Magdeburg l Wenn Erkältungszeit und Grippewelle über Magdeburg hereinbrachen, gab es im Angebot von Bus und Straßenbahn in den vergangenen Jahren immer wieder Einschränkungen. Nicht allein Fahrgäste und der Magdeburger Fahrgastverband hatten die Ausdünnung von Fahrplänen und den Ausfall von Fahrten immer wieder kritisiert – auch die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) sind mit dieser Situation nicht zufrieden.

„Neben einer Verstärkung des Fahrpersonals haben wir eine weitere Reihe von Maßnahmen ergriffen, um langanhaltende Einschänkungen zu verringern“, sagt Ulf Kazubke, Abteilungsleiter Personal und Recht bei den MVB. Zum einen setzt das Unternehmen darauf, das Mitarbeiter aus der Verwaltung und der Werkstatt dahingehend qualifiziert, dass sie einspringen können, wenn zu viele Fahrer ausfallen.

Rentner unterstützen Verkehrsbetriebe

Verstärkt setzen die MVB auch auf das Potenzial jener Fahrer, die in Rente gehen. „Wir fragen diese Mitarbeiter gezielt an, ob sie für einige Stunden unser Team weiter verstärken würden. Und eine Reihe der älteren Mitarbeiter nutzt dieses Angebot.“

Daneben soll die Schaffung von Teilzeitarbeitsplätzen ermöglichen, den Puffer für angespannte Zeiten zu erhöhen.

Deeskalation und Wunschpläne

Ein weiterer Aspekt ist der betriebliche Gesundheitsschutz, mit dem die Magdeburger Verkehrsbetriebe den Ausfällen entgegensteuern. 2017 hatte sich das kommunale Verkehrsunternehmen dem Schwerpunktthema Stressbewältigung gewidmet. 2018 geht es um Deeskalation. Ulf Kazubke nennt den Grund für die Auswahl dieses Themas: „Leider macht das gesellschaftliche Problem einer zunehmenden Gewalt auch vor unseren Mitarbeitern nicht halt.“ Auch in Magdeburg wurde ein Busfahrer schon mit einem Messer bedroht.

Mit einem sogenannten Wunschplan möchte das Unternehmen zudem den Bedürfnissen seiner Mitarbeiter gerecht werden: Statt starrer Schichten können Mitarbeiter ihre eigenen Wünsche eintragen, die nach Auskunft des MVB-Personalchefs zu 80  Prozent erfüllt werden können.

Befragung des DGB

Dennoch: Bei der gewerkschaftlichen Befragung des DGB zum „Index gute Arbeit“ hatten die Bereiche Fahrdienst und Verwaltung zuletzt zulegen können, in der Instandhaltung gab es aber eine Verschlechterung. „Das müssen wir auswerten und gegensteuern“, so Ulf Kazubke.

Und: Altersabgänge und Fahrer, die zu anderen Unternehmen wechseln, müssen ersetzt werden. Trotz guter Löhne sei dies immer schwieriger. „Unter anderem die Schichtdienste schrecken viele Menschen leider ab.“ Bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter gehe es zum Beispiel darum, Zuwanderer zu qualifizieren. Ein entsprechendes Programm läuft.

Bei Krankheit kein schneller Ersatz

An einem Punkt allerdings werden die Magdeburger Verkehrsbetriebe bei allen Bemühungen um ausreichend Fahrpersonal wenig ändern können: Bei kurzfristigen Erkrankungen wird es nach wie vor seine Zeit dauern, um die Ausfälle zu ersetzen. „Wenn sich vor Dienstbeginn ein Fahrer krank meldet, dann brauchen wir Zeit, um den Ersatz zu organisieren.“ Auf der anderen Seite können Ausfälle aufgrund von Behinderungen, Havarien oder zugeparkten Strecken kaum durch das kommunale Verkehrsunternehmen ausgeschlossen werden.