, kann die Sprecherin nicht mit Bestimmtheit sagen. Nur so viel: „Sofern es sich um Reste von Lebensmittelverpackungen handelt, kann davon ausgegangen werden, dass keine Gefahren für die menschliche Gesundheit bestehen.“ Und die tierische Gesundheit? Schließlich nehmen Nutztiere wie Kühe auf den Wiesen das Plastik mit der Nahrung auf.

Gespräche mit betroffenen Landwirten hat es nicht gegeben. „Eine Beratung oder Empfehlung zu dem Thema sollte zuständigkeitshalber durch das Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung (ALFF) erfolgen.“ Also weiter so?

Für den Quarnebecker Jens Fäsche ist der Plastikmüll in der Natur nur ein Fall von vielen. „Wir dürfen nicht nur über Plastik und Mikroteilchen in den Ozeanen diskutieren, wenn wir vor der eigenen Tür schweinigeln. Das Umweltbewusstsein muss an der Haustür anfangen“, fordert er im Volksstimme-Gespräch und nennt weitere Beispiele: „Autofahrer werfen immer wieder ihren Müll in die Straßengräben, weil sie wissen, die Straßenmeisterei sammelt das ja zwei Mal im Jahr auf.“ Zudem gebe es Aktionen wie den Umwelttag bei der Feuerwehr Trippigleben, um den Müll im Wald und an den Straßen einzusammeln. Die Kinder- und Jugendfeuerwehr Jahrstedt/Steimke startet ebenfalls seit vier Jahren solche Umwelttage.

Bereits vor rund zwei Jahren hätte sich in Gülle, die hinter dem alten Park in Kusey ausgebracht worden sei, Plastik befunden. Alles sei untergepflügt worden und das war‘s, sagen Landwirte. Im Normalfall würden die von großen Herstellern angelieferten Lebensmittelreste samt Verpackungen geschreddert und gesiebt, damit kein Plastik mit der Gülle auf die Felder gelangt. Damals habe das nicht funktioniert. Nicht wenige Landwirte vermuten, dass in dem Gehäckselten mindestens Mikroplastikteilchen enthalten sind. Aber: „Wie ist der Mikrobereich definiert? Was ist zulässig? Wer kontrolliert das?“, fragen sie.

In Klötze-Nord wird seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit illegal Müll abgeladen. Mal waren es Kühlschränke, aktuell sind es Autoreifen. Ein Anonymus schickt genauso regelmäßig Fotos. Doch warum anonym? Wovor hat er Angst?

„Wir müssen unsere Ressourcen schützen“, ist für Jens Fäsche klar. „Der Mikromüll ist bisher kaum erforscht. Keiner kann sagen, was in 30 oder 40 Jahren daraus geworden ist, was wir unseren Enkeln damit hinterlassen.“ Umweltschutz und Nachhaltigkeit laute deshalb die Devise.

Vorhandenes nachhaltig nutzen

Jens Fäsches Überlegung dazu: „Wir müssen das Vorhandene nutzen, ohne dabei die Zukunftstauglichkeit und Nachhaltigkeit zu verpassen. Dafür sollten wir auch vor Ort Synergien aus Projekten anderer ziehen.“ Als Beispiel führt der Quarnebecker die IP Gärten im Internet an. Das Prinzip des Angebots: Jeder kann eine 16 Quadratmeter große Parzelle buchen und das Ganze per Handy/Computer wie bei einem Spiel mit digitalem Gemüse bepflanzen.

Reale Bauern auf einem Biobauernhof bringen nach diesen Vorgaben die Pflanzen in die Erde. Über eine Kamera und Sensoren können Daten abgerufen und die Beete beobachtet werden. In der Erntezeit erhält der virtuelle Gartenbauer pro Woche eine Erntekiste mit seinem Obst und Gemüse. Ähnliches gibt es für die Zucht von Rindern und Schweinen.

„Das finde ich toll“, schwärmt Jens Fäsche. Er schlägt einen Appell an das Umweltbewusstsein der Menschen vor: „Wer illegalen Müll in der Natur sieht, sollte das Ordnungsamt informieren.“ Am besten mit Verursacher.