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Magdeburger des Jahres 2023: Andreas Schoensee Mit Video: Viel mehr als nur Reibekuchen für den guten Zweck

Die Volksstimme sucht mit ihren Lesern die Magdeburger des Jahres 2023. Zur Wahl steht auch Andreas Schoensee, der Reibekuchen für den guten Zweck verkauft. Hier geht es zu Porträt und Abstimmung.

Von Stefan Harter Aktualisiert: 25.11.2023, 10:58
Andreas Schoensee ist Kandidat beim Magdeburger des Jahres 2023.
Andreas Schoensee ist Kandidat beim Magdeburger des Jahres 2023. Foto: Viktoria Kühne

Magdeburg - Mit Reibekuchen Gutes tun? „Warum denn nicht?“, dachte sich der Magdeburger Andreas Schoensee vor mittlerweile elf Jahren und organisierte jede Menge Kartoffeln, einige fleißige Helfer und ein paar Pfannen. Der erste Verkauf kam dann so gut an, dass seitdem Tausende Reibekuchen – oder auch Kartoffelpuffer, je nachdem woher man kommt – an den Mann oder die Frau gebracht und Zehntausende Euro für soziale Einrichtungen eingenommen wurden.

Inzwischen sind gut 30 Personen an der Vorbereitung und Durchführung der eintägigen Aktion auf dem Weihnachtsmarkt am Lessingplatz beteiligt.

 
Andreas Schoensee über die Aktion „Reibekuchen für den guten Zweck“ in Magdeburg. (Video: Stefan Harter)

Das hätte sich der Stadtfelder damals nicht träumen lassen, dass seine Idee so gut ankommt und zum Dauerbrenner in der Vorweihnachtszeit wird, auf den sich die Leute bereits lange vorher freuen. Dabei prägt das Helfen seinen Lebensweg. Nach der Schule entschied sich der in Hannover aufgewachsene Schoensee, katholische Theologie zu studieren.

Seine ersten beruflichen Erfahrungen machte er dann in der Krankenhausseelsorge, die ihn nachhaltig geprägt haben, wie er sagt. Weil Seelsorge aber nicht ohne Geld funktionieren würde, machte er noch eine Ausbildung in Betriebswirtschaft.

Als die Wende kam, ging er zuerst nach Halle und 1995 schließlich nach Magdeburg ins Sozialministerium. „Um mitzugestalten“, wie Andreas Schoensee erklärt. Nach fast 30 Jahren in der Elbestadt fühlt er sich hier angekommen und engagiert sich vielfältig.

Anfangs unterstützte er mit dem Geld aus dem Reibekuchenverkauf die Wärmestube in Halberstadt, zu der eine persönliche Verbindung bestand. Inzwischen hilft er mit den Spenden auch in Magdeburg. Vor allem das Kinder- und Jugendheim „Erich Weinert“ ist Nutznießer. Dort findet auch eine wichtige Etappe bei der Vorbereitung der Aktion. „Wir schälen dort jedes Jahr an einem Tag die Kartoffeln“, erzählt er.

Wärmestube Halberstadt und Kinderheim Magdeburg werden unterstützt

Am zweiten Tag werden sie gerieben, bevor sie in einer eigens zur Verfügung gestellten Großküche zum Pufferteig verarbeitet werden. 100 Kilogramm Erdäpfel werden dafür von einer Landwirtin aus der Region gespendet. Circa 300 Portionen mit je drei Reibekuchen können daraus zubereitet werden, die jedes Jahr im Dezember in Windeseile verkauft werden. „Ein Knochenjob“, meint Schoensee.

In diesem Jahr beteiligte er sich auch am Straßenfest der Magdeburger Songtage mit einem Benefizstand. Statt Reibekuchen gab es kleine Leckereien wie Datteln im Speck oder Pizzateilchen, die er mit seinen Helfern zubereitet hatte. Wieder ging der Erlös an das Kinderheim, das damit Ferienfreizeiten für die jungen Bewohner ermöglichen konnte.

Junge Menschen sollen positive Erfahrungen machen, um später selbst zu helfen

Der Nachwuchs liegt ihm ohnehin besonders am Herzen, wie Andreas Schoensee betont. „Junge Menschen müssen erst selbst positive Erfahrungen machen, bevor sie es nachmachen können“, erklärt er. So könnten sie später, wenn es ihnen gut geht, Leuten, die nicht so viel Glück hatten, etwas zurückgeben. So wie es auch bei ihm der Fall gewesen war.

Deshalb initiierte er zum Beispiel auch 2020 eine Graffiti-Aktion für das Eiscafé am Lessingplatz. Mit Unterstützung der Stadtfelder Gemeinwesenarbeitsgruppe, an der er regelmäßig teilnimmt, wurde die kreative Gestaltung der Terrassenumrandung durch Kinder und Jugendliche realisiert. So gibt es einen Farbtupfer, der zudem vor illegalen Schmierereien schützt, meint Schoensee, der nach eigenen Angaben überall dort hilft, wo Hilfe gebraucht wird.

Leser-Wahl: Wer wird Magdeburger des Jahres 2023? Hier können Sie für Ihren Favoriten abstimmen

Hilfe nach Hochwasser in Magdeburg und im Ahrtal

Auch als die Hochwasserkatastrophe das Ahrtal heimsuchte, war er zur Stelle und sammelte privat Spenden. Über 2.000 Euro sind damals zusammengekommen. „Die Menschen haben uns 2013 beim Elbehochwasser auch geholfen, da muss man doch etwas zurückgeben“, sagt der 65-Jährige, der damals selbst neben vielen jungen Menschen im Wissenschaftshafen Sandsäcke befüllt hatte.

Die Leute geben mir auch gerne etwas, weil sie wissen, dass es dort ankommt, wo es hinsoll, sagt der Theologe – ein wertvoller Vertrauensbeweis. „Wir können alleine nicht die ganze Welt retten. Man kann aber trotzdem jeden Tag aufstehen und schauen, was man beitragen kann, dass sie nicht ganz so ist, wie sie ist“, erklärt er bestimmt.

Reibekuchen kommen nur einmal im Jahr auf den Tisch

Warum aber nun gerade Reibekuchen? Es gebe sicherlich auch weniger aufwendige Dinge, die man machen könnte. „Ich koche gerne“, sagt Andreas Schoensee mit einem Lächeln. Allerdings reicht der eine Tag im Dezember: Für den Rest des Jahres kommen bei ihm keine Reibekuchen auf den Tisch.

Natürlich steht Andreas Schoensee mit seiner Kochschürze auch 2023 wieder an seinem Stand und reicht die Reibekuchen-Trios über den Tresen. Wer gute Kartoffelpuffer für den guten Zweck probieren will: Ab 16 Uhr wird am 4. Dezember 2023 auf dem Lessingplatz wieder verkauft. Mit dabei: ein würdiger Kandidat für den Magdeburger des Jahres 2023

Der Kandidat im Kurzporträt

Alter/Familienstand/Kinder: 65/geschieden/keine

Beruf/Tätigkeit: Diplomtheologe/ Verwaltungsangestellter

Das mag ich an Magdeburg: Ich erlebe Magdeburg als eine geschichtsträchtige Stadt mit vielen Verweilorten, in der begeisterungsfähige Menschen leben. Es ist eine liebens- und lebenswerte Stadt mit vielen Potenzialen.

Hier kann Magdeburg noch besser werden: Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam unsere Kultur eines lebenswerten Miteinanders weiterentwickeln, so dass wir zukünftig noch verantwortungsvoller miteinander umgehen.

Magdeburg ist in zehn Jahren: eine weltoffene Stadt, in der Menschen unterschiedlichster Herkunft friedlich miteinander leben und sich einbringen.

Das sagt Miguel Weide, Geschäftsführer des Jugendhilfeverbunds Magdeburg: Mit seinen eigenen Aussagen „Gemeinsam miteinander für andere“ und „Hilf dort, wo Hilfe gebraucht wird“ beschreibt Andreas Schoensee sehr treffend sein über viele Jahre andauerndes Engagement für die Stadt und deren Bewohner.