Magdeburg l Die Stadt Magdeburg geht von akutem Sauerstoffmangel als Ursache des Fischsterbens im Salbker See I aus. Vertreter des Umweltamtes seien am 12. August 2018 umgehend vor Ort gewesen, um die Lage im See zu begutachten. Nach einer ersten vorsichtigen Einschätzung werde Sauerstoffmangel im Wasser als Ursache angenommen, so Rathaussprecher Michael Reif auf Volksstimme-Nachfrage.

Diesen Verdacht hätte auch die Beobachtung des Verhaltens der lebenden Fische im See erhärtet. „Wir werden aber den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft um Unterstützung bitten, um andere Ursachen auszuschließen“, sagte Reif. Mit genauen Ergebnissen sei Ende dieser Woche zu rechnen.

Magdeburger See aufgeheizt

Auch der Magdeburger Anglerverein geht in erster Linie davon aus, dass die Fische im See durch zu wenig Sauerstoff im Wasser verendet sind. Der See habe sich in den vergangenen Wochen stark aufgeheizt. „Man kann davon ausgehen, dass der Sauerstoffgehalt dadurch auf unter vier Mikrogramm Sauerstoff pro Liter Wasser gefallen ist. Das ist für die Fische tödlich“, so Harald Rohr, Vorsitzender des Magdeburger Anglervereins, der die Salbker Seen I und II betreut.

Am Sonntag hatten Spaziergänger im Uferbereich des Salbker Sees I zahlreiche verendete Fische entdeckt und die Feuerwehr alarmiert. Die Wasserschutzpolizei war ebenfalls vor Ort und hatte die Unterstützung eines Polizeihubschraubers angefordert. So sollte geklärt werden, wie hoch das Fischsterben ist und ob möglicherweise Fremdstoffe, wie etwa umweltschädliche Flüssigkeiten, in den See gelangt sind. Das sei augenscheinlich nicht der Fall gewesen, so Polizeisprecherin Beatrix Mertens.

Niedriger Wasserstand im Salbker See

Für Harald Rohr ist der niedrige Wasserstand des Sees eine weitere Ursache für den Sauerstoffmangel im Wasser. Der Wasserstand des See hänge über ein kompliziertes System mit dem Grundwasserstand und dem Pegel der Elbe zusammen. Ganz einfach ausgedrückt: „Fällt der Wasserstand der Elbe, dann wirkt sich das immer auch auf den Grundwasserspiegel und den Wasserstand des Sees aus“, so Harald Rohr. Und da die Elbe zurzeit extremes Niedrigwasser führe, sinke zwangsläufig auch der Wasserspiegel des Sees.

Wenig Wasser, dass sich zudem noch aufheize, verliere schnell an Sauerstoff und führe zu einem Fischsterben. Nach Einschätzung der Angler ist der Wasserstand des Sees in den vergangenen Monaten um rund 1,5 Meter gefallen. Dabei blickt Rohr für die beiden Salbker Seen etwas düster in die Zukunft. Das Flussbett der Elbe werde immer Tiefer, der Grundwasserspiegel sinke, und wenn es ganz böse komme, sei zu befürchten, dass in 20 bis 25 Jahre die Salbker Seen fast ausgetrocknet seien, befürchtet Harald Rohr.

80 Kilo Jungfische gerettet

Der Anglerverein konnte übrigens noch rund 80 Kilogramm Jungfische retten und in den Salbker See II umsetzten, wo die Wasserqualität noch deutlich besser ist.