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VerkehrsstudieMit Video: Überraschende Ergebnisse - ADAC nimmt in Magdeburg Rotlichtsünder ins Visier

Der Verkehrsclub ADAC hat in Magdeburg eine Studie zu Rotlichtverstößen durchgeführt. Die Ergebnisse sind überraschend. Mehr dazu auch im Video.

Von Ivar Lüthe Aktualisiert: 05.12.2023, 20:53
Just zur Vorstellung der ADAC-Studie über Rotlichtverstöße in Magdeburg und zum Fototermin mit dem verkehrspolitischen Referenten des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, Nils Horschick, überfährt ein Auto bei Rot die Kreuzung Breiter Weg/Danzstraße.
Just zur Vorstellung der ADAC-Studie über Rotlichtverstöße in Magdeburg und zum Fototermin mit dem verkehrspolitischen Referenten des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, Nils Horschick, überfährt ein Auto bei Rot die Kreuzung Breiter Weg/Danzstraße. Foto: Ivar Lüthe

Magdeburg - Etliche Verkehrsteilnehmer in Magdeburg nehmen es mit roten Ampeln nicht so genau. Das ist das Ergebnis einer Studie des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, die am Dienstag (5. Dezember 2023) vorgestellt wurde. Das sind die überraschenden Ergebnisse.

Der Regionalclub hat in vier Städten in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen jeweils vier Kreuzungen unter die Lupe genommen. Neben Magdeburg waren auch Halle, Braunschweig und Hannover Teil der Rotlichtsünder-Studie.

 
Der Verkehrsclub ADAC hat in Magdeburg eine Studie zu Rotlichtverstößen durchgeführt. (Bericht/Kamera: Ivar Lüthe, Schnitt/Sprecher: Christian Kadlubietz)

Der ADAC wollte mit der Studie untersuchen: Wer fährt warum bei Rot? Und gibt es Auffälligkeiten, welche Kreuzungsgestaltung Verkehrsteilnehmer dazu motiviert, einen Rotlichtverstoß zu begehen? In den Blick wurden alle Arten von Verkehrsteilnehmern genommen – vom Autofahrer bis zum Fußgänger.

Konkret wurden in der Studie für Magdeburg 191 Rotlichtverstöße innerhalb von drei Stunden erfasst – die meisten davon von Radfahrern begangen.

Lesen Sie auch: Ampel auf Rot und geblitzt: In diesen Fällen wird keine Strafe fällig

ADAC-Studie für Magdeburg: Die beobachteten Kreuzungen

An einem Werktag im Juni dieses Jahres wurden über einen Zeitraum von drei Stunden im morgendlichen Berufsverkehr per Videotechnik und Beobachtungen vier Kreuzungen unter die Lupe genommen: Albert-Vater-Straße/Robert-Koch-Straße, Breiter Weg/Danzstraße, Halberstädter Straße/Carl-Miller-Straße und Leipziger Chaussee/Salbker Straße.

Die Kreuzungen waren für die Studie ausgesucht worden, weil es hier einen Mix an verschiedenen Verkehrsteilnehmern gibt und die Kreuzungen möglichst gut miteinander zu vergleichen waren, erläuterte Nils Horschick, verkehrspolitischer Referent des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, bei der Vorstellung der Studie am Dienstag in Magdeburg.

Die Ergebnisse der ADAC-Studie in Magdeburg

Beobachtet wurden in dieser Zeit jeweils in Fahrtrichtung Innenstadt insgesamt 5.384 Verkehrsteilnehmer – darunter 3.698 Kraftfahrzeugführer, 1.140 Radfahrer, 20 Scooterfahrer sowie 526 Fußgänger. Die 191 Rotlichtverstöße verteilen sich wie folgt auf die verschiedenen Verkehrsmittel: 

  • 91 Radfahrer (8,5 Prozent der Radfahrer)
  • 53 Kfz-Führer (1,4 Prozent der Kfz-Fahrer)
  • 38 Fußgänger (7,2 Prozent der Fußgänger)
  • 2 Scooterfahrer (10 Prozent der Scooterfahrer)

Gesondert betrachtet werden müsse laut ADAC die Rotlichtverstöße der Radfahrer. Denn streng genommen kämen noch 47 Haltelinienverstöße hinzu. An der Kreuzung Albert-Vater-Straße/Robert-Koch-Straße haben viele Radfahrer die 17,5 Meter vorgezogene Haltelinie überfahren und weiter vorn an der Ampel auf das grüne Fußgängersymbol gewartet.

Theoretisch zähle das schon als Rotlichtverstoß, werde aber in der Regel nicht geahndet, heißt es vom ADAC. Deshalb wurden diese Verstöße nicht in die Gesamtzahl integriert.

Mehr zum Thema: Polizeiinspektion Magdeburg zählt mehr Verstöße an roten Ampeln

Bei den meisten Rotlichtverstößen (82 Mal) wurde das Rotsignal übrigens bereits länger als eine Sekunde angezeigt. Das hätte bedeutet, dass es ein höheres Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und auf jeden Fall ein Fahrverbot von einem Monat gegeben hätte.

Wären alle Verstöße geahndet worden, hätten sich die Bußgelder auf 30.060 Euro summiert und die Verkehrsteilnehmer hätten 308 Punkte in Flensburg kassiert. Und dabei wären die Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit noch gar nicht berücksichtigt, heißt es vom ADAC.

Das Kreuzungs-Ranking der Studie in Magdeburg

Die auffälligste Kreuzung in Magdeburg war der Breite Weg/Danzstraße mit 78 Rotlichtverstößen. Begangen wurden sie vor allem zwischen 7 und 7.45 Uhr sowie 8 und 8.30 Uhr. Eine weitere Häufung gab es zwischen 9.45 und 10 Uhr.

Unter den 387 Radfahrern waren es 50 Verstöße, unter den 188 Fußgängern 17 und unter den 352 Kfz-Fahrern 9. Außerdem fuhren zwei Scooterfahrer über Rot.

Bemerkenswert laut ADAC war an dieser Kreuzung, dass mehr Radfahrer als Kfz-Fahrer in der Erhebungszeit unterwegs waren. Entsprechend hoch sei auch ihr Anteil an den Rotlichtverstößen. An den übrigen Kreuzungen gab es jeweils deutlich mehr Kraftfahrzeuge als Fahrräder.

Danach folgen die Kreuzungen Albert-Vater-Straße/Robert-Koch-Straße (58 Rotlichtverstöße), Leipziger Chaussee/Salbker Straße (37) und Halberstädter Straße/Carl-Miller-Straße (18). 

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Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie in Magdeburg

Die ADAC-Verkehrsexperten haben in der Studie beobachten können, dass Verkehrsteilnehmer, die auf einer Hauptverkehrsstraße unterwegs waren und eine untergeordnete Straße kreuzten, eher zu Rotlichtverstößen neigten als andersherum. Je besser eine zu kreuzende Straße einsehbar ist, desto weniger regelkonform ist das Verhalten.

Kfz-Fahrer begehen weniger Rotlichtverstöße als Radfahrer oder Fußgänger. Allerdings ist bei Autofahrern das Gefährdungspotenzial am höchsten.

Radfahrer neigen an Kreuzungen mit separater Ampel für den Radverkehr zu weniger Rotlichtverstößen.

Und: Je kürzer die Wartezeit an Ampeln, desto unwahrscheinlicher wird ein Rotlichtverstoß aller Verkehrsteilnehmer.

Die Forderungen des ADAC

Dort, wo es geht, sollten separate Ampeln für Radfahrer aufgestellt werden. Außerdem sollte die Haltelinie für den Radverkehr leicht versetzt werden, so dass wartende Kraftfahrzeuge die Radfahrer im Blick behalten können.

Radfahrer sollten zudem mindestens zwei Sekunden vor dem Kfz-Verkehr eine grüne Ampel bekommen. Auch grüne Pfeile für rechtsabbiegende Radfahrer könnte je nach örtlicher Gegebenheit die Situation an Kreuzungen entspannen, ohne dass die Verkehrssicherheit beeinträchtigt ist. Und: Konsequente Beobachtung von Kreuzungen und das Ahnden von Verstößen.

Die Stadtverwaltung hat die Studie unterstützt und begrüßt, wie es am Dienstag hieß. Die Ergebnisse und die Empfehlungen des Clubs würden in die weiteren Betrachtungen und Planungen einbezogen, sagte Tim Schneider, Sachgebietsleiter generelle Verkehrsplanung der Landeshauptstadt.

Übrigens: Im Vergleich zu den anderen drei Städten, deren Ergebnisse noch veröffentlicht werden, liege Magdeburg laut ADAC im Mittelfeld der Rotlichtverstöße – allerdings über den Zahlen von Halle.