Magdeburg l Ziemlich genau in diesen Tagen und Wochen sollte am Werder in Magdeburg der erste Spatenstich zum Bau der neuen Elbbrücke gesetzt werden. Daraus wird auf unbestimmte Zeit nichts. Der Bieterkrieg um den millionenschweren Auftrag zum Brückenbau geht in die nächste Runde – vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf.

„Wir haben in der Tat gegen die Entscheidung der Vergabekammer Rechtsmittel eingelegt und entsprechend beim zuständigen Oberlandesgericht Düsseldorf eine sogenannte ,Sofortige Beschwerde‘ eingereicht“, erklärte Strabag-Konzernsprecherin Sabine Appel am 22. Mai 2018 auf Volksstimme-Nachfrage. Oberbürgermeister Lutz Trümper bestätigte die Information: „Die haben uns das Stunden vor Ablauf der Widerspruchsfrist am Donnerstag vor Pfingsten mitgeteilt. Das ist ganz großer Mist.“

Im Ernstfall neue Ausschreibung nötig

Mit einer Entscheidung vor Gericht ist nach Trümpers Informationen frühestens im August/September zu rechnen. Allerdings läuft bereits im Juni die im Einvernehmen mit den Bietern ausgehandelte Nachfrist ab, während der die Firmen an ihren bereits vor weit über einem halben Jahr abgegebenen Geboten festhalten wollen. Im äußersten Fall muss die Stadt Magdeburg die Ausschreibung zum Brückenbau komplett neu aufrollen – bei weiterem Zeitverzug und Risiko weiterer Teuerung schon vor dem ersten Spatenstich.

Die Bietergemeinschaft Strabag/Züblin hatte bereits im Dezember 2017 mit dem preiswertesten Gebot (85,9 Millionen Euro) das Rennen im Vergabeverfahren um die Bauleistungen gemacht. Der Stadtrat Magdeburg erteilte ihr den Zuschlag. Der Baukonzern Hochtief zog gegen diese Entscheidung vor die Vergabekammer Bonn und forderte eine Nachprüfung des Vergabeverfahrens.

Die Bonner akzeptierten den Einwand von Hochtief, von der konkurrierenden Bietergemeinschaft seien nicht alle nötigen Referenzen für am Brückenbau beteiligte Teilfirmen eingeholt worden. Die Stadt Magdeburg wähnte sich mit konzernweiten Referenzen auf der sicheren Seite und lag damit daneben.

Magdeburger Brücke als Beispiel

Die Bonner Vergabekammer sprach Hochtief (Gebot 93 Millionen Euro) als Zweitplatziertem im Bieterverfahren den Auftrag zu. Dagegen wiederum wehrt sich nun Strabag/Züblin. „Die wollen natürlich ihr Gesicht wahren“, nimmt Trümper an, „am Ende bleibt sonst hängen, Strabag/Züblin können keine Brücken bauen.“

Trümper hat insofern Verständnis für den Gang des ersten Vergabesiegers vor Gericht, zumal Vergabekammern in anderen Fällen durchaus Referenzen des Konzerns auch für kleinere Teilfirmen einer Gruppe hätten gelten lassen. Es braucht also ein gerichtliches Urteil und ausgerechnet die Magdeburger Elbbrücke muss dafür als Beispiel herhalten.

Der aktuelle Kosten- (107 Millionen Euro) und Zeitrahmen (Fertigstellung 2021) scheint schon heute Makulatur.