Magdeburg l Die Synagogengemeinde arbeitet seit Jahren auf den Bau eines neuen Domizils für die jüdische Glaubensgemeinde in Magdeburg hin. Im Landeshaushalt von Sachsen-Anhalt sind 300.000  Euro für Planungskosten eingestellt, versehen allerdings mit einem Sperrvermerk, der vom Bildungsausschuss und dem Finanzausschuss des Landtages aufgehoben werden muss, ehe die Synagogengemeinde über das Geld verfügen kann. Erst dann kann die Planung der neuen Synagoge zur Baureife gebracht werden.

Der Sperrvermerk ist gekoppelt an ein Konzept, das von den jüdischen Gemeinden des Landes Sachsen-Anhalt mitgetragen wird. Zudem ist der Kostenrahmen entscheidend. Ziel ist, die neue Synagoge im Jahr 2021 einzuweihen.

Forderung des Landes erfüllt

„Der Landesverband der jüdischen Gemeinden hat sich dafür ausgesprochen, dass die Synagoge in Magdeburg Priorität hat“, erklärte Stefan Hoenen als Vorsitzender des Kuratoriums für den Synagogenneubau auf Nachfrage. Danach ist die Forderung des Landes aus seiner Sicht erfüllt.

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Das Kuratorium kommt am 27. März 2018 zu seiner nächsten Sitzung zusammen, um weitere Schritte bezüglich der neuen Synagoge zu besprechen. Hoenen zeigte sich optimistisch, dass das Geld bald freigegeben werden könne.

Gemeinde wendet sich an Stadt Magdeburg

Damit sich keine neuen Probleme hinsichtlich des vorgesehenen Grundstücks ergeben, hat sich die Synagogengemeinde mit der Bitte an die Stadt Magdeburg gewendet, das Grundstück Julius-Bremer-Straße  3, auf dem die Synagoge errichtet werden soll, bis zum 31.  Dezember 2019 nicht weiter zu vermarkten. „Leider müssen wir uns erneut mit der Bitte an die Landeshauptstadt wenden, die Reservierung des Grundstückes zu verlängern“, schreibt Wadim Laiter in einem Brief an die Stadtverwaltung, der der Volksstimme vorliegt.

„Im Moment wiegen wir uns in der Hoffnung, dass der Beginn der Projektrealisierung in 2019 möglich wird“, heißt es in seinem Schreiben weiter. Über die entsprechende Beschlussvorlage soll der Magdeburger Stadtrat im nichtöffentlichen Teil der Sitzung am 5.  April 2018 entscheiden. Die Magdeburger Stadtverwaltung schlägt dem Stadtrat vor, einer Verlängerung bis zum 31.  Dezember 2019 zuzustimmen.

Immer wieder Fristverlängerungen

Das Grundstück ist bereits seit 2013 reserviert. Im ursprünglichen Beschluss sollte es maximal bis zum 31.  Dezember 2014 freigehalten werden. Fristverlängerungen gab es anschließend bis zum 31. Dezember 2015 und danach bis zum 31.  Dezember 2016. Anschließend unternahm die Stadt keine Schritte, um das Grundstück zu veräußern und sicherte es auf diese Weise auch über die abgelaufene Frist hinaus für den Synagogen-Neubau in der Magdeburger Innenstadt.

Während bei der Synagogengemeinde und im Kuratorium an der Freigabe des Landesgeldes gearbeitet wird, richtet sich Igor Tokar als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Magdeburg, die als eingetragener Verein in Magdeburg neben der Synagogengemeinde existiert, mit einem offenen Brief an die Verantwortlichen und Geldgeber für den Synagogenbau. Seine Forderung: Das Projekt soll überarbeitet werden.

Zwei Synagogen unter einem Dach

Die Jüdische Gemeinde zu Magdeburg, nicht Mitglied im Landesverband, sieht sich als Anhängerin des liberalen Judentums – eine Strömung innerhalb der jüdischen Glaubensgemeinschaft, deren besonderer Schwerpunkt auf ethischen Aspekten liegt – zugunsten der Einhaltung strenger ritueller Gebote. Tokar zieht hier den Vergleich zum Christentum mit seinen evangelischen und katholischen Anhängern. Um beiden Strömungen gerecht zu werden, müssten „zwei Synagogen unter einem Dach“ errichtet werden, findet Tokar. Er kritisiert in dem offenen Brief zudem, dass das Vorhaben zu teuer sei und die Synagogengemeinde einen „Palast“ errichten lassen wolle.

Die Synagogengemeinde gibt es in Magdeburg schon sehr lange. Nach der NS-Diktatur nahm sie 1945 wieder ihre Arbeit auf. Sie besteht bis heute unter Vorsitz von Wadim Laiter und hat 480  Mitglieder. Das Gemeindehaus befindet sich derzeit an der Gröperstraße. Wadim Laiter wollte sich gegenüber der Volksstimme nicht zum Brief und zum aktuellen Stand der Planungen äußern.

Konzept finanziell nicht tragbar

Laut Ministerium für Bildung gestaltet sich die Lage aktuell so: Vor zwei Jahren sei ein Konzept eingereicht worden. Dieses sei jedoch finanziell nicht tragbar gewesen. Ursprünglich waren etwa sieben Millionen Euro geplant. Deshalb sollte ein überarbeitetes Konzept eingereicht werden. Das stehe bislang allerdings noch aus.

Liege dieses Konzept vor, könne es vom Bildungsausschuss empfohlen werden, daraufhin könne der Finanzausschuss den Sperrvermerk aufheben. Der Sperrvermerk sei aufgrund der zahlreichen Diskussionen in den vergangenen Jahren gesetzt worden, um sicherzustellen, dass das Projekt bestimmte Auflagen erfüllt.