16. und 17. Januar 2026 Das bietet Magdeburg zu „Eine Stadt für alle“ am dritten Januar-Wochenende
Für Toleranz und gegen Gewalt werben Organisationen und Einrichtungen anlässlich des Jahrestags der Zerstörung weiter Teile der Magdeburger Innenstadt vor 81 Jahren.

Magdeburg. - Große Teile der Magdeburger Innenstadt wurden am 16. Januar 1945 bei einem alliierten Luftangriff zerstört. Vor diesem Hintergrund haben Organisationen und Vereine, Gruppen und Einrichtungen, die sich für ein weltoffenes, tolerantes und demokratisches Magdeburg einsetzen, wieder eine Aktionswoche „Eine Stadt für alle“ vorbereitet. Hier ein Überblick über Veranstaltungen am 16. und 17. Januar 2026.
„Eine Stadt für alle“ in Magdeburg am Freitag, 16. Januar 2026
Kranzniederlegung: Das zentrale Gedenken der Landeshauptstadt Magdeburg beginnt um 10.30 Uhr auf dem Westfriedhof mit einem Schweigemarsch von der Kapelle zur Gedenkstätte für die Opfer des Luftangriffes vom 16. Januar 1945. Anschließend an die Kranzniederlegung vor Ort werden Oberbürgermeisterin Simone Borris, der Landesverbandsvorsitzende des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Rüdiger Erben, der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises, Stephan Hoenen, und der Kathedralpfarrer von St. Sebastian, Daniel Rudloff, Worte zum Gedenken der Opfer von Krieg und Gewalt sprechen.
Friedenslieder auf dem Alten Markt: Von 18 bis 19 Uhr lädt die Stadt Magdeburg zum gemeinsamen Singen von Friedensliedern auf den Alten Markt ein und eröffnet damit unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Simone Borris die Aktionswoche „Eine Stadt für alle“. Chöre, Musikerinnen und Musiker sowie Dombläser gestalten ein offenes Mitsing-Programm mit traditionellen und modernen Liedern; Programmhefte und Kerzen liegen bereit. Die Aktion versteht sich als sichtbares Zeichen für Demokratie, Toleranz und ein solidarisches Stadtleben. Bereits um 17.30 Uhr wird im Rathaus von der Initiative Seebrücke ein offener Brief übergeben, der sich gegen rassistische Tendenzen in Magdeburg richtet.
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Gedenkkonzert im Kloster Unser Lieben Frauen: Um 20.30 Uhr findet im Kunstmuseum Magdeburg, Kloster Unser Lieben Frauen (Regierungsstraße 4–6), ein Gedenkkonzert zur Erinnerung an die Bombennacht 1945 statt. Das Ensemble Megaphon gestaltet ein „Friedenswandelkonzert“ mit Barockwerken, zeitgenössischen Kompositionen und Improvisationen; ab 20 Uhr kann sich das Publikum für den gemeinsamen Schlusschoral „Dona nobis pacem“ einsingen. Musik, Licht und wechselnde Spielorte verwandeln den Kirchenraum in eine kontemplative Klanglandschaft des Gedenkens.
„Die Trauernde Magdeburg“ in der Johanniskirche: Unter dem Titel „Die Trauernde Magdeburg“ bietet Nadja Gröschner um 17 Uhr und um 20 Uhr zwei Rundgänge mit szenischer Lesung an, Treffpunkt ist die Westhalle der Johanniskirche. Nach einem kurzen Spaziergang und Einführungen zur Wappenfigur schließt sich ein poetischer Bühnenmoment in der Kirche an, in dem Schauspielerin Ines Lacroix die Symbolfigur in einem tableau vivant verkörpert.
„39 Minuten – Ein Gedenkabend“ im Forum Gestaltung: Das Forum Gestaltung in der Brandenburger Straße 9/10 erinnert um 20 Uhr mit „39 Minuten – Ein Gedenkabend“ an den 81. Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs. Künstlerinnen und Künstler gestalten Texte, Musik und Performance, die historische Fakten, persönliche Erinnerungen und Gegenwartsbezüge reflektieren. Das Publikum versammelt sich im Anschluss im Innenhof, um gemeinsam dem Glockengeläut der Magdeburger Kirchen zu gedenken.
„Autoritäre Rebellion“ in der Stadtbibliothek: Der Journalist und Rechtsextremismus-Experte Andreas Speit stellt um 19.30 Uhr sein aktuelles Buch „Autoritäre Rebellion“ in der Stadtbibliothek Magdeburg (Breiter Weg 109) vor. Im Mittelpunkt stehen persönliche Beobachtungen und Analysen zur gesellschaftlichen Radikalisierung, antimodernen Haltungen und dem Rechtsruck in Alltagsmilieus. Der Abend bietet Einblicke in gesellschaftliche Ursachen, Entwicklungen und Folgen demokratiefeindlicher Einstellungen.
Science Cinema zu Antisemitismus an der Universität: Die Otto-von-Guericke-Universität lädt von 15.30 bis 20.30 Uhr in Hörsaal 6, Gebäude 44, Campus Zschokkestraße zu einem Science Cinema über antisemitische Stereotype in populären Medien ein. Nach einführenden Fachbeiträgen unter anderem von Dr. Michael Reichelt folgt die Vorführung von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“; anschließend wird gemeinsam diskutiert, wie antisemitische Motive historisch einzuordnen und pädagogisch zu bearbeiten sind.
Ökumene: Tagsüber bis in den Abend findet vor dem Dom eine Mahnwache statt. Im Dom beginnt um 21 Uhr eine Ökumenische Abendandacht mit Domprediger Jörg Uhle-Wettler und Kathedralpfarrer Daniel Rudloff.
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„Eine Stadt für alle“ in Magdeburg am Samstag, 17. Januar 2026
Mahnwachen, Kundgebungen, Rundgänge: Im Rahmen der Aktionswoche „Eine Stadt für alle“ finden am 17. Januar zahlreiche Mahnwachen in Magdeburg statt. Initiativen, Vereine und Bürgergruppen setzen ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung und werben für Demokratie, Solidarität und Toleranz.
Die Kundgebung vom Bündnis Solidarisches Magdeburg beginnt um 11 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz. Eine Bauzaungalerie der Initiative Weltoffenes Magdeburg findet von 11 bis 19 Uhr auf dem Alten Markt statt. „Solidarisch gegen Rechtsextremismus“ ist der „Aktivisti Auffangspace“ von 11 bis 18 Uhr am Hasselbachplatz überschrieben. "Wähl Liebe" ist die Auftaktkampagne des CSD Sachsen-Anhalt von 17 bis 19 Uhr an der Kreuzung Ernst-Reuter-Allee / Breiter Weg überschrieben. Der Interreligiöse Stationenweg startet um 14.30 Uhr an der St. Petri Kirche, Neustädter Straße 4.
Von 10 bis 18 Uhr ist eine Mahnwache mit dem Titel „Extremismus und Terrorismus – mit christlichem Glauben unvereinbar“ der Evangelischen Domgemeinde am Dom geplant. Die Mahnwache der ver.di Jugend Sachsen-Anhalt Nord findet von 11 bis 20 Uhr am Neustädter Bahnhof statt. Unter dem Titel „Eine Stadt für alle – Grundeinkommen für alle“ ist eine weitere Mahnwache von 11 bis 14 Uhr auf dem Friedensplatz angekündigt. Die Mahnwache für Weltoffenheit, Toleranz und Miteinander des Verkehrsclubs Deutschland VCD steht für 11 bis 18 Uhr im Kalender.
Weitere Mahnwachen beginnen ab der Mittagszeit. So hat die Sekundarschule LebenLernen eine für die Zeit von 12 bis 16 Uhr am Denkmal Polte-Lager in der Liebknechtstraße organisiert. „Nie wieder Faschismus, gegen Geschichtsrevisionismus“ heißt es von 12 bis 18 Uhr am S-Bahn-Haltepunkt Eichenweiler mit der Bürgerinitiative Offene Heide. „Für Frauenrechte und Menschenrechte“ ist die Veranstaltung des politischen Runden Tischs der Frauen und der Geschlechtergerechtigkeit vom 13.30 bis 16.30 Uhr an der Johanniskirche überschrieben.
Von 14 bis 18 Uhr sind die DGB-Gewerkschaften am Gewerkschaftshaus in der Otto-von-Guericke-Straße 6 zur Stelle. In derselben Zeit sind Bündnis 90/Die Grünen am Guericke-Denkmal neben dem Rathaus zu finden. Für 14 bis 17 Uhr ist Volt am Friedensplatz. Bunter Bahnhof Buckau heißt es auf dem Platz an der Porsestraße mit der Gemeinwesenarbeitsgruppe Buckau von 14 bis 18 Uhr. Und von 15 bis 19 Uhr ist die Evangelische Nicolai-Gemeinde auf dem Nicolaiplatz zur Stelle.
Die Gemeinwesenarbeitsgruppe Sudenburg gestaltet am 17. Januar einen demokratischen Aktionstag in Sudenburg, um für Weltoffenheit und Gemeinschaft zu werben. Unter dem Motto „Sudenburg für alle“ ist sowohl am Bahnhof Sudenburg als auch am Ambrosiusplatz von 11 bis 17 Uhr ein buntes Programm geplant. Anwohner*innen und Gäste sind herzlich zu Begegnung und Austausch eingeladen.
Am Ambrosiusplatz gibt es nach einer Andacht um 12.30 Uhr ein Bühnenprogramm, die offene Kirche, Kreativangebote und kulinarische Leckereien. Um 13.00 und um 15.30 Uhr sind Führungen durch Sudenburg geplant.
Am Bahnhof Sudenburg gibt es Kreativangebote und einige Leckereien. Mini-Tischtennisplatte und DJ sorgen für Unterhaltung.
„Flagge zeigen! Warum wir gerade jetzt Schwarz-Rot-Gold brauchen“ – Lesung im Kulturhistorischen Museum: Von 16 bis 18 Uhr lädt der Landesverband Sachsen des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold zur Lesung mit Enrico Brissa in den Schmuckhof des Kulturhistorischen Museums Magdeburg (Otto-von-Guericke-Straße 68–73) ein. Der Jurist, frühere Protokollchef und heutige Bundestagsverwaltungsleiter diskutiert sein Buch über die demokratische Bedeutung der Bundesfarben und plädiert dafür, Schwarz-Rot-Gold als Symbol eines offenen Verfassungspatriotismus zurückzugewinnen und positiv zu besetzen.
Block Party im Hot – Gruppa, Pozor Vlak & Fatun 3.0: Die sechste Block Party startet um 20 Uhr im Hot, Karl-Schmidt-Straße 12, und versteht sich als Solidaritätskonzert der Aktionswoche „Für ein weltoffenes Magdeburg“. Anstelle von Eintritt werden Spenden für Medinetz Magdeburg und Omas gegen Rechts gesammelt. Auf der Bühne stehen drei Bands – Gruppa Karl-Marx-Stadt mit Ska-Elektro-Punk-Sounds, Pozor Vlak mit surfgeprägten Instrumentals plus Punk-Einflüssen und die wiedervereinte Punkband Fatun 3.0.
Nachkriegskarriere des NS-Arztes Kurt Heißmeyer – Vortrag auf dem Alten Markt: Die Initiative Gedenkjahr Magdeburg lädt von 16 bis 17 Uhr zu einem Vortrag mit Lesung auf den Alten Markt ein, der die verdrängte Nachkriegskarriere des NS-Arztes Dr. Kurt Heißmeyer beleuchtet. Thematisiert werden seine Menschenversuche an Kindern im KZ Neuengamme, seine anschließende Tätigkeit als Mediziner in Magdeburg und die späte Aufarbeitung dieser Täterbiografie. Die Veranstaltung begleitet die Wanderausstellung „Die Kinder vom Bullenhuser Damm – Morgen darf nicht gestern sein“ in der Stadtbibliothek im Breiten Weg 109.
Keine Karten gab es zum Redaktionsschluss mehr für das Gedenkkonzert am 16.1. um 20 Uhr im Opernhaus - ein weiterer Termin ist für den 25.1. um 16 Uhr angesetzt - und für die Lesung mit Michel Abdollahi am 18.1. um 11 Uhr im Schauspielhaus.