Magdeburg l Die Ottersleber Viertklässler sollen nach Möglichkeit für die kommenden Wochen nicht mehr in der Nebenstelle in der Ernst-Wille-Gemeinschaftsschule unterrichtet werden, sondern im Stammhaus der Grundschule in der Richard-Dembny-Straße unterrichtet werden. Und das, obwohl die vierten Klassen eigentlich aus der Grundschule ausgezogen waren, da dort der Platz nicht reicht.

Grund für den entsprechenden Beschluss des Stadtrats diesen Donnerstag: Die Ernst-Wille-Schule soll ab den Winterferien saniert werden. Für die Sekundarschüler steht fest, dass sie während der Sanierung in dem Schulgebäude an der Bertolt-Brecht-Straße unterrichtet werden.

Die Viertklässler sollten ab den Winterferien in einem Bürokomplex am Werner-von-Siemens-Ring lernen. Doch daraus wird nichts: Dort werden zwar die Räume vorbereitet. Doch fertig sind die in drei Wochen noch nicht.

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Keine Verzögerung bekannt

Dass diese Information ziemlich plötzlich über die Beteiligten hereingebrochen ist, vermeldete auch Bernd Heynemann. Der Christdemokrat ist Vorsitzender des Schulausschusses und berichtete, dass in den vergangenen Wochen nie von einer Verzögerung die Rede gewesen sei.

Die Stadtverwaltung hatte zwei Alternativen vorbereitet: Zum einen hätten die Viertklässler für die kommenden Wochen ebenfalls mit in die Schule an der Bertolt-Brecht-Straße umziehen müssen. Dann allerdings würden die mutmaßlich wegen des Schülerverkehrs zwischen Ottersleben und der Bertolt-Brecht-Straße künftig gut ausgelasteten Busse der MVB die Nachfrage kaum noch befriedigen können. Denn da dem Unternehmen keine zusätzlichen Busse und Fahrer zur Verfügung stehen, könnte kein zusätzlicher Schulbusverkehr organisiert werden.

Unbekannte Nebenwirkungen

Als Alternative könnte die Sanierung der Ernst-Wille-Schule bis zu den Oster- oder gar den Sommerferien verschoben werden. Der Knackpunkt hier: Ob die Handwerker, die in den Wochen ab den Winterferien an der Sanierung des Schulkomplexes arbeiten sollen, dann noch verfügbar sind, ist offen. Angesichts der guten Baukonjunktur darf davon ausgegangen werden, dass dies nicht möglich ist. Sprich: Ein Verschieben des Vorhabens entspricht einem Medikament mit unbekannten Nebenwirkungen.

Wigbert Schwenke, Vorsitzender der Fraktion CDU/FDP/BfM verglich die beiden Alternativen mit der Wahl zwischen Pest oder Cholera. Als Ottersleber hatte er die Zeit vor der Stadtratssitzung genutzt und sich nach einer Alternative umgehört: Eben jene Unterbringung der Viertklässler in der zu eng gewordenen Grundschule. Es habe bereits erste Gespräche gegeben. Im Fall der Fälle müssten aber weitere Gespräche stattfinden, und die Grundschule Ottersleben benötige dann die volle Unterstützung der Stadtverwaltung.

Unterstützung und Kritik

Unterstützung für Wigbert Vorschlag unumwunden seitens des sozialdemokratischen Stadtrats Christian Hausmann: Neben den Schwierigkeiten für die Viertklässler, überhaupt zur Schule zu kommen, würde die Entfernung zwischen Ottersleben und der Bertolt-Brecht-Straße auch zu schulorganisatorischen Problemen führen – sprich: Kurzfristig müssten weite Wege und entsprechende Zeiten für Lehrer eingeplant werden, die zwischen einzelnen Klassen wechseln.

Stadträte haben Zweifel

Zweifelnde Nachfragen aus der Fraktion Die Linke/Future: Stadträtin Jenny Schulz wollte wissen, wie denn der Platz jetzt reichen soll, wenn dies all die Jahre nicht der Fall gewesen ist. Die Lösung: Unter anderem müsste wohl ein Fachkabinett für ein paar Wochen als Klassenraum genutzt werden. Wigbert Schwenke brachte es auf den Punkt: „Begeistert ist keiner von den Varianten.“ Doch die jetzt unterbreitete sei die beste Lösung unter den vielen schlechten Vorschlägen. Kritik auch von Jenny Schulz’ Fraktionskollegen René Hempel: Mit der Entscheidung sei das per Gesetz vorgeschriebene Verfahren, bei grundlegenden Entscheidungen Schulleitung und Eltern einzubeziehen, ausgehebelt worden.