Unternehmen im Wandel

Öhmi AG: Vom DDR-Zentrallabor zur Aktiengesellschaft in Magdeburg

Nicht jedes Unternehmen in Magdeburg hat die Umbrüche der Wendezeit überstanden. Die Öhmi AG ist im Wandel stärker geworden. Eine Sekretärin hat die wesentlichen Entwicklungen über fast vier Jahrzehnte mitgemacht.

Von Konstantin Kraft
Der Vorstandsvorsitzende der Öhmi AG, Carsten Transfeld, mit der langjährigen Sekretärin Martina Henke.
Der Vorstandsvorsitzende der Öhmi AG, Carsten Transfeld, mit der langjährigen Sekretärin Martina Henke. Foto: Konstantin Kraft

Magdeburg - Vom volkseigenen „Zentrallabor der Öl- und Margarineindustrie“ über die Privatisierung zum Treuhandbetrieb „Öhmi Forschung und Ingenieurtechnik GmbH“ direkt nach der Wende bis hin zur Gründung als Aktiengesellschaft im Jahr 1999 mitsamt einer Auslagerung der neu erschlossenen operativen Geschäftsfelder. Öhmi hat sich am freien Markt behaupten können und ist dabei stetig gewachsen.

Das Unternehmen ist mittlerweile nicht mehr nur forschend im Feld der Pflanzenöltechnologie (Pilot Pflanzenöl Magdeburg e. V.) aktiv, sondern hat zudem eigene Gesellschaften in der Lebensmittel-, Trinkwasser- und Umweltanalytik (Öhmi Analytik), im Qualitätsmanagement (Öhmi EuroCert) sowie im Immobilienservice (Öhmi Service).

Gute Seele des Hauses

Eine, die die entscheidenden Entwicklungen des Unternehmens mit Sitz an der Berliner Chaussee vom Anfang der 1980er Jahre bis zum heutigen Tag mitgemacht hat, ist Martina Henke. Sie arbeitet als Sekretärin im Empfang der Öhmi AG. Für viele Kunden und Geschäftspartner ist sie Gesicht und Stimme des Betriebs. Zum Ende dieses Monats geht sie in den wohlverdienten Ruhestand. Sie hat dann genau 38 Jahre, 5 Monate und 9 Tage für die Öhmi AG und deren Vorgänger gearbeitet.

„Sie ist die gute Seele des Hauses“, würdigt Dr. Carsten Transfeld, Vorstandsvorsitzender der Öhmi AG. 2013 hatte er den Chefposten von seinem Vater Peter übernommen. Auf seine Mitarbeiterin im Empfang sei stets Verlass gewesen. „Wenn die Stimme von Frau Henke am Telefon zu hören ist, dann ist man erst einmal gut aufgehoben.“

Martina Henke hat im Februar 1983 als Sachbearbeiterin und Schreibkraft beim damaligen Zentrallabor angefangen. Mehr aus Zufall. Eigentlich suchte sie einen Betreuungsplatz für ihren Nachwuchs im betriebseigenen Kindergarten. Dass sie fortan ihr ganzes Berufsleben vor Ort verbringen würde, hätte sie nicht gedacht. Der Abschied fällt schwer.

Zahl der Mitarbeiter verdoppelt

Mit Gründung des „VEB Kombinat Öl und Margarine Magdeburg“ kam Henke im Bereich Forschung und Entwicklung unter. Sie tippte Berichte auf der Schreibmaschine ab. „Ich bin dann eine Treppe höher gestiegen und habe einen Sekretariatsjob bekommen“, erzählt sie. In dieser Funktion war sie im Grunde bis heute tätig. Wiewohl sich ihre Zuständigkeiten stetig erweitert haben. „Mein Aufgabengebiet wurde immer größer, weil ich nie Nein sagen konnte“, so die 63-Jährige. Sie ging dann sogar zweimal auf Dienstreisen. Darauf hätte sie gerne verzichtet: „Ich bin lieber im Hintergrund“, sagt sie. Ihre täglichen Aufgaben: von der klassischen Schreibarbeit über Empfang bis Betreuung von Besuchern bis hin zu organisatorischen Tätigkeiten. Alle paar Augenblicke klingelt das Telefon.

Henke machte die wesentlichen Veränderungen im Unternehmen am eigenen Leib mit und lernte stets Neues: Aus der Schreibmaschine wurde der Computer, für internationale Kundengespräche war Englisch gefragt. Wie war das zu schaffen? „Mein Arbeitstag fängt damit an, dass ich eine Stunde früher da bin“, sagt sie. „Ich bin gerne hier, weil immer so viel zu tun ist.“

Martina Henke sagt selbst, sie sei so etwas wie das „Mädchen für alles“. Wer das Haus betritt, den kann sie namentlich begrüßen. Wenn mal etwas verloren geht, hilft ihr enormer Erfahrungsschatz aus: „Ich bin das Büro für ungeklärte Fälle.“ Seit 1992 hat Martina Henke insgesamt 35 Auszubildende begleitet. Es gab auch schwierige Zeiten: Im Zuge der Privatisierung schrumpfte die Zahl der Mitarbeiter direkt nach der Wende von 120 auf 32. Heute beschäftigt die Öhmi AG in ihren Gesellschaften rund 250 Mitarbeiter, doppelt so viele wie zu Zeiten des DDR-Zentrallabors. Carsten Transfeld unterstreicht: „Es ging nur durch beständigen Wandel.“