Magdeburg l Nur rund 45 Minuten benötigten die Männer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst am frühen Freitagnachmittag, um die Fliegerbombe im Magdeburger Gewerbegebiet Nord zu entschärfen. „Der Kopfzünder ging etwas schwer raus, aber letztendlich war die Entschärfung kein Problem“, sagte Olaf Machnik, Truppführer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes. Die unmittelbare Gefahr ist somit gebannt, aber die Arbeit der Männer noch nicht zu Ende.

Der 250 Kilogramm schwere Sprengkörper wurde mit Hilfe eines Baggers auf einen Kleinlaster geladen und in den sogenannten Munitionslager- und Zerlegebetrieb (MZB) gebracht. Dort soll die Bombe später einmal vernichtet werden. „Wann das sein wird, kann man noch nicht sagen, irgendwann wird sie dran sein“, berichtete Einsatzleiter Torsten Kresse.

Im Bunker wird die Bombe zersägt

Die Bombe wandert also nicht einfach in den Sondermüll oder auf den Schrottplatz. Sobald sie zur Vernichtung vorgesehen ist, wird sie in einen Bunker gebracht. Dort wird sie mit einer ferngesteuerten und wassergekühlten Bandsäge in kleine Teile zerlegt und dann verbrannt. „Die Männer, die das machen, sitzen dabei in einem weiteren Bunker und kommen nicht in die Nähe des Sprengstoffes, der zum Zeitpunkt der Zerlegung noch in der Bombe ist“, erklärt Kresse.

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Dass diese Sicherheitsvorkehrungen nötig sind, wird deutlich, wenn Kresse von der Sprengkraft der Bombe spricht. „In der Bombe befinden sich etwa 125 Kilogramm Sprengstoff. Wenn das Ding explodiert, hinterlässt es einen Krater von etwa vier Metern Tiefe und zehn Metern Durchmesser. Splitter davon würde man noch in rund einem Kilometer Entfernung finden“, so der Einsatzleiter. Selbst ein Panzer würde der Sprengkraft nicht standhalten können.

Dass die Bombe mit einem herkömmlichen Kleinlaster transportiert wurde, war trotzdem kein Problem. „Die Bombe war auf einer Palette mit Gurten verzurrt, die bewegt sich nicht.“ Solange an die Öffnungen, in denen die Zünder steckten, kein Funke kommt, sei ein solcher Transprot vollkommen ungefährlich.

Viel Erfahrung im Team

Truppführer Machnik macht sich auch keine große Sorge, wenn er zu einem Einsatz fährt. „Angst habe ich nicht, Respekt habe ich. Angst verursacht Fehler und die können wir uns nicht leisten.“ Machniks Frau habe sich an seinen Beruf gewöhnt und weiß, dass er sorgsam arbeitet. Das sechsköpfige Team hat mittlerweile mehr als 50 Bomben entschärft, dazu noch kleine Munitionskörper.

Gefunden hatten die Kampfmittelbeseitiger die Bombe am Dienstag bei Sondierungsarbeiten im Gewerbegebiet Nord. Dort soll demnächst eine Spedition entstehen. Im Zweiten Weltkrieg wurden in der Gegend Flugzeugmotoren getestet, deshalb gab es dort vermehrt Luftangriffe der Alliierten.